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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Play With The Changes

4hero

Die Frage war: Ganz großes Freistil-Ringen vor Mainstream-Publikum in der großen Arena oder doch eher daddelige Nerdigkeit nur für Clubmitglieder? Die Antwort gleich vorweg: Eine gesunde Mischung aus beidem ist Status quo des fünften Albums von Marc Mac und Dego, als Duo namens 4hero quasi so etwas
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Die Frage war: Ganz großes Freistil-Ringen vor Mainstream-Publikum in der großen Arena oder doch eher daddelige Nerdigkeit nur für Clubmitglieder? Die Antwort gleich vorweg: Eine gesunde Mischung aus beidem ist Status quo des fünften Albums von Marc Mac und Dego, als Duo namens 4hero quasi so etwas wie die OutKast der Post-Acid-Jazz-Generation. Das gemeinsam Geleistete in Kürze: Zu Beginn der Neunziger Breakbeat gecheckt und Jungle gemeistert sowie mal eben Drum’n’Bass definiert. Mitte der Neunziger dann den Fächer weit Richtung Jazz und Soul ausgebreitet, anno 2000 einen ganz eigenen Soundkosmos aus Zeitlosigkeit und allen vorangegangenen Styles erschaffen. Dann mit jeweils eigenen Labels und zahllosen Projekten mehr als ein halbes Jahrzehnt lang ganz tief Richtung West-Londoner Beat Science (Dego) bzw. HipHop-, Samba- und Soul-Geschichte (Marc Mac) abgetaucht. Um somit jetzt ganz gelassen in der Lage zu sein, dem Albumtitel gemäß spielerisch mit allerlei Veränderungen umzugehen und jegliches Schubladendenken ad absurdum zu führen. Erwachsene Musik, aber sehr hip. Clubsozialisiert, aber feinnervig. Retro, aber höchst zeitgemäß. Bombastisch, aber mit minimalistischem Ansatz. Viele großartige Vocals, aber ebenso bestaunenswerte Instrumentaltracks. Ein einziger Widerspruch in sich also? Nein, bloß ganz normale 4hero-Attitüde. Musik machen, die einen zuallererst mal selbst rockt, einen persönlichen Mehrwert erzeugt. Und wenn sie anderen Leuten auch gefällt, schön – ist aber eher ein angenehmer Nebeneffekt. Wer sich’s leisten kann ...
Und so treffen sich auf „Play With The Changes“ Mittsiebziger-Motown-Aufwendigkeit samt obligatorischem Stevie-Wonder-Tribut und selbstredend fettesten Streichern mit Live-Drums, frickeligen Beatprogrammings und schwurbeliger Elektronik. Genre-Stimmwunder wie Bembe Segue oder Lady Alma wechseln sich am Mikrofon ab mit der wie gewohnt mahnenden Poetin Ursula Rucker, dem Little-Brother-MC Phonte oder Oldschool-Soulheld Larry Mizell. Immer jeweils entweder von Marc Mac oder Dego produziert, niemals in direkter Zusammenarbeit – das „Speakerboxx / The Love Below“-Prinzip funktioniert auch hier. Die beste Nachricht zum Schluss ist eine „Was macht eigentlich ...“-Minirubrik: Jody Watley (ja, die 80s-R’n’B-Diva) singt anno 2007 nämlich tatsächlich bei 4hero, und zwar den kommerziell trächtigen Killertrack „Bed Of Roses“. So schön kann Indie sein ...