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Komplizen der Spielregeln

Die Kölner Band Komplizen der Spielregeln schafft Kunst mit Konzept, ohne dass man am Ende vor Konzeptkunst steht.
Geschrieben am

Am Anfang ist da diese Stimme von Tobias Ortmanns. Sie changiert zwischen scharf phrasierter Spoken-Word-Performance und Kneipengefühlsausbruch, reiht Wörter zu Rätseln aneinander und droht, für einen Moment alles zu überlagern. Doch die Band hinter dieser Stimme hält das aus. Sie spielt mit den Worten ihres Sängers wie mit einem zusätzlichen Instrument, bündelt die Energie und fügt sie ein in dieses Mosaik aus feinen Tönen, satten Harmonien, überraschenden Breaks und rasenden Soundpassagen.

»Der Albumtitel »Lieder vom Rio d’Oro« stand schon relativ früh fest«, erzählt Komplizen der Spielregeln-Sänger Ortmanns im Interview. "Wir brauchten ein Bild, um Musik zu schreiben, wussten aber um die Gefahr von ‘Konzeptalben’ – vielleicht sollte man das auch gar nicht so nennen. Wir stellten uns diesen Fluss aus Gold vor und wie Menschen mit ihren Gegenständen in Gold schwimmen und darin ersaufen. Ein Bild dafür, wie diese ganzen Wertigkeiten unsere Wahrnehmung zugepappt haben."
Während das Album läuft, vergisst man für einen Moment, dass man es hier bei allem kreativen Ausdruck letztendlich mit deutschsprachigem Indie-Rock zu tun hat – und das sei an dieser Stelle alles andere als despektierlich gemeint. Die Komplizen sind keine Kunsttypen, sondern eine Band aus Freunden, die zeigt, was in diesem Genre 2011 noch drin ist, wenn man bereit ist und den Mut hat, sich wirklich mal selbst etwas auszudenken.

Produziert wurde das Album in der Abgeschiedenheit der Insel Malta, erst hier entstanden die Songminiaturen als Kitt zwischen den ausufernden Stücken. Produzent Hannes Jaeckl (Sans Secours, Ampersand)hat die 13 Stücke mit dem nötigen Gespür dafür, dass manchmal auf Druck und Soundkompression verzichtet werden muss, um zu einem hochenergetischen und trotzdem leichtfüßigen Ergebnis zu kommen, aufgenommen und kaum bearbeitet. Trotz aller Vertracktheit und Klarheit klingt jeder Song live und wie aus einem Take. »Wir wollten, dass die Platte eine Geschichte erzählt, dass es eine Reise ist und die Lieder einzelne Stationen aus verschiedenen Blickwinkeln sind«, bilanziert Ortmanns.

Auf dieser Reise wird auch diese Band wieder vornehmlich nach den Texten beurteilt werden, die Ortmanns nicht ins Mikro singt, schreit oder spricht, sondern vielleicht am ehesten: ruft. So kompliziert und weltabgewandt, wie man annehmen könnte, sind die zerschlagenen Satzteile dann doch nicht, wenn man sie an den richtigen Nahtstellen zusammenfügt. Es gibt zwar keine klaren Urteile und endgültigen Positionen, dafür aber jede Menge Fragen an sich selbst: nach der Legitimation von festgelegten Zielvorgaben, dem Sinn von Protestsongs und dem Zweck des ganzen eigenen Gemache. Verstiegene Verkopftheit klingt anders, ohne Kraft geht es aber dann doch nicht. Ortmanns: »Wenn ich das Album gehört habe, hab ich immer gedacht: Alter Vatter, das ist schon eine Menge Input.«