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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Open Jail

1984

Der Bandname des Dreiers aus Straßburg ist natürlich vor allem durch George Orwells dystopischen Roman über einen totalitären Überwachungsstaat prominent besetzt.
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Der Bandname des Dreiers aus Straßburg ist natürlich vor allem durch George Orwells dystopischen Roman über einen totalitären Überwachungsstaat prominent besetzt.


Aber auch als Datum zur Bestimmung der musikalischen Präferenzen passt die Zahl ins Konzept, denn Wave und Postpunk sind so Referenzen, mit denen das Trio bestimmt ganz gut klarkommt. Dass der Schritt zu Kurt Weill, Brecht und - naheliegenderweise - zum Chanson von da aus gar nicht mehr so weit ist, fällt erst beim Hören von "Open Jail" auf. Simple Rhythmusarbeit und entfernte Gitarren dröhnen sich in Rage, während Sänger/Gitarrist Etienne Nicolini natürlich im besten Ian-Curtis-Stil mit lang gezogenen Silben das Ende herbeisehnt. Unbedarft stolpern sie aber genauso gezielt durch rockende Parts und dezente Jazz- und Country-Versatzstücke, um am Ende des dunklen Tunnels doch wieder auf der Kleinkunstbühne kurz vorstellig zu werden, wo das schwarze Bar-Piano auf seinen Einsatz wartet. Dabei fügt sich die Vermengung eher nicht so angesagter Stile durchaus zu einem stimmigen und stringenten Gesamtbild zusammen. Statt einer bloßen Kopie verwegener Wave-Standards werfen 1984 eine Reihe passender Stilerweiterungen in den Topf und funktionieren so deutlich schlichter als die nahen Verwandten World/Inferno Friendship Society. Die müssen ja noch Blechbläser und NY-Hardcore-Credibility hinter sich her schleifen. Nicht zukunftsweisend, viel eher geschmackvoll aus der Vergangenheit ins Jetzt kopiert.