×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Irmin Schmidt & Kumo bei Intro Intim

Aggregatszustand wechselhaft

Heimspiel für den Wahl-Franzosen plus Schwiegersohn. Irmin Schmidt, 66, Meisterschüler, Viertel-Legende und Ex-Backenbartträger ist wieder zurück in der Stadt, in der alles begann. Köln empfängt den ehemaligen Can-Keyboarder natürlich und ausgerechnet in einer Kirche. Ein monströses Ungetüm von eine
Geschrieben am

Heimspiel für den Wahl-Franzosen plus Schwiegersohn. Irmin Schmidt, 66, Meisterschüler, Viertel-Legende und Ex-Backenbartträger ist wieder zurück in der Stadt, in der alles begann. Köln empfängt den ehemaligen Can-Keyboarder natürlich und ausgerechnet in einer Kirche. Ein monströses Ungetüm von einem pechschwarzen Flügel lauert dort anstelle des Altars und auch der Heizlüfter giert nach den kalten Fingern, die Schmidt in Kürze dort in das Manual stürzen wird. Daneben, rechterseits, quasi als Antipode der virtuosen Opferstätte, türmen sich die Beatfabriken, ragt die Intensivstation für Flächen und Geräusche, Arbeitsplatz von Jono Podmore alias Kumo in den dunklen Mantel des spärlich ausgeleuchteten Raumes.

Der Maestro und sein Son-in-law aus Liverpool betreten den Präsentierteller des Sakralbaus ohne jede Form der Selbstinszenierung. Auf dem Flügel liegt klein und verloren ein weiteres Keyboard, welches im direkten Größenvergleich eher wie die Steuereinheit des Flügeldeckels erscheint. Hier schlummern Schmidts geheime Kräfte, wenn das akustische Instrument die Bässe vermissen lässt oder Kumos musikalische Beiträge auf eine andere Antwort als die der Holz-Hämmerchen hoffen.

Dann beginnt der Ritt im sportlichen PingPong-Verfahren durch verschiedenste Klangwelten. Irmin Schmidt springt ins Elfenbein, während sein jüngerer Duett-Partner mit Rhythmen und Flächen kleine Brände legt, in deren Rauch beide wieder zueinander finden, um erneut Einheit zu beschwören. Der Himmel ist die Grenze und im musikalischen Rahmen zwischen Neuer Musik und Café Del Mar wird ausgelotet, was der Moment hergibt. So entsteht ein expressives, zuweilen sphärisches oder hypnotisches Klangkonstrukt, das in seiner Spielfreude, Virtuosität, Dogmenlosigkeit und Unberechenbarkeit wie eine Filmmusik wirkt. Beide folgen ihren Impulsen, errichten, lassen einstürzen, kontrollieren, werden kontrolliert und pendeln zwischen Dissonanz und Einklang. Selten waren Musik und Publikum so heterogen, waren Neugier und Fieber so starke Träger einer gemeinsamen Irrfahrt durch unterschiedlichste Ausdrucksformen.

Eindrücke und Erinnerungen könnt ihr euch in der Bildergalerie verschaffen.