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So war‘s in Berlin: Scooter für Fortgeschrittene

A$AP Rocky live

Wenn du deinen Großeltern das Wort »Hipster-Rap« erklären müsstest, käme in deiner Definition garantiert auch ein Kommentar zu A$AP Rocky und seiner Crew vor. Die Trendsetter unserer Zeit huldigen dem 24-jährigen New Yorker spätestens seit dem Video zu »Goldie« und hebeln ihn nach seinem Debütalbum »Long.Live.A$AP« endgültig in Richtung Raphimmel.
Geschrieben am

05.06.2013, Berlin, Astra Kulturhaus

Strobo Strobo! Wer mitten in die Show von A$AP Rocky am Mittwoch in Berlin platzt, kann sich schon mal deplatziert fühlen: Zwischen schlecht abgemischtem Wumms-Sound und Stroboskoplichtern hüpfen einige schemenhaft erkennbare Gestalten auf der Bühne herum. Dass es sich dabei nicht um H.P. Baxxter und seine Kollegen handelt wird erst klar, als das Licht im Astra Kulturhaus plötzlich lila wird und A$AP Rocky auf der Bühne im Lady Gaga-Stil predigt, dass alle Menschen gleich sind. »It doesn‘t matter if you‘re black, white, brown or yellow, cause deep inside we‘re all purple.« Peace.

Aber was hat das Publikum sich von einem Konzert erwartet, das am Vortag nach sechs Songs abgebrochen wurde, nachdem ein lebensmüder Fan A$APs Mütze geklaut hatte, und dessen Erstausgabe im Sommer 2012 nur etwa 25 Minuten dauerte? Offenbar so einiges: Schon um 21 Uhr ist das Astra brechend voll, das im Durchschnitt 19-jährige Publikum schunkelt zu Wu-Tang, J Dilla und Biggie, der Biervorrat muss schon erschreckend früh an ein Existenzlimit geraten sein und die ersten genervten Gesichter verlassen bereits um halb 11 das DDR-Abrisshaus an der Revaler Straße.

Trotz Werktag und Schülerpublikum macht sich der A$AP Mob angeführt von einem kurzen DJ-Set erst gegen 10 vor 23 Uhr auf den Weg in Richtung Bühne. Auf die Minute genau eine Stunde lang steht A$AP Rakim Mayers vor der überfüllten Halle und spielt dabei nur ungefähr acht Songs, erzählt der Menge dazwischen sieben Mal wie cool wir alle sind, wie er uns vermisst hat (aber hallo!), dass er uns liebt (!!!), verschenkt T-Shirts und kichert wie ein Irrer. Die Menge gibt das alle zurück, zwischen ausrastenden, geschwitzten Jungs bemühen sich noch ein paar »pretty girls« verzweifelt um ihre Containance und scheitern kläglich. Nach »Long.Live.A$AP«, »Wild For The Night«, einem stagedivenden Publikumsbühnengast bei »Goldie«, »PMW« und dem Abschluss »Fucking Problems« sind trotz konsequent überbrülltem Playback und katastrophalem Sound alle nass und doch irgendwie glücklich.

 

Aber was ist das eigentlich für eine Sache mit dem Hipsterrap? Die drei coolnesstauglichsten Alben des letzten halbes Jahres stammen zweifelsohne neben A$AP von Kendrick Lamar und Tyler. The Creator. Bereits im Januar bewies Kendrick, dass er sein Album zwar durchaus auch live performen kann, dabei aber kaum jemanden zu größeren Gefühlsausbrüchen rührt und vermutlich auch keiner der Besucher aus der C-Halle seinen Enkeln von diesem Abend berichten wird. Das Publikum wird hingehalten und schließlich enttäuscht, ähnlich bei der Odd Future-Tour im Hochsommer 2012: acht halbnackte Jungs springen halbnackt über die Bühne und brüllen unverständlichen Kram übers Playback. Dass das auch anders geht bewies Tyler. The Creator bei seinem Showcase Ende März in Berlin: Zusammen mit Jasper Dolphin und Taco zeigte er sein scheißgroßes Talent, rappte sich zwischendurch mal schwindelig (Stichwort Apnoearap!) und schickte seine Fans nicht mit fragenden Blicken nach Hause, sondern mit zum T-Shirt-Kampf geballten Fäusten an den Merchstand! Genau da war nach dem Konzert von A$AP vielsagend wenig los.



Aber bald ist es soweit: Beim Splash in diesem Jahr knüppeln sich eben diese drei erwähnten Youngsters um die Krone des Hipster-Rap, alle Hoffnungen liegen dabei aber dennoch auf Außenseiterkandidat Earl Sweatshirt. Yo!