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Gemstones

Adam Green

Adam Green, der große Überraschungsgast von der großen Konsens-Party 2003/2004, ist auch 2005 dabei, und wie das so ist bei Shootingstars aus dem Underground: Die Ersten sind schon wieder genervt. Neulich belauschte ich in einer Kneipe, in der ›Jessica‹ gespielt wurde, wie ein Gast sagte, das würd
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Adam Green, der große Überraschungsgast von der großen Konsens-Party 2003/2004, ist auch 2005 dabei, und wie das so ist bei Shootingstars aus dem Underground: Die Ersten sind schon wieder genervt. Neulich belauschte ich in einer Kneipe, in der ›Jessica‹ gespielt wurde, wie ein Gast sagte, das würde ihm schon genauso auf den Sack gehen wie seinerzeit Kruder & Dorfmeister. Etwas ungerecht, finde ich, hat es doch seit den frühen Ärzten keiner mehr geschafft, das Gebiet zwischen pubertärer Sauerei und tiefem Gefühl so elegant abzuschreiten. Und wer sich bei Adam Greens linkischen und doch perfekten Bühnenshow nicht verliebt, muss eine Frau ohne Herz oder ein Mann mit 0 Prozent homosexuellen Anteilen sein. Wer es aber bislang geschafft hat, um die eigene Bewunderung für Green herumzukommen, ist nun aus dem Gröbsten raus. Denn obwohl sich auf ›Gemstones‹ alle gewohnten Qualitäten versammeln – die geradezu aggressiv eingängigen und doch in ihrer Schlichtheit kunstvollen Melodien genauso wie die zwischen derbem Humor und Melancholie schillernden Texte –, sind sie doch so angeordnet, dass monolithische Evergreens (haha) wie ›Friends Of Mine‹ oder ›Frozen In Time‹ fehlen. Denn grade bei Songs wie ›Carolina‹, die das Zeug dazu gehabt hätten, opfert Green die schlichte Form einer Art Medley-Ästhetik, bei der mehrfach im Song abrupt Tempo und Genre wechseln. Das Prinzip wird teilweise bis an den Rand ›Naked City‹-artiger Collagen getrieben. Unterhaltsam ist das schon sehr, aber eben nicht mehr ganz so zwingend. Die Opulenz im Songwriting, das von Folk und 50er-Jahre-Pop immer mehr in Richtung Musical geht, steht im Kontrast zur Kargheit des Arrangements, das jetzt auf Streicher und sonstiges Brimborium verzichtet. Auch das ist interessant.