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So war das Festival in Köln

20 Jahre Intro live

Nach monatelangen Feierlichkeiten folgte das große Finale zuhause: Wir feierten 20 Jahre Intro vor ausverkauften Häusern in Köln und Berlin mit prominenten Gratulanten wie Maxïmo Park, M83, Thees Uhlmann und Mike Skinner. Hier die Notizen des Kölner Abends
Geschrieben am
3.3.12, Köln, E-Werk

Matias Aguayo: Als Matias Aguayo hinter seine Midi-Controller trat, dürfte er die meisten schon alleine wegen des typischen, spitzbübischen Grinsen auf seiner Seite gehabt haben, das während des gesamten Sets kaum von seinem Gesicht wich. Bei den wahnwitzigen Stolperfallen in seinem lateinamerikanischen Favela-Tech war er da allerdings auch nicht der einzige...

Little Boots: Spielte sie in Berlin noch auf dem etwas kleineren, zweiten Floor der Veranstaltung, so wurde sie wegen des großen Erfolgs für Köln auf die Hauptbühne umgelegt.Das Set der Londonerin machte auch hier extreme Lust auf das im Sommer erscheinende zweite Album. Die neuen Songs, die zwei Drittel des Auftritts ausmachten, sind sehr old schoolig und voller Referenzen an die Hochzeit von Chicago House.

Stabil Elite: Im Vorfeld der Festivals avancierten die Düsseldorfer Stabil Elite mindestens in den sozialen Netzwerken zur heißesterwarteten Band des Abends. Das kommt bei heimischen Newcomern überraschend, ist aber sicher nicht falsch: In sauberen Hemden und mit Kraftwerk-Gedächtnisfrisuren stellte die Band mit ihren repetitiven Kraut- und Electro-Anleihen den Retrofuturismus ihres formidablen aktuellen Albums »Douze Pouze« perfekt in Szene. Genauso avanciert wie groovy, da fiel auch die Unterbrechung aufgrund der in Euphorie kaputt getretenen Bassdrum nicht groß ins Gewicht.   

Thees Uhlmann: Für Thees Uhlmann war der Auftritt in Köln ein kleines Heimspiel, wohnte der Tomte-Vorsteher doch ein zeitlang in unserer schönen Stadt. Das Studium, das eigentlich der Anlass dafür war, blieb zwar unbeendet, aber hey – sonst hätten wir ja nicht all die tollen Stücke von ihm. In Berlin und Köln spielte er diese im ungewohnten akustischen Set-up. Auch wenn er selbst das selbstkritisch sah, da ihm dann wohl doch der Rockgestus hier und da fehlte, kam sein Gig auch so extrem gut an. Ein toller Song passt eben in jeder Facon.

Mouse On Mars: Nachdem man Mouse On Mars das letzte Mal in Köln in der Philharmonie antraf, platzierten sich Jan St. Werner und Andi Toma an diesem Abend wieder in gewohnter Manier links und rechts von ihrem altbewährten Schlagzeuger Dodo Nkishi. Der neu erstarkte »Bounce« ihrer aktuellen Platte »Parastrophics« stand dem Duo bzw. Trio auch live gut zu Gesicht.

Maxïmo Park: Maxïmo Park waren im E-Werk wieder so bühnengeil wie vor ihrer ausgedehnten Pause. Sänger Paul Smith, wie immer adrett mit Anzug und Hut, riss das Mikrofon mit sich über die Bühne und performte Songs von allen drei Alben seiner Band, allerdings auch drei neue Songs vom in den nächsten Monaten erscheinenden Album. Auch Keyboarder Lukas Wooller wanderte während der Show lauffreudig über die Bühne und musste von seinem Frontmann rechtzeitig zurück an seinen Platz geleitet werden. Bis in die hinteren Reihen wurde vor allem während solcher Gassenhauer wie »Books From Boxes« ekstatisch getanzt und laut gejault, als Paul Smith sein Sakko auszog.

Simian Mobile Disco: James Ford und sein SMD-Partner Jas Shaw scheinen unendliche Kraftreserven zu haben. Nicht nur, dass sie wie alle anderen Künstler des 20-Jahre-Intro-Line-Ups zwei Shows hintereinander absolvieren mussten, die beiden legten nach ihrem fulminanten Auftritt im E-Werk auch noch ein Vier-Stunden-Set bei der Aftershowparty im Gewölbe hin. Während sie es im E-Werk sehr technoid angingen – dem Sound des neuen, im Mai erscheinenden Albums geschuldet, von dem sie auch das ein oder andere Stück einfließen ließen – prägten 90er-Jahre-House-Platten ihr Party-Set. Das Publikum dankte es ihnen mit ekstatisch in die Luft geworfenen Armen.

M83: Der Erfolg der letzten Monate muss für Anthony Gonzalez eine große Genugtuung gewesen sein. Der Chefdenker von M83 war jahrelang nicht mehr in Deutschland aufgetreten oder hatte seine Alben promotet – zu wenig Nachfrage. »Midnight City«, das zeigte auch der Abend im Kölner E-Werk, hat Indie-Deutschland letzten Herbst jedoch im Handstreich genommen. Gonzalez symphonischer Synthie-Rock bedeutete einen brachialen und emotionalen Schlusspunkt auf der Hauptbühne. Gonzalez und seine dreiköpfige Band traktierten Gitarren, Keyboards, Bässe, Schlagzeug, Mischpulte und modulare Synthesizer so intensiv, als würden sie gerade »Call Of Duty« auf höchstem Schwierigkeitsgrad spielen. Die Setlist erschien dabei als breit angelegte Werkschau, mit der Gonzalez zu sagen schien: »So, und jetzt hört ihr euch alle mal die vier Alben davor an. Die Band gibt es nämlich schon seit dem Jahr 2000.«

Mike Skinner: Mike Skinner bot erwartungsgemäß eine kleine Geschichtsstunde in Sachen UK-Hardcore und ließ auf 160 BPM gepitchte Amen Breaks mit aggressiven Jungle-Bässen kollidieren, nur um abrupt wieder auf die jüngsten Wobble-Exzesse umzuschwenken. Höhepunkt seines eklektischen Sets: Major Lazers jüngste Gaga-Ausgeburt »Original Don«, das verschleppte Dancehall-Patterns und aufgekratzte Synthie-Riffs mit der Grazie eines holländischen Gabba-Traktors kombiniert.