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»Mr. Wonderful«

Action Bronson

Bronsolino schmeißt das Beste seiner vielen Welten zusammen und kreiert so ein großartiges Album zwischen Boom-Bap und Blues.
Geschrieben am

Autor: Jan Wehn

»Mr. Wonderful« – was für ein Albumtitel! Besser könnte man Action Bronson, diesen rotbeschopften Lebemann mit ordentlich Körperfülle und unbändigem Foodie-Faible, kaum beschreiben. Aber zurück zum Anfang: Der New Yorker Arian Asllani war schon Graffitikünstler und Koch. Jetzt sind er und seine überzeichnete Kunstfigur Action Bronson auf dem dritten Bildungsweg ein sehr guter und angesehener Rapper geworden.

Das ist der Grund, weshalb Bronsolino im Jahr vier seiner Karriere bereits auf ein Dutzend wirklich gute Releases zurückblicken kann. Und jetzt, wo er sein Major-Debüt »Mr. Wonderful« nachlegt, bekommt er es einfach nicht hin! Gleich zweimal setzt Action Bronson im Intro, das übrigens Billy Joel samplet, neu an und entschuldigt sich dafür demütig. Hier wird – natürlich - mit dem Signing bei Warner und den scheinbar strikten Vorgaben der Major-Industrie kokettiert: Das Dingen hier muss in seiner Gänze jetzt bitteschön ein richtiger Hit werden! Das ist es letzten Endes dann auch geworden. Los geht es mit fünf typischen Bronsolino-Bangern.

Auf Grundlage von rumpelnden Drums und Retrosoul-Samples zeigen insbesondere »Terry« und »Actin’ Crazy« ganz wunderbar, wofür man Action Bronson so liebt: Nämlich das schwachsinnige Schwadronieren über abseitige Belanglosigkeiten, überzeichnete Aufschneidereien, ständige Querverweise auf Kulinarisches und illegale Rauchwaren. Aber dann bekommt das Album ab Hälfte zwei durch das »Thug Love Story 2017 The Musical«-Interlude, in dem ein alter Mann Bronson die Geschichte über eine Verflossene vorsingt, eine interessante Wendung.

Ab da ist »Mr. Wonderful« kein überdrehter Rumpeldipumpel-Rap mehr, sondern entwickelt sich zu einer supermelancholischen Kiste, die nicht nur Songwriter-Ambitionen aufweist, sondern mal eben durch die Musikgeschichte der letzten 40 Jahre reist. »City Boy Blues« mit Chauncy Sherod und der sechsminütige Endlosjam »A Light In The Addict« mit Party Supplies und Black Atlass spielen am Tresen der nächstbesten Jazz-Spelunke, die Ex-Abrechnung »Baby Blue« mit Chance The Rapper als Feature-Gast und einer Produktion von Mark Ronson entpuppt sich trotz seines Themas als schmissige Soul-Nummer, ehe »Galactic Love« und »The Passage« den Hörer noch mal auf einen ganz absurden Psychedelica-Trip mitnehmen und man mit »Easy Rider« ganz entspannt zu Stoner-Rock-Gitarrensoli in den Sonnenuntergang rollt.

Das mag sich jetzt vielleicht lesen, als ob Bronsolino mit »Mr. Wonderful« versucht habe, das Beste aller seiner Welten in eine Major-Platte zu quetschen. So ist es aber nicht. Ganz und gar nicht.
– Action Bronson »Mr. Wonderful« (Vice / Atlantic / Warner / VÖ 27.03.15)

Action Bronson

Mr. Wonderful

Release: 23.03.2015

℗ 2015 Atlantic Recording Corporation for the United States and WEA International Inc. for the world outside of the United States. A Warner Music Group Company