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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Fall Of Math

65daysofstatic

Rausgehen und finden. Egal was. Suchen? Ist nicht so wichtig. Wandern, driften, mäandern und dabei sammeln, was interessant scheint. Wie zum Beispiel die Reste einer Samplerplatine, deren archäologische Datierung jeglicher Lehrmeinung spottet. Die Strophe eines fremden Kinderliedes, das durch irgend
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Rausgehen und finden. Egal was. Suchen? Ist nicht so wichtig. Wandern, driften, mäandern und dabei sammeln, was interessant scheint. Wie zum Beispiel die Reste einer Samplerplatine, deren archäologische Datierung jeglicher Lehrmeinung spottet. Die Strophe eines fremden Kinderliedes, das durch irgendeinen Strahlenunfall zu reinem Bewusstsein geliert, sich scheu in der dürren Straßenrandbegrünung zu verstecken versucht. Oder die Reste zerfallener Geometrie. Liegt überall rum das Zeug. Kaputte ausgediente Mathematik, zerkloppt von dieser fantastischen Instrumentalband aus Sheffield. Dann sich vorsichtig nähern. Mal gucken, was hier eigentlich vor sich geht, was das für welche sind. Alles mitnehmen beim Durchschreiten Klang gewordener Räume und keine Angst vor Pathos, Höllenbongs und Dosenbier. Hier sind wir alle Outcasts, und alle Monster sind Freunde. Tanzen und teilen. Ekstase und Katharsis. Kafka lesen und dabei Boxen gucken. Sie sehen schon, große Musik verstört ein jämmerliches Gehirn. Sind ja hier nicht bei der Kreativtherapie, sagen Sie? Und Recht haben Sie. Also schnell umschalten in servil-deskriptiven Infotainmentmodus: Echokammermusik und grindende Monumentalität, Doom und Breakbeatlawinen, Bleeps und Clonks und verstümmelte Powerchords verbinden die Musiker zu einem Soundmassiv, das mitunter ebenso an Mogwai gemahnt wie an einen besonders psychotischen Panacea. Das Ergebnis ist so fragil und komplex wie brachial und reinigend und scheint sich mit jedem Hören immer mehr zu entfalten. Ähnlich wie die Alben der brillanten Japaner Envy lässt sich dieses beeindruckende Debüt dank immer wiederkehrender Motive und sich durch alle Stücke ziehender Vibes als ein einziger Brocken Musik begreifen, ohne dass die einzelnen Tracks dabei je an Schlüssigkeit und Individualität einbüßten. Fraktal Core. Überwältigend schön.