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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Set 'em Wild, Set 'em Free

Akron/Family

Unpathetische optimistische Gegenkultur - dafür hat das Album mehr Sterne verdient, als auf die amerikanische Flagge passen.
Geschrieben am


Ob Obama und die Hoffnung auf einen Neuanfang hier schon Spuren hinterlassen haben? Das Album blickt voller Zuversicht in die Zukunft. "Sun will shine, and I won't hide", heißt es in einem Song lapidar.


Und am Ende stehen die Zeilen: "Last year was a hard year / For such a long time / This year's gonna be ours." Auf dem Cover prangt die amerikanische Flagge. Doch Vorsicht, hier melden sich keine Südstaaten-Patrioten zu Wort, das Cover zitiert eher das legendäre "There's A Riot Goin' On" von Sly & The Family Stone.

Und obwohl das Wort "Riot" bei Akron/Family nicht vorkommt, geht es um Veränderung, um Freiheit - "you cannot lose". So abstrakt die Texte bleiben und obwohl nie richtig fassbar wird, welches "Wir" gemeint ist, das da in eine große Zukunft blickt, wird in Verbindung mit der Musik intuitiv klar, dass hier noch einmal eine große gegenkulturelle Gemeinschaft beschworen wird, ganz so, als wären die Uhren auf 1968 gestellt und Woodstock stünde kurz bevor. Bei Akron/Family kommt noch einmal alles zusammen, was in den Sixties musikalisch Akzente setzte, von den Fugs bis zu Simon & Garfunkel, von Grateful Dead bis zu den Byrds, allerdings in einer sehr eigensinnigen, nie plagiatorischen Mischung aus Psychedelic und Folk. Der hier formulierte Glaube an eine große Zukunft mag vermessen sein, doch die Musik vermittelt tatsächlich ganz ohne Pathos, dass es so etwas wie Gegenkultur auch heute noch geben kann, der totalen Standardisierung und Warenförmigkeit von Pop zum Trotz. Alleine dafür hat das Album mehr Sterne verdient, als auf die amerikanische Flagge passen.