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The Toy Dolls & Spitting Off Tall Buildings live

A Nice Relaxing Evening

29.03.05, Düsseldorf, Zakk A nice relaxing evening in the bath... Als Intro zu 'Florence Is Deaf' eröffnete die 'Ten Years Of Toys'-Scheibe vor knapp 15 Jahren und war wahrscheinlich nicht nur im tiefen Ostwestfalen eine gängige Floskel - aber das lassen wir jetzt mal dahin gestellt. Der Slog
Geschrieben am
29.03.05, Düsseldorf, Zakk

A nice relaxing evening in the bath... Als Intro zu 'Florence Is Deaf' eröffnete die 'Ten Years Of Toys'-Scheibe vor knapp 15 Jahren und war wahrscheinlich nicht nur im tiefen Ostwestfalen eine gängige Floskel - aber das lassen wir jetzt mal dahin gestellt. Der Slogan hat sich bei mir jedenfalls eingebrannt, und so suche ich nach all den magenunfreundlichen Oster-Strapazen als einsamer Streiter im Zeichen des nordenglischen Fun-Punk den Weg ins Zakk.

Spitting Off Tall Buildings sind im Vorprogramm. "Oh, das ist jetzt aber ein bisschen hart! Hmm.", war eine Publikums-Reaktion bei Konzerten als Support von Slut. So erinnert sich jedenfalls Gitarrist Paule in einem Gästeliste-Interview. Das scheint mir, dem ersten Eindruck nach, etwas übertrieben. Einfache Punk-Riffs mit melodiösem Gesang ohne wirkliche Überraschungs-Momente. Bonnie Riot, so der Künstler-Name von Jana Pallaske bei SOTB, scheint wegen ihrer anfänglichen Schüchternheit eher in die 2-Raumwohnung-Phalanx zu passen als in die Nähe einer Räuberhöhle. Nach ein paar Stücken schleichen sich dann allerdings breaklastigere Strukturen und düstere, nahezu grungige Töne in das Song-Gefüge der Berliner. Und siehe da, wenn Miss Riot, ähnlich einer Miss Love, in die richtige Tonlage slided, die Arme reckt und sich durchs Publikum arbeitet, können SOTB durchaus Intensives bieten. Man muss die im Herbst erscheinende Platte abwarten um genaueres zu sagen, aber wenn die Stücke aus dem zweiten Teil des Gigs dabei sind, kann es lonen.

'The Final Countdown', in der Toy Dolls typischen Kazoo-Intonierung, tönt vom Band und 'Dig That Groove, Baby' ist der Opener. Die meisten Anwesenden sind nur gekommen, um ihre Textsicherheit unter Beweis zu stellen. Mit fliegenden Armen pumuckeln sie bereits beim ersten Song jede Textzeile mit. Über allem wacht am Bühnennrand ein riesiger Papp-Yul-Brynner in voller Skinhead-Montur, den ihm die Toy Dolls passend zum Song 'Yul Brynner Was A Skinhead' gewidmet haben. Doch Brunner ist nur die Speerspitze der Gimmicks: Teufelshörner aus Plastik und brennende Forken kommen genauso zum Einsatz, wie überdimensionale, aufblasbare Lambrusco-Flaschen. Trashig, bunt, laut und schnell - wie sollte eine Toy Dolls-Platte live anders umgesetzt werden? Und dazu: 'My Girlfriend's Dad's A Vicar', 'Idle Gossip' und 'I've Got Asthma' in spielerisch perfekter Art und Weise. Dass sich Gitarrist, Sänger und Mastermind Olga aus technischer Sicht hinter keinem Gitarren-Virtuosen verstecken muss, wird auch auf den Platten deutlich. Live allerdings glänzt er vor allem aber bei klassischen Adaptionen wie 'Sabre Dance' oder 'Toccata in Dm' durch unglaubliche Souveränität - alles natürlich mit einem gehörigen Schuss Terence & Philip-Humor. Bassist Tom Goober macht uns den Moonwalk und hängt sich Olga um den Hals, der kopfüber 'When The Saints Go Marching In' auf 45 U/min spielt. "This is Olga, 23 years old", stellt ihn uns Drummer Dave "The Nut" vor. Rein vom Gestus her würde man ihm auch die 15 noch abnehmen. Ob das nun positiv oder negativ ist? Auf jeden Fall sind die Toy Dolls schon seit über zwanzig Jahren dabei und dermaßen abgefeiert wie momentan wurden sie in ihrer Karriere wahrscheinlich selten. Bei 'Back In 79' und 'Glenda And The Test Tube Baby' im Zugabenteil bietet sich immer noch das gleiche Bild wie zu Beginn. "This is our last tour... [Pause] ...maybe" (O-Ton Olga).