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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die unerwarteten Lieblingsalben der Intro-Redaktion

2015 ist halb vorbei

Überall posten Blogs und Magazine gerade Halbjahrescharts. Warum auch nicht – liest sich ja interessant. Wir haben die Idee ein wenig abgewandelt: Bei uns schauen die KollegInnen in die Nischen und schreiben über ihr ganz persönliches Lieblingsalbum der letzten sechs Monate. Schmerzhaft individuell, bewundernswert eigensinnig und schwülstig bis an die Peinlichkeitsgrenze.
Geschrieben am
Blanck Mass »Dumb Flesh« (Sacred Bones / Cargo)
Benjamin John Power, eine Hälfte der Fuck Buttons, löst sich mit »Dumb Flesh« aus den imaginären Fängen des schwebenden Ambient-Noise seiner Hauptband und legt ein elektronisches Album vor, das ganz und gar wie sein Artwork klingt: mysteriös, zart, hintersinnig, brachial und ein bisschen eklig. Aber nur ein bisschen. (ML)

Blanck Mass

Dumb Flesh

Release: 12.05.2015

℗ 2015 Sacred Bones Records

Jam City »Dream A Garden« (Night Slugs / Rough Trade)
Es mag an der nicht enden wollenden Hitzewelle liegen, dass mir bei der Halbjahresbilanz ausgerechnet der benommen dahintreibende Eskapismus von Jam City in den Sinn kommt. Der klare Verstand erfreut sich dagegen an den seltsamen Widersprüchen, die Jam City subtil in das Bewusstsein des Hörers schleust. »Dream A Garden« ist sperrig und schmeichelnd zugleich, vereint quasi Lethargie und Agitation, ohne über diesen eigenartigen Dualismus zu stolpern. (PF)

Jam City

Dream a Garden

Release: 23.03.2015

℗ 2015 Night Slugs

Happyness »Weird Little Birthday« (Moshi Moshi / Coop / PIAS / Rough Trade)
Schwer in Worte zu fassen, was das Debütalbum der Londoner mit mir macht. Aber was das ist, hört es auch Monate nach dem Erstkontakt nicht mehr auf zu machen. »Weird Little Birthday«  ist leicht und schwer, je nachdem, wie man es gerade braucht. Es bewegt sich zwischen rotzig und schwer melancholisch. Ein unprätentiöses, wahrhaftiges Album, das alle Superlative der Welt verdient. »Weird Little Birthday« ist eines dieser Alben, das einen ein Leben lang begleiten kann, der Soundtrack zu Erlebnissen, die man nach seinem Hören erst noch machen möchte. (PI)

Happyness

Weird Little Birthday

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Weird Smiling licensed to Moshi Moshi Records

Erfolg »Erfolg« (Staatsakt / Rough Trade)
Ich mag Erfolg in meinem Leben. Was Erfolg ist, musste mir Johannes von Weizsäcker (ja, der Enkel) erst zeigen, aber jetzt mag ich nicht mehr ohne. Es ist Experimental-Pop in schönster Wirrnis mit Konzept, Dada, Dialektik und kommt bisweilen mit nur einem Endreim aus. Allein der Hit »Brillenmann« hat sich mit Rhythmus und Witz tief in mein Leben gebohrt. Dazu kommen Mausmann, Klaviermann, Fachmann – eine Typologie der Zivilgesellschaft fein zerlegt, scharf betrachtet und fein mit Spott überzogen. (CS)

Erfolg

Erfolg

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Staatsakt

Abfukk »Bock auf Stress« (Twisted Chords / Broken Silence)
2015 ist ein gutes Jahr für deutschsprachigen Punkrock und seine enge Verwandtschaft. Love A haben eine gute Platte veröffentlich, Koeter ebenso. Während die sich aber auch mal am Pop bedienen, bleiben Abfukk bei Tempo und Wut – herrlich laut herausgeschriener Wut. Die richtet sich gegen die üblichen Verdächtigen, ist aber nie doof: Homophobe Idioten und Nazis, zum Beispiel. Wo andere stumpf und asselig werden, zeigen Abfukk auf »Bock auf Stress«, dass rumpeliger Deutschpunk auch wirklich schön sein kann. (JB)  

ABFUKK

Bock auf Stress

Release: 24.04.2015

℗ 2015 Twisted Chords

Audio88 & Yassin »Normaler Samt« (Heart Working Class / Groove Attack)
Gegen Instagram-Filter und scheinheilige Weltbilder ist ein Kraut gewachsen: »Der Möchtegern-Kanacke und die Glatze mit der Zahl« sind zurück. Gut fünf Jahre nach »Nochmal zwei Herrengedeck, bitte« lassen Audio88 & Yassin ihr drittes Kollabo-Album folgen. Keine schlechte Idee zu einer Zeit, in der sich Deutschrap auch abseits der Hauptschulhöfe neu etabliert hat und Heerscharen junger Menschen ihr politisches Bewusstsein im 4/4-Takt wiederentdecken. (BK)

Audio88 & Yassin

Normaler Samt (Deluxe Edition)

Release: 13.03.2015

℗ 2015 Heart Working Class

Terranova »Restless« (Kompakt / Rough Trade)
Terranova erfinden sich auf ihrer neuen Platte schon wieder neu – und das insgesamt zehnmal! So kommt »Restless« einem sommerlichen Spaziergang durch die verschiedenen Spielarten elektronischer Club-Musik gleich. Wie gewohnt gehen Terranova diesen Weg nicht alleine, sondern in Begleitung verschiedener Gastmusiker wie den Stereo MCs oder Cath Coffee. Das Highlight des Albums ist jedoch das so deepe wie treibende »Underverse«, das zusammen mit Mandel Turner produziert wurde. (EW)

Terranova

Restless

Release: 11.05.2015

℗ 2015 Kompakt

Mile Me Deaf »Eerie Bits Of Future Trips« (Siluh / Cargo) 
Dass Österreich die Musikszene seines großen Nachbarlands im Norden mit Bands wie Bilderbuch und Wanda gegen die Wand gespielt hat, konnte man mit gutem Willen noch als Momentaufnahme abtun. Doch mittlerweile dehnt sich die Dominanz auch auf andere Stile als Indie-Pop aus: Mile Me Deaf, das Quartett um den aus Bands wie Killed By 9V Batteries oder Sex Jams bekannten Sänger Wolfgang Möstl schrammelt sich mit seinem Noise-Slacker-Garage-Rock und »Eerie Bits Of Future Trips« durch die erste Jahreshälfte. Herz, Pfeil, Volltreffer! (SB)

Mile Me Deaf

Eerie Bits of Future Trips

Release: 24.04.2015

℗ 2015 Siluh Records

Mourn »Mourn« (Captured Tracks / Cargo)
Huhu, Kids! Meine bisherigen Lieblingsalben kamen zwar alle von Kendrick Lamar, Sufjan Stevens und ähnlichen Rockstar-Mackern. Am meisten überrascht hat mich aber die über Stolper-Garage-Rock schwadronierenden Teenies Mourn. Wie schafft man es bloß mit (durchschnittlich) 17 Jahren, besser als Hole zu sein und sogar der Klasse einer PJ Harvey knapp hinterher zu segeln? Keine Ahnung, aber diese Katalanen schaffen’s. Muss Talent sein, das sich im Übrigen auch auf ihre Live-Performance ausdehnt. (CS)

Mourn

Mourn

Release: 28.10.2014

℗ 2014 Captured Tracks

FFS »FFS« (Domino / Goodtogo)  
Ein wichtiges Album allein schon deshalb, weil es mich dazu gebracht hat, das erste Franz Ferdinand-Album wieder zu hören (Was für eine unfassbare Hitsammlung, immer noch) und mich überhaupt mal mit Sparks zu befassen. Sparks geben dem etwas müde gewordenen Franz-Ferdinand-Affen ordentlich LSD-getränkten Zucker. Franz Ferdinand verleihen dem sparkschen Elektro-Gefrickel Drive und Dringlichkeit. Eine perfekte Fusion. (DB)

FFS

FFS

Release: 05.06.2015

℗ 2015 Domino Recording Co Ltd