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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein Song und seine Geschichte

Afrob über »Reimemonster«

Die Neunziger feiern ein endloses Revival, und nur Deutschrap lässt das kalt? Wohl kaum, schließlich läuft auf jeder guten wie schlechten 90er-Party mindestens ein HipHop-Classic – und jeder weiß, welcher. Sermin Usta sprach mit Afrob über seinen im März 1999 veröffentlichten Hit »Reimemonster«.
Geschrieben am

Interview:
Sermin Usta

»Was wäre passiert, wenn sie Ferris damals erwischt hätten?«, frage ich mich manchmal. Dann hätten wir diesen Song wohl niemals gemacht. Zumindest nicht so, wie er heute ist. Von daher glaube ich, das es die Hand Gottes war, die den Song schließlich ermöglicht hat – und das, obwohl Ferris mit einem Rucksack voll Haze am Stuttgarter Bahnhof ankam. Das hätte auch alles ganz anders laufen können. Ich meine, wer reist mit so viel Zeug in der Tasche nach Stuttgart?

Ich hatte ihn ein paar Wochen zuvor angerufen und ihm von einem DJ-Thomilla-Beat erzählt, der schon durch einige Hände gegangen war, den aber bisher alle abgelehnt hatten. Alle außer mir. Ich wusste, Ferris war der beste MC für den Track. Er ist ein besonderer Mensch. Ich hatte ihn in meinem Leben allerhöchstens zwei Wochen am Stück gesehen, aber das hat gereicht, um zu merken, dass er zu den Leuten zählt, die überhaupt keine Issues haben – und das ist in diesem Business wirklich selten. Ferris spricht von Mensch zu Mensch und stellt nicht irgendwen dar. Dafür schätze ich ihn sehr. Und ihr seht, was passiert ist: Durch diesen Song sind wir für immer miteinander verbunden. So etwas passiert nicht oft im Leben.

Und wie ich schon sagte, wurden uns einige Steine in den Weg gelegt. Das Musikvideo beispielsweise sollte in Tschechien gedreht werden. Alles war vorbereitet, die Crew bereits vor Ort, und plötzlich fiel uns auf, dass ich ein Visum brauchte, um zum Drehort zu reisen. Die Sache wurde sofort abgeblasen. Der damalige Label-Geschäftsführer Fitz Braum gab mir aber sein Wort, dass noch ein Video gedreht werden würde – komme, was wolle. Wir dachten kurz an Panzer, die über nackte Frauenkörper rollen, und so. Zum Glück haben sich die bescheuerten Ideen nicht durchgesetzt. Dafür sind wir gemeinsam mit ein paar Stuttgartern und den Spezializtz im Schlepptau nach Bregenz in ein Kunstmuseum gefahren. Da lief auch alles gut, bis mich am nächsten Morgen meine Crew inklusive Ferris im Hotel sitzen gelassen hat. Das waren Anarcho-Zeiten damals. Ernsthaft, keinem ist aufgefallen, dass ich nicht mit im Auto saß. Am Ende musste ich auf Kosten des Labels mit einem Taxi von Österreich nach Stuttgart fahren.
»Reimemonster»

Ah, ey yo, komm
Das ist Afrob und Ferris MC
And we don’t stop
Ey yo, das geht raus an alle meine Kopfnicker HipHopper
Mongo Clikke

Schönen guten Abend, meine Damen und Herren
Wir machen Rapmusik, verdammt, wir hören sie auch gern
Also herzlich willkommen – wir rollen mit Hip Hop
Der Name ist Ferris MC, und ich heiße Afrob
Keine Frage, Mann, nur das Beste vom Besten zum Testen
Arbeit und Schweiß kann Talent nicht ersetzen
Ob heiß wie Feuer, kalt wie Eis, Schwarz auf Weiß
Du willst’n Beweis? Bezahl den Preis für den Scheiß
Junge, was wollt ihr mehr? Ich und er rocken schwer
Die anderen Rapper fuckt das ab, habt ihr was? Dann kommt doch her
Aber bitte, wer schafft es nur so ungefähr
So wie wir? Mikrofone brennen, weil wir Funken spucken
Alter, wir sind nicht wie jeder, machen’s nicht mit jeder
Besitzen mehr Größenwahn als’n Ami, schwingt bei uns die Feder
Wie das größte Schwert, auf dem höchsten Pferd
Durch die Industrie kommen wir in Frieden, wie Ganja oder Gandhi

Ferris, was geht ab?
Yo, Afrob, was geht ab?
Hast du Bock? Ja, klar Komm, wir rocken jetzt die Stadt
Yo, macht euch locker
Denn dieser Sound haut euch vom Hocker
So was habt ihr nie gesehen, so was machen HipHopper
  

Sag mal, hast du Interesse an Rap und fette Bässe
Afrob und der Ferris ist die richtige Adresse
Haben Spaß dabei, Mikrofoncheck, eins, zwei
Unsere Augen haben rotes Licht, stehen immer auf Stand-by
Alle Leute kommt, seid ihr mit?
Afrob, Ferris MC ist der neue Hit
Wir machen’s vor, ihr macht es nach, das ist der erste Schritt
Zusammen rockt die Action, spüre diesen Augenblick
Und unser Überblick wird geschickt rübergeschickt, vergiss den
Standard
Scheißrapper stellen Arbeitslosenantrag
Denn wenn wir hier sind, seid ihr besser da
Und ihr wisst, wer besser ist, in diesem wie in jedem Jahr
Vielleicht ist unser Rapstyle euch viel zu kompliziert
Das ist mir scheißegal, auch wenn ihr uns voll ignoriert Ich lieb den
Scheiß, steh dahinter eintausend Prozent
Jeder, der mich kennt, weiß, ich bin der Rapper, der wie Feuer brennt
Und das zeichnet einen guten MC aus
Er versteht sein Werk und macht das Beste draus
Gar nichts fordert ihn heraus
Wir haben was zu erledigen, uns hier zu verewigen
Kolchose und die Mongo Clikke können dir das bestätigen?
  

Afrob, was geht ab?
Yo, Ferris, was geht ab?
Hast du Bock? Ja, klar
Komm, wir rocken jetzt die Stadt
Yo, macht euch locker Denn dieser Sound haut euch vom Hocker
So was habt ihr nie gesehen, so was machen HipHopper

Alle Leute, seid ihr mit, kommt, wir machen’s vor
Alle können es sehen, super rough und hardcore
Denn letzte Nacht fuhr’n wir einen Panzer
Es war’n Afrob und Ferris, die Reimemonster

Afrob

beats, rhymes & mr. scardanelli (Acoustic)

Release: 06.10.2017

℗ 2017 One Shotta Records