×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

80 Jahre Terry Riley

Africa Express und Mouse On Mars live in Bochum

Um eine Konzertveranstaltung für das Kunstfestival Ruhrtriennale fit zu machen, bedarf es eines konzeptionellen Überbaus. Angesichts der Klasse des Line-ups des 80 Jahre Terry Riley-Konzertes in der Bochumer Jahrhunderthalle wurde man aber das Gefühl nicht los, dass es einfache Band-Shows der beteiligten Künstler wie Africa Express oder Mouse On Mars auch getan hätten.
Geschrieben am
29.08.2015, Bochum, Jahrhunderthalle

Um es gleich vorweg zu schicken: Wer gedacht hätte, an diesem Abend etwas Substanzielles über den Ende Juni 80 Jahre alt gewordenen US-Komponisten Terry Riley zu lernen, sah sich getäuscht. Höchstens eine Erkenntnis blieb: Seine Werke der Minimal Music, besonders das hier gleich doppelt interpretierte »In C«, lassen größtmöglichen Spielraum für Variationen. Das machte sich gleich auch die erste Formation des in drei Aufführungen unterteilten Abends zunutze: Man hatte zwar nicht den Eindruck, dass sich die gut 20 Musiker von Africa Express unter der Leitung des Dirigenten André de Ridder, darunter Mouse On Mars’ Andi Thoma, Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs und Metronomys Olugbenga Adelekan besonders intensiv mit dem im Original knapp einstündigen Stück auseinandergesetzt hatten – ihrer Spielfreude und der Faszination ihres Auftrittes tat das aber keinen Abbruch. Trotzdem: Wirklicher Enthusiasmus kaum auf der Bühne erst auf, als die afrikanischen Musiker des Ensembles eine ausgedehnte Zugabe anstimmten.
 

Diese Emotionen fielen beim zweiten Stück des Abends recht schnell wieder in sich zusammen: Der junge Electro-Produzent Koreless hatte die Streicher des Instrumentenkollektivs Stargaze zu einer Performance gebeten, die einem Reaktionsspiel vom Schulhof glich: Sobald eine Glühlampe über ihm anging, musste jeder der ganz in schwarz gewandeten Musiker zunächst ein Wort und später einen Ton von sich geben. Verständlicherweise war Koreless, ein rotbäckiger Waliser, der offenbar mit Abstand nervöseste Akteur des Abends – umso mehr, als der erste Einsatz seines Werkes wegen technischer Probleme der Lichtabläufe abgebrochen werden musste. Man kann seiner von Rileys Stück »Cycles I« inspirierten Installation aber zugute halten, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes »minimal« erschien.
 

Zum Abschluss hatten sich die Ex-Düsseldorfer Kunstfestival-Matadoren Mouse On Mars für ihre Interpretation von »In C« mit dem Ex-Battles-Musiker Tyondai Braxton und dem elektroakustischen Künstler Moritz Simon Geist hochkarätige Unterstützung eingeladen. Letzterer bediente seine Sonic Robots - wie der Name schon sagt tönende Roboter. Wie angesichts der beteiligten Musiker schon zu erahnen war, hatte die Interpretation dieses roboterunterstützten Quartetts nichts, aber auch gar nichts mit der Africa Express-Variation von »In C« zu tun. Ein herrliches Electro-Noise-Gemetzel war das Konzert trotzdem. Aber auch hier verstärkte sich nach und nach der Eindruck, dass ein vom Konzept losgelöstes Kollabo-Konzert dieser Musiker ähnlich gut hätte funktionieren können.