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Frank Spilker über Die Sterne und wie alles begann

20 Jahre Intro

Zu keinem anderen Stück der Hamburger Schule wurde auf Intro-Partys öfter getanzt als zu den trockenen Grooves von »Was hat dich bloß so ruiniert. Wie das alles anfing, erzählte uns Frank Spilker persönlich.
Geschrieben am
»Ein Kennzeichen der Provinz ist immer, jemand anderes sein zu wollen. Ein Mensch, der jemand anderes sein will, ist vielleicht einfach unsicher, aber was ist dann mit den Städten los? Können Städte einen Minderwertigkeitskomplex hegen? Bekannte von mir, die normalerweise in New York leben, finden zum Beispiel nach eigenen Angaben Hamburg innerhalb Deutschlands interessanter als Berlin. Berlin, das wäre doch nur New York in klein, und das würden sie ohnehin schon kennen. Hamburg dagegen hätte eine eigene Identität. Das kann man alles überstrapazieren, meine ich.

Wie in der Kunst auch gilt es im Leben, die Waage zu halten zwischen Imitation und Eigenblutdoping. Letztendlich sind das in Hamburg, Berlin, New York, Zürich, Mailand oder sonst wo auf der Welt immer nur eine Handvoll Leute, die etwas machen, und eine zweite Handvoll Leute, die sich dafür gegenseitig auf die Schulter klopfen. Bestenfalls sind sie global vernetzt und informiert. Bestenfalls interessieren sie sich auch dafür, was andernorts gedacht, geschrieben und gemacht wird. Sicher ist, wer in Osnabrück lebt und etwas mit Medien machen will, der landet irgendwann in Köln, oder Düsseldorf. Genau wie Intro. Wenn man diesen Weg gegangen ist, weiß man aber auch, dass jederzeit und überall etwas Neues und Großartiges geschehen kann. Nicht nur in den Metropolen. Diesen Blick auch auf die Ränder dessen, was normalerweise als das Zentrum angesehen wird, zu bewahren ist einer der großen Verdienste von 20 Jahren Intro.

Die Sterne sind aus einer Schülerband hervorgegangen und haben deshalb letztlich auch in der Provinz angefangen. Auch wenn von der Schülerband am Ende nicht mehr übrig war als der Sänger derselben in einer ganz anderen Umgebung. Im Forum Enger in der Nähe von Bielfeld haben damals so gut wie alle international bekannten Indie- und Punkbands gespielt, und hier hat man auch hin und wieder jemanden aus Osnabrück getroffen. Der Osnabrücker ist schon eher mal nach Bielefeld gereist als der Bielefelder nach Osnabrück. Einfach, weil die Uni Bielefeld etwas größer ist und das kulturelle Leben etwas reicher. Aber nicht viel.

Letztendlich reist man in der ganzen Gegend viel herum, und es bildet sich nicht wirklich ein eindeutiges kulturelles Zentrum heraus. In dieser Hinsicht ist Westfalen dem Ruhrgebiet ganz ähnlich. Und weil es zu meiner Zeit in der Region, die ja nun mittlerweile auch schon zwanzig Jahre her ist, in Osnabrück keinen herausragenden Club gab, habe ich die Stadt erst viel später kennengelernt. Zu der Zeit nämlich, als Die Sterne in ganz Deutschland unterwegs und jede Kleinstadt kennengelernt haben, wohnte unser Keyboarder in Osnabrück. Ab und zu mussten wir dort auf etwas warten, und ich kenne die Fußgängerzone ganz gut. Dort gibt es holländisches Fleisch und Kartoffelkroketten. H&M und was es halt überall so gibt.«