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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Jacket Full Of Danger

Adam Green

02:02 Minuten. So lange dauert ein Adam-Green-Song im Durchschnitt. Zumindest, wenn man sein neues Album als Maßstab nimmt, das bei der halbepisch anmutenden Kollektion von 15 Stücken auf gerade einmal 30:30 Minuten Gesamtspielzeit kommt. In diese packt der 24-Jährige dann aber auch wieder knapp 60
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02:02 Minuten. So lange dauert ein Adam-Green-Song im Durchschnitt. Zumindest, wenn man sein neues Album als Maßstab nimmt, das bei der halbepisch anmutenden Kollektion von 15 Stücken auf gerade einmal 30:30 Minuten Gesamtspielzeit kommt. In diese packt der 24-Jährige dann aber auch wieder knapp 60 Jahre Musikgeschichte, wurschtelt sich von Blues über Motown und Beatmusik bis hin zu psychedelischen Indianergesängen ("C-Birds"), um am Ende beim simplen Popsong zu landen. Er tanzt also weiter auf allen Hochzeiten, indes weniger promiskuitiv als auf dem Vorgänger "Gemstones" - immerhin belässt er es bei einem Stil und Rhythmus pro Stück. Überhaupt ist "Jacket ..." wieder näher dran am Überraschungserfolg "Friends Of Mine", was zum Teil auch Jane Scarpentoni geschuldet ist, die hier wie dort für die recht präsenten Streicherarrangements verantwortlich zeichnet. Gemäß seinem Image, das dem notorisch bettflüchtigen Songwriter manchmal vielleicht etwas zu bewusst ist, croont er lakonisch über Drogen, stark behaarte Frauen und die Menschen, die zwar ständig auf Partys gehen, aber irgendwie niemals rummachen. "White Women" klingt wie eine Led-Zeppelin-Jamsession, bei der Jim Morrison böse Geister beschwört, "Pay The Toll" wie die Titelmelodie einer fiktiven, aber bestimmt urkomischen Vorstadt-Sitcom. Und wenn die Jukebox zur blauen Stunde "Vultures" spielt und der Barkeeper die Stühle hochstellt, kann man wahlweise noch einen Schnaps oder ein Spezi bestellen: beides passt. Adam Green ist und bleibt ein Kindskopf mit dem Timbre eines Entertainers in seinen besten Jahren. Das ist das eigentlich Beeindruckende. Unberechenbar, ja, aber in seiner Manteltasche versteckt er höchstens eine Wasserpistole.