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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

1965

AFGHAN WHIGS

Der musikalische Schulterschluß zwischen Detroit und Seattle. Das war die einfachste Formel, mit der sich der einzigartige Sound der Mannen um Greg Dulli bis zum Höhepunkt dieses Nebeneinanders auf "Black Love" beschreiben ließ. Schon auf dem '91er Album "Congregation" ziert eine schwarze Frau mit e
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Autor: intro.de

Der musikalische Schulterschluß zwischen Detroit und Seattle. Das war die einfachste Formel, mit der sich der einzigartige Sound der Mannen um Greg Dulli bis zum Höhepunkt dieses Nebeneinanders auf "Black Love" beschreiben ließ. Schon auf dem '91er Album "Congregation" ziert eine schwarze Frau mit einem weißen Säugling das Cover. Und die anvisierte Synthese von Soul und Gitarrenunderground gelang ein ums andere Mal in fast maßloser Intensität. Dulli hatte sich für sein manisch beherrschendes Thema - den Kampf der Geschlechter mit allen Facetten der Leidenschaft - das ideale Soundambiente erschaffen. Mit einem programmatischen Hang zur Dissonanz seufzte, schrie, näselte und flüsterte er sich die Seele aus dem Leib. Statements von offensiver Willenskraft und einer ambivalenten Liebe zum Leben. "1965" bricht ein Stück weit mit dieser Entwicklung. Das mag daran liegen, daß sich die persönlichen Lebensumstände Dullis geändert haben. Der Mann scheint dem Frieden mit sich und der Welt ein Stück näher gekommen zu sein. AFGHAN WHIGS klingen 1998 entspannter, häufig sind die Tempi schleppender als einst. Unmerklich ist der Blues eingezogen. Das aber wohlgemerkt in musikalischen Breitengraden, wo jede Note, wo unsagbar schöne Soul-Zitate und die unvergleichlich singenden Gitarren immer noch vor allem berühren und beeindrucken wollen. "1965" ist mehr als ein Angebot. Die durchgängige Einbindung von Backgroundsängerinnen stilisiert plakativer denn je Dullis bevorzugtes Außenseiterdasein. Wenn er mit einem bei AL GREEN entlehnten Falsett, das in schmerzlich-schönem Streben nie ganz gelingen will, um die Gitarren haucht, ist die Spannung greifbar: das klanggewordene Modell der Schönen und des Biestes. AFGHAN WHIGS bleiben die Rockband mit der schwärzesten Seele.