×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

My Heart Has A Wish That You Would Not Go

Aereogramme

Glasgow ganz schön im Timingdilemma. Nicht zu früh, sondern deutlich verspätet schlägt “My Heart Has A Wish That You Would Not Go” auf – ist die Platte doch mehr der vertonte Adventskranz introspektiver Besinnlichkeit denn dunkelfrühlingshafter Bombast. Ganz recht: Das über zweieinhalb Alben so lieb
Geschrieben am
Glasgow ganz schön im Timingdilemma. Nicht zu früh, sondern deutlich verspätet schlägt “My Heart Has A Wish That You Would Not Go” auf – ist die Platte doch mehr der vertonte Adventskranz introspektiver Besinnlichkeit denn dunkelfrühlingshafter Bombast. Ganz recht: Das über zweieinhalb Alben so lieb gewonnene und bezeichnende Laut/Leise-Kolorit, der Antagonismus aus Schreien und Wimmern, Zertrümmern und Zerfallen, all dies ist eingegangen in die ewigen Jagdgründe der Highlands. Stattdessen kreieren Aereogramme eine bittersüße Melange aus Streichermeer, Pianoparts, Glocken und Craig Bs graziler Fragilität. Ein verwaschener Shoegazer führt hinein und zugleich auf falsche Fährte, denn anschließend verschwinden die Gitarren ins Hinterzimmer. Mitunter wüchsen mir vor lauter offensivem Selbstmitleid und gestenreichem Geigenpomp Saccharose-Stalaktiten am Ohr, erwachten Aereogramme nicht fast immer im passenden Moment aus ihrer Lethargie. Dann scheppern plötzlich wieder wie früher die Becken, lässt sich Ian Cook zu Saitensoli und die Band zu zugkräftiger Theatralik hinreißen. Letztlich ist der Schritt weg von ausuferndem Postrock hin zu leicht zugänglichen Songs ein logischer – mal rein objektiv betrachtet. Und noch drei Fragen an Aereogramme:
Craig, wie hat sich deine Halsinfektion auf das neue Album ausgewirkt?
Craig: Ich konnte gar nicht mehr singen, ich traf keinen der Töne mehr, die ich sonst treffe.
Campbell: Es hat ungefähr fünf oder sechs Monate gedauert, ehe Craig seine Stimme komplett wiederhatte. Das hat dem Geschmack des Albums seine besondere Würze gegeben, weil wir uns alle damit abgefunden hatten, dass es das Ende der Band sein würde. Als wir dann zurück ins Studio konnten, waren wir so glücklich, überhaupt eine Platte aufnehmen zu können, dass dadurch vermutlich der etwas positivere Ton entstanden ist.
Fühlt ihr euch der Musik-Szene in Glasgow zugehörig?

Beide: Gar nicht.
Ca: Es ist ein bisschen wie in diesem Film, “Blazin’ Saddles” von Mel Brooks, wo ein Siedlertreck von Indianern angegriffen wird und alle Wagen eine Wagenburg bilden, nur einer mit einer schwarzen Familie darf nicht mit rein. Die fahren dann die ganze Zeit um die große Wagenburg im Kreis. Ungefähr so fühlen wir uns auch in Glasgow.
Das neue Album klingt streckenweise sehr nach My Bloody Valentine, könnt ihr euch damit anfreunden?

Ca: Klar, My Bloody Valentine sind die absolute Lieblingsband von unserem Gitarristen. Solange wir nicht wie ein Abklatsch klingen.
Cr: Wenn man heute eine Band gründen will und ein Erfolgsrezept sucht, dann ist My Bloody Valentine genau das Richtige, weil es so viele Kids da draußen gibt, die einfach zu faul sind, herauszufinden, wer My Bloody Valentine waren. Die werden das dann hören und sagen: “Geil, was ist das?” Und nur so alte Säcke wie wir merken, dass das genau nach My Bloody Valentine klingt.
Ca: So ungefähr; Gott, ist das dreist!
Beide: Wieso sind wir da nicht drauf gekommen!