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»Haste mal `ne Selbsteinschätzung?«

Affenmesserkampf

Wir haben die Punks von heute mit unserem Deutschpunk-Fragebogen konfrontiert. Hier kommen die Antworten der Fünf von Affenmesserkampf.
Geschrieben am
Herkunft Kiel
Gründung 2007
Stil Progressive-Alles-Quatsch-Punk
Akt. Album »Doch« (Narshardaa / Cargo)
Im Netz Affenmesserkampf

Was kommt euch als erstes in den Sinn beim Reizwort »Deutschpunk«?
Hannes: Straßenkids am Bahnhof. Und die Deppen, die sich über eben diese aufregen.
Hauke: Saufen und Pogo
Leif: Leiernde, 20-fach-durch-die-Schule-kopierte Kassetten mit Bands wie Normahl, Slime, Beck’s Pistols und Toxoplasma drauf, »Ich zahl nicht mehr«-Aufkleber, Weser-Label, Saufen.
Mirko: »Schlachtrufe BRD«, Force Attack, so eine zum Klischee erstarrte Selbstverortung. Das habe ich nie so richtig verstanden.
Torben: Punkerplatte. Schmeckt nicht.

Welche deutsche Punkband findet ihr echt groß, welche echt gruselig?

Mirko: Gute deutsche Punkbands gab und gibt es einige. Nur machen die in der Regel nicht unbedingt das, was im Allgemeinen so unter dem Label »Deutschpunk« läuft. Zorn zum Beispiel. Oder aktuell Abfukk. Sind die überhaupt noch Punk oder schon Hardcore? Ist mir eigentlich auch egal. Schubladen braucht kein Mensch.
Hauke: Groß: Pascow. Gruselig: Die meisten
Hannes: Robin, von Robinson Krause, ist groß. Bestimmt zwei Meter. Und gruselig ist, dass er immer so krumm geht und steht. Da läuft es mir eiskalt die Bandscheibe runter. Ach ja, und Abwärts sind echt voll scheiße.
Leif: Groß: Ton Steine Scherben, wenn man ihnen das Attribut »Deutschpunk« mal andichten darf. Gruselig: Abwärts.
Torben: Aus unserer Sicht sind wohl viele groß. Immerhin sind 4/5 von uns echt unterdurchschnittlich. Gerne hören mag ich alles mit Andreas Ness und Jens Rachut. Und was uns sonst noch so an Einflüssen nachgesagt wird, find ich auch ganz ok. Und dies und das. Das Schlimmste sind Abwärts.
 
Welcher Deutschpunk-Song ist euer Soundtrack zur Revolution?
Hannes: »Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen Teil 1«. Von uns.
Mirko: »Bonzen raus« von Penner Feens & The Not-Knowers
Torben: »Sonne« von den Dog Eared Pages. Als Mashup mit »Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen I-III«.
 
Was bedeutet euch der Begriff »Punk«? Ist Punk ein Rock-Genre unter vielen oder
besitzt es für euch einen Mehrwert über den Sound hinaus?
Hannes: Die Musik ist mir völlig egal. Ich weiß zwar nicht was Punk ist, aber Punk hat auf jeden Fall nix mit Modeln zu tun. Natürlich gibt es auch in der  Punkszene wechselnde Moden. Aber Modeln, die Tätigkeit, ist das Gegenteil von Punk.
Hauke: Punk bedeutet für mich neben dem reinen Rock-Genre auch die zugehörige Lebenseinstellung. Ähnlich wie bei Hardcore, Metal, Rockabilly oder etwa HipHop.
Leif: Wer anfängt, nach »Punk« zu fragen, landet ganz schnell in der peinlichen »We’re more punk than you«-Schiene. Es gibt so viele verschiede Definitionen von »Punk«, wie es Menschen gibt, die sich mit diesem Begriff identifizieren. Deswegen sollte sich keiner von irgendwelchen 50jähren Idioten, deren größte Lebensleistung darin besteht, »von Anfang an dabei gewesen zu sein«, sagen lassen, was »Punk« ist.
Mirko: »Punk« als Zuweisung ist bequem, kann aber von Musik über Mode bis zu gelebten Weltanschauungen alles Mögliche und oft auch Widersprüchliches bedeuten. Persönlich habe ich D.I.Y. und im weitesten Sinne emanzipatorische Inhalte immer als am wichtigsten empfunden.
Torben: Punk entspricht Wut, nicht Hass. Ansonsten ist der Begriff »Punk« natürlich mehrdeutig. So wie »geil«. Oder »total zugeballert«. Oder »Stuhl«. Im Übrigen würde meine Existenz ohne vieles wohl anders aussehen. Eher schlechter. Oder so richtig geil. Ich bin dankbar für so viele Menschen, die sich in dieser »Szene« aufhalten und viele richtige und wichtige Dinge machen. Dafür ist der Begriff dann schon ganz ok.
 
Ist es wichtig, sich 2013 zu »Punk« zu bekennen? Macht ihr das?
Hannes: Solche Identitätsbekundungen sind mir völlig egal. Mach ich aber trotzdem gerne.
Mirko: Die angesprochenen Inhalte halte ich nach wie vor für unverzichtbar, aber ob das jetzt unter dem Begriff »Punk« stattfindet, ist mir nicht mehr so wichtig.
Torben: Ich bekenne mich zu dem, was ich mache, ja, ich gehe sogar soweit, mich für das, was ich in meinem Leben fabriziere, schuldig zu bekennen. Ich habe tatsächlich keine Ahnung, ob mich eine andere Person jemals als »Punk« gesehen hat. Wohl eher nicht. Was soll das auch bringen. Es gibt Dinge bei »Punk«, die mir nicht gefallen, es gibt Dinge, denen ich mich verbunden fühle. Es gibt Dinge, die als »Punk« bezeichnet werden und für mein Empfinden da nix mit zu tun haben.
 
Wie verschleiert ihr vor Freunden und Fremden, dass ihr Deutschpunk macht? Wie nennt ihr euer Genre stattdessen?
Hannes: Wie verschleierst Du denn, dass Du für die Intro schreibst?
Hauke: Affenmesserkampf ist in meinen Augen kein Deutschpunk
Leif: Meistens nenne ich es »Progressive Minimal Doom Reggae 2001«.
Mirko: »Ja, so Punk halt.«
Torben: Ich halte es mit unserem ehemaligen Gitarristen Nico. Der sagte, bei uns sei alles Quatsch. Das ist dann nah genug dran, aber auch weit genug weg.

Was sind eure aktuellen Projekte als Band?
Hannes: Ich stelle ein Fragebogen mit Suggestiv-Fragen über den Reizbegriff »Indie«  für das Plastic-Bomb-Fanzine zusammen.
Leif: Wir haben gerade erst unsere zweite LP »Doch« veröffentlicht und im Herbst planen wir den Abschluss einer Tour-Trilogie mit unseren Kaviar-Freunden von Robinson Krause!
Mirko: Als Nächstes steht noch eine Split-Single mit Robinson Krause an. Wenn ich an die anstehende Spätsommer-Tour mit ihnen denke, bekomme ich jetzt schon Kopfschmerzen.
Torben: Affenmesserkampf voranbringen. Angestrebt sind Stringenz, Kohärenz und Konsistenz. Und dann werd ich 50jähriger Punkopa, der den jungen Dingern sagen kann, wie der Hase in den Pfeffer wächst. Mehr machen, weiter machen, nicht aufgeben. Survival never goes out of style.