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»We Got It From Here … Thank You 4 Your Service«

A Tribe Called Quest

Es waren triftige Gründe, die A Tribe Called Quest das Risiko eines finalen Albums eingehen ließen: Phife Dawg wird keine neuen Zeilen mehr aufnehmen können. Seine Crew schafft es, ihren Abschied würdevoll zu gestalten und ihre Klasse ein letztes Mal herauszustellen. 
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Es brauchte dramatische Ereignisse, um A Tribe Called Quest dazu zu bringen, ihre Geschichte nicht nur live, sondern auch mit einem finalen Album zu Ende zu führen: Quasi auf der Bühne von Jimmy Fallons »Tonight Show« erfuhren sie im November 2015 von den Anschlägen in Paris, und vier Monate später war auch ihr Gründungsmitglied Phife Dawg tot. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Tribe schon begonnen, dieses Album zu schreiben, das schon nach damaliger Planung sein letztes darstellen sollte.  

Mit »We’ve got to get our shit together« treiben sich Q-Tip und Co. im Opener »The Space Program« an, ihre Differenzen nach 18 Jahren endlich beiseite zu schieben. Man ist es sich selbst schuldig, nicht zuletzt aber auch dem vor Abschluss der Aufnahmen verstorbenen Phife. Und A Tribe Called Quest kriegen ihren Scheiß zusammen: Schon die ersten Minuten ihres Doppelalbums füllen Old-School-HipHop mit soviel Wärme und Dringlichkeit, dass sie niemand als fahle Retro-Installation abtun kann. Zumeist dabei sind Busta Rhymes und Consequence, die im Studio scheinbar auch als Schmiermittel zwischen den Fronten der Bandmitglieder fungierten. Diese Konstellation führt zu solchen Höchstleistungen, dass die LP ihre prominente Gästeliste gar nicht gebraucht hätte: Von André 3000 über Kanye, Talib und Kendrick bis hin zu Anderson .Paak liefern alle eilfertig ab, ohne aus der großen Qualität des Albums sonderlich herauszustechen. Gerade die erste Hälfte ist ein einziger Rausch, bei der zum allgemeinen Erstaunen auch Elton John in »Solid Way Of Sound« für den Refrain sorgt.  

»We Got It From Here … Thank You 4 Your Service« erinnert an die zeitlose Klasse des Tribes, selbst in einem Stil, der so sehr von Trends und Entwicklungen geprägt ist wie HipHop. Nicht zuletzt auch, weil die Band ihre stilistische Offenheit einmal mehr beweist: Jack Whites Gitarrenspiel prägt gleich mehrere der 16 Tracks mit wendigen Licks und gibt dem Album zu einem Gutteil seinen vielseitigen, aufregenden Charakter. So etwa im nüchtern traurigen »Lost Somebody«, mit dem die verbliebenen Tribe-Mitglieder an Phife Dawg erinnern.  

Mit dem Schlussstück »The Donald« nehmen A Tribe Called Quest und Busta Rhymes dann final Abschied, ohne in Rührseligkeit zu verfallen: Von sich, der Band selbst, von Phife Dawg. Und auch dessen letzte Verse klingen hier wie ein Abschiednehmen: »Untouchable in my zone, watch the tone, leave em alone. Fuck your ass-cheek flows with bars sweeter than scones. Put down microphone«. Nicht nur deshalb ist es kaum übertrieben, wenn man »We Got It From Here … Thank You 4 Your Service« als das Album bezeichnet, das eine Ära beendet, die weit über die Karriere und das Vermächtnis von A Tribe Called Quest hinausgeht.

A Tribe Called Quest

We got it from Here... Thank You 4 Your service

Release: 11.11.2016

℗ 2016 Epic Records, a division of Sony Music Entertainment

A Tribe Called Quest »We Got It From Here … Thank You 4 Your Service« (Columbia / Sony / VÖ 11.11.2016)