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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Schmotime

Absentee

Irgendwie kann man ja verstehen, dass sich die tollen Melodien auf diesem Album im ersten Moment eingeschüchtert hinter dem brummbärigen Gesang von Dan Michaelson verstecken. Erst nach ein paar Durchläufen trauen sich diese dann langsam hervor, bis sie schließlich so zutraulich werden, dass sie eine
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Irgendwie kann man ja verstehen, dass sich die tollen Melodien auf diesem Album im ersten Moment eingeschüchtert hinter dem brummbärigen Gesang von Dan Michaelson verstecken. Erst nach ein paar Durchläufen trauen sich diese dann langsam hervor, bis sie schließlich so zutraulich werden, dass sie einem gar nicht mehr von der Seite weichen wollen. Dieses Album ist deshalb von einer derart langen Halbwertszeit, dass man sich ernsthaft fragen muss, warum da die Internationale Atomenergiebehörde nicht maßregelnd einschreitet. Trotzdem: “Schmotime” ist keineswegs die neueste smoking Gun in den Händen britischer Marktschreier – auch wenn James Ford (Arctic Monkeys, Mystery Jets, Test Icicles) produziert und es der Vorgänger, das Minialbum “Donkey Stock”, bis in die Jahrescharts des NME geschafft hat. Viel zu unaufgeregt sind dafür beispielsweise die verhuschten Bläser oder der kontrastierende, schwebende Gesang von Melinda Bronstein. Hier steht der Singer/Songwriter eben nicht auf der Tanzfläche, sondern im Vordergrund. “O darling / You’re no oil painting / And I’m no Michelangelo”, tiefstapelt Kunststudent Michaelson bei “We Should Never Have Children” – bevor ein Kinderchor einsetzt. Mag der Kunststudent auch kein guter Maler sein (das Artwork stammt von Gitarrist Babak Ganjei), das Texteschreiben, das liegt ihm außerordentlich. Da kann man ja ruhig auch mal nachfragen:

Würdest du sagen, dass ein trauriger Song immer auch Humor besitzen muss?

Eine Notwendigkeit ist es sicher nicht, aber es hilft. Eine Menge Songs sind perfekt, so traurig, wie sie sind. Aber ich bin nicht der ehrlichste Mensch der Welt, es macht mich verlegen, allzu aufrichtig zu sein. Deswegen lasse ich die Dinge etwas spaßiger erscheinen, als sie eigentlich sind. Das ist eine ganz natürliche Abwehrreaktion. Ich will nicht meine ganze Deckung fallen lassen mit dem, was ich zu sagen versuche.

Denkst du, es war ein kluger Schachzug, euer Album von James Ford produzieren zu lassen? Läuft man damit nicht Gefahr, als die neue Band des Arctic-Monkeys-Produzenten abgestempelt zu werden und Erwartungen zu enttäuschen?
So habe ich das noch gar nicht betrachtet, was wahrscheinlich an der Art und Weise liegt, wie diese Zusammenarbeit zustande kam. Wir proben zusammen mit einer Menge anderer Bands in einem ziemlich großen Gebäude in Hackney, einem Stadtteil von London. Dort gibt es ein Café, in dem sich immer alle treffen. Und in dieser familiären Atmosphäre haben wir James kennen gelernt, nur wenige Tage nach den Aufnahmen zu “Donkey Stock”. Zu der Zeit hatte er noch keine andere Band produziert, weil er nach dem Split seiner Band Simian erst einmal damit beschäftigt war, wieder festen Boden unter die Füße zu kriegen. Wir haben damals zwei Songs mit ihm aufgenommen und beschlossen, das zu wiederholen, sollte sich einmal die Gelegenheit ergeben. Und als es dann so weit war, hatte er sich eben bereits einen ziemlich guten Namen gemacht.

Wie erklärst du dir die momentane Aufbruchsstimmung in der britischen Musikszene?
In England möchte gerade jeder in einer Band spielen, und viele arbeiten wirklich hart für den Erfolg. Außerdem gibt es eine Menge guter Locations, in denen Konzerte stattfinden. Die meisten Shows sind ausverkauft, das Interesse an Musik ist allgemein riesig, ganz egal, wie abwegig der Sound einer Band auch sein mag. Das Internet ist daran natürlich nicht ganz unschuldig. Du findest immer Leute, die deine Musik mögen. Außerdem erfahren wir in London immer ziemlich früh, was in der Musikwelt vor sich geht, da viele Bands zuallererst hier spielen. Bei den Strokes war das zum Beispiel so. Dabei ist diese Stadt ein so unfreundlicher und teurer Ort.