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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Words Are Missing

AGF

Abstraktion als Waffe gegen den Gleichklang: Zischen, Fiepen, Rattern und noch einmal die elektronischen Geräte gegen die Gebrauchsanweisung so erklingen lassen,
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Abstraktion als Waffe gegen den Gleichklang: Zischen, Fiepen, Rattern und noch einmal die elektronischen Geräte gegen die Gebrauchsanweisung so erklingen lassen, dass nicht Funktionalität im Mittelpunkt steht, sondern Lust an ungewohnten Klängen und Klangkombinationen.

AGF, das ist Antye Greie aus Berlin, ehemals bei Laub aktiv und noch immer aktiv im all female Avant-Projekt Lappetites mit Eliane Radigue, Kaffe Matthews und Ryoko Kuwajima.

Für "Words Are Missing" kommen tatsächlich keine Worte mehr zum Einsatz, höchstens noch Buchstaben, vokal eingesetzt wie rhythmisch strukturierte konkrete Poesie. Die Dekonstruktion von Sprache in ihrer Lautpoesie korrespondiert mit der Dekonstruktion von Pop und elektronischer Musik: Drum'n'Bass, House sowie all das, was in den Neunzigern mal unter den Hilfsbegriff "clicks'n'cuts" gefasst wurde, kommt hier höchstens noch an den Rändern vor, eigenartig deformiert, andererseits aber auch lustvoll aufgegriffen, denn die stolpernden, sich munter überschlagenden Klangpartikel lassen jede Menge Spaß erkennen.

Spaß beim Produzieren, der sich auch aufs Hören überträgt: "Words Are Missing" erschöpft sich nicht im bloß Konzeptuellen, sondern sucht vergleichbar mit Autechre nach einer Abstraktion, die auf eigenartige Weise "swingt". Von dieser Leichtigkeit rückt AGF nur dort ab, wo es kontextuell Sinn macht: Auf "Presswehen" sind tatsächlich Presswehen, also ebenfalls nicht als Worte erkennbare Schreie zu hören - kein schön zu hörendes Stück, aber beste feministische Konfrontation auf ganzer Yoko-Ono-Linie. Ein durchweg empfehlenswertes Album.