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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

5 Wege, auf denen Radioheads neues Album erscheinen könnte

Elegien aus dem MDMA-Lutscher

Die Album-Veröffentlichung als aufgepumptes Spektakel des Selbstzwecks, niemand zelebriert diese Praxis lieber als Radiohead. Bald ist es nun wieder soweit, doch bevor sich wieder all ob der »unkonventionellen« Vertriebsstrategien in den Armen liegen, verraten wir es lieber jetzt und sofort.
Geschrieben am
Unkonventionelle Wege beschreiten, mal etwas ganz anders machen, Neues ausprobieren, ungewöhnliche Formen finden, jenseits der bekannten Pfade trampeln, Experimente wagen, irgendwas mit Innovation. An dieser Stelle steht nur ein Bruchteil des Phrasenprogramms der Dinge, die man sich so über Radiohead erzählt.

Jedes Mal, wenn auch nur die Ahnung eines neuen Albums durch die Blogs, Foren und Twitter-Accounts huscht, rasten alle völlig aus. Klar, wir auch. Doch stellt sich nicht nur die Frage nach dem »Wann, verdammt noch mal?«, das selbstverständlich unbeantwortet bleibt, sondern auch nach dem »Wie?«

Bei »Kid A« gab es keine Singles, keine Werbung, keine öffentlichen Auftritte, »Hail To The Thief« war schon vor dem offiziellen Release online erhältlich, die Band sprach sich gegen einen Kopierschutz der CD aus, »In Rainbows« und »The King Of Limbs« erschienen zunächst ausschließlich als Download, und die Fans konnten selbst den Preis bestimmen. Jeder kleinste Hinweis zu Radioheads neuesten, musikalischen Ergüssen wird wahrgenommen, interpretiert, geteilt, diskutiert. Wir haben es satt und spoilern dementsprechend mal ganz ins Blaue, wie das neunte Album erscheinen wird.
Kryptische Vielleicht-Ankündigungen bei Twitter. Ja, da stehen wir drauf. 
01 Beck hat es bereits vorgemacht: Statt eines Tonträgers wird das neue Album von Radiohead nur in Notenform veröffentlicht. Aber damit natürlich nicht genug. Die Noten werden von einer litauischen Expressionismus-Künstlerin auf handgeschöpftem Papyrus mit ihrem eigenen Blut in einem vollständig abgedunkelten Raum aufgemalt und dann in ironisch ausgewählten Etablissements  ausgestellt, also Pommesbuden, KFZ-Werkstätten, oder dem Metropolitan Museum Of Art.

02 Wir bleiben bei der audiophoben Form. Zufällig ausgewählten Menschen wird der große Ruhm versprochen, wofür sie sich lediglich unverständliches Geschwurbel auf die Gliedmaßen tätowieren lassen müssen. Genau, es geht um die Lyrics des neuen Radiohead-Albums. Mittels Geocaching können die Tattootragenden dann von Fans gefunden, belagert, bestochen und bezirzt werden, bis man alle Text- oder gar Hautfetzen zusammen und in die richtige Reihenfolge gebracht hat. Die Musik summt man sich dann einfach dazu, das ist progressiv.

03 Büffelgras-Wodka, Special-Glückskekse und Ecstasy-Lutscher! Endlich Spaß für den Verbraucher, endlich die Chance auf Hörbares. Hier wird sich zum Downloadcode wahlweise gesoffen, gespeist oder gelutscht, so als Zugeständnis an das Proletariat, denn diese Form ist erschwinglich und greifbar. Vertrieben werden die kulinarischen Musikbringer in Coffeeshops, ein weiteres Zugeständnis, in dem Fall an die Legalize-It-Bewegung. Man kann als Radiohead nie genug Fans haben.

04 Musikalische Chemtrails aus Drohnen. Langsam wird es albern? Ja, sicher, aber was soll man machen, wir haben uns das ja nicht ausgedacht. Also, Drohnen sollen einen besseren Ruf bekommen, Chemtrails auch, Radiohead übernehmen gern den Job. Die Flugobjekte werden quer über den Erdball verschickt und versprühen dort chemische Substanzen, die alle Menschen einfach glauben lassen, dass sie das neue Album bereits kennen und gehört haben, ja, sogar mitsingen können. Touren, Promo, alles unnötig, alles bereits in den Köpfen der Fans geschehen.

05 Gar nicht. Sinnloses Hoffen, enttäuschte Erwartungen, Produktfetischismus, Kunst als Verbindlichkeit und Bedürfnisbefriedigung? Willkommen im Kapitalismus! Radiohead haben Adorno angelesen und machen jetzt einfach nicht mehr mit. Die Albummauscheleien als kapitalismuskritische Installation, na klar.