×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Aus der Garage in die Zukunft

22 Pistepirkko

Wer immer noch der Meinung ist, Finnland habe seit RATTUS nichts mehr von pophistorischer Relevanz, sondern nur noch tumbe Wodka-Kasper wie die LENINGRAD COWBOYS hervorgebracht, der hat unter Garantie mindestens die letzten drei Alben von 22 PISTEPIRKKO verpaßt, ... womit er alles andere als alleine
Geschrieben am

Autor: intro.de

Wer immer noch der Meinung ist, Finnland habe seit RATTUS nichts mehr von pophistorischer Relevanz, sondern nur noch tumbe Wodka-Kasper wie die LENINGRAD COWBOYS hervorgebracht, der hat unter Garantie mindestens die letzten drei Alben von 22 PISTEPIRKKO verpaßt, ... womit er alles andere als alleine dasteht, denn das Trio dürfte trotz mehr als zehnjähriger Präsenz - auch in den hiesigen Clubs - immer noch in etwa den Bekanntheitsgrad besitzen, den beispielsweise ... in ihrer Heimat haben.
Während die drei als reinrassige Garagetrash-Combo in bester SONICS-Tradition begannen, wie auf ihrem gerade von 'Strangeways' wiederveröffentlichten ersten englischsprachigen Album 'The Kings Of Hong Kong' sehr schön nachzuhören ist, sind sie zwar über die Jahre hinweg im Grunde dem Blues treu geblieben, haben aber mittlerweile über die unterschiedlichsten Stationen und Herangehensweisen, die von Annäherungen an die Glam-Attitüde ihrer Landsleute von HANOI ROCKS bis zu Einflüssen von MUDDY WATERS und ALAN VEGA auf ihrem aktuellen Album 'Rumble City, LaLa Land' - den Ausgangs- und Endpunkten in Sachen Purity - reichen, ihre völlig eigene Art der Interpretation gefunden. Da klingen natürlich Vorbilder wie die oben genannten, welche definitiv noch um SYD BARRET zu ergänzen sind, durch, dienen im Grunde aber nur der Eckdatenmarkierung eines in seiner Ruhe und Eindringlichkeit kaum vergleichbaren Areals. Wobei Ruhe hier für Struktur und Ausgeglichenheit steht. Die Schlußfolgerung daraus ist tatsächlich, daß wir es bei 22 PISTEPIRKKO von der Grundidee her eindeutig mit einer Rockband zu tun haben, die allerdings einen Reifeprozeß durchlaufen hat, der ihr erlaubt, auf vordergründige Rockismen wie Lautstärke zu verzichten. Da, wo man früher jede Fuge, jeden Zwischenraum mit Delay füllte, gibt man den Stücken heute Platz zum Atmen. Die bluesigen Grundelemente werden auf einem extrem unaufdringlichen, aber atmosphärischen Gerüst aus modernster bzw. hipper vorsintflutlicher Elektronik und nordafrikanischer Folklore - insbesondere Percussionelemente - montiert; SUICIDE und die Marokko-Verliebtheit der Sechziger (die man ohnedies nie so recht verlassen hat) grüßen Hand in Hand. Kein Wunder also, daß ein Track wie 'Snowy Dave' durchaus an die KASTRIERTEN PHILOSOPHEN zu 'Nerves'-Zeiten erinnert.
Auf die Frage, ob man es vorzöge, als ALAN VEGA, MUDDY WATERS oder eine ROLAND 303 wiedergeboren zu werden, lautet die Antwort dann auch konsequenterweise: 'Ein Cyborg-Bastard aus allen dreien wäre der Idealfall.' Eine Menschmaschine, die man bereits jetzt, hätte man sie denn zur Hand, zur Bestreitung der Live-Aktivitäten für repräsentiver als das klassische Bandprinzip erachten würde. Nichtsdestotrotz ist 22 PISTEPIRKKO eine herausragende Live-Band, die auch auf der Bühne energetisch vorführt, wie man den Blues in all seiner Ursprünglichkeit und dennoch zeitgemäß - über GARY MOOREsche Fallgruben hinweg - ins Jahr 2000 transportieren kann.