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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Interview mit den Labelmachern

10 Jahre Sinnbus Label Tour

Eines der besten deutschen Indie-Labels wird 10 Jahre alt: Das Berliner Labelkollektiv Sinnbus Records hat in der letzten Dekade nicht nur eine stilistisch wechselvolle Veröffentlichungsgeschichte hinter sich gebracht, sondern es ist in dieser Zeit auch für einige Albumhöhepunkte verantwortlich – sowohl im Postrock als auch in der Intelligent Dance Music. Peter Gruse und Daniel Spindler, zwei der Macher, haben dazu einige spannende Geschichten zu erzählen.
Geschrieben am

 

 

10 Jahre Sinnbus – wenn das in knappen Worten überhaupt möglich ist: Wie fing eigentlich alles an?

Peter: Ein paar Jahre vor der Labelgründung als wirklich großer kreativer Haufen, der alles selbst machen wollte und erst mal mit Konzerten, einem Festival und Radrennen begann...

Daniel: Klassisch als Sammelbecken unserer Ideen und Leidenschaften. Mit stundenlangen Diskussionen, keiner Ahnung und erfrischend zielsicheren Schnellschüssen.

Und ab wann wurde es mit der Labelarbeit wirklich ernst? Wann hat es sich für euch nicht mehr angefühlt wie reines Privatvergnügen?

Peter: Als klar wurde: Die Bands wollen mehr, wir wollen mehr und die Kühlschränke sind leer.

Daniel: Das war eigentlich ein schleichender Prozess, mit jedem weiteren Album wurde es konkreter. Ein richtig harter Schnitt in diesem Sinne war sicherlich die Veröffentlichung des ersten Albums von Bodi Bill, als Peter sagte: Hierfür hänge ich meinen Job an den Nagel.

 

Ihr hattet immer die spezielle Konstellation, sich als Labelmitarbeiter als Kollektiv zu verstehen. Wie kam es dazu, und welche Vor- und Nachteile konntet ihr feststellen?

Peter: Am Anfang war es nicht leicht mit so vielen Leuten, wir waren bestimmt langsam und oft nach innen orientiert. Letztendlich wollte aber keiner von uns je Einzelkämpfer sein und den Humor verlieren. Das gemeinsame ist uns wichtig, daraus ziehen wir Kraft. Wer kann schon behaupten mit seinen Kumpels das zu machen, was man machen will?

Daniel: Wir haben immer versucht, die Dinge gemeinsam zu machen und uns in allen Situationen gegenseitig im Boot zu halten. Das ist mitunter ziemlich anstrengend und raubt Zeit und Nerven. Aber unterm Strich ist das einfach unser Weg. Würde man es radikal runterbrechen, wäre es vielleicht egal, ob wir ein Label machten oder irgendetwas anderes. Über eine so lange Zeit Dinge mit seinen besten Freunden zusammen auf die Beine zu stellen, das ist es im Grunde.

 

Euer Roster hat sich auch musikalisch über die Jahre immer wieder verändert. Wie kam es dazu?

Peter: Das ist einfach passiert. Wir machen nur das, was uns gefällt. Man muss mit echter Leidenschaft dabei sein, um auch Plan B und C im Ärmel zu haben. Man kann nur langfristig arbeiten, wenn man auch inhaltlich komplett überzeugt ist.

Daniel: Unser Musikgeschmack verändert sich. Und Bands hören auf oder gehen andere Wege.

 

Könnt ihr so etwas wie einen besten Moment eurer Labelgeschichte benennen?

Peter: Ich werde mich immer an diese Zeit rund um Bodi Bills Album »No More Wars« im Jahr 2007 erinnern. Da war so viel Euphorie und Lebensfreude und immer wieder mitsingen und tanzen. Plötzlich hörten die Indie-Kids Techno, und am Morgen beim Abbau nach unserem Seefahrer Festival lief das Album und alle Helfer sangen lauthals mit. Das werde ich sicher nicht vergessen.

Daniel: Die »What?«-Tour von Bodi Bill. Wir waren alle gemeinsam in einem Bus unterwegs, jeder hatte etwas Nützliches zu tun, alles saß an seinem Platz und wir konnten davon leben. Und das waren alles wir, unsere besten Freunde. Niemand externes.

 

Fast alle aus eurem Labelkollektiv waren auch in Bands des Labels als Musiker aktiv. Gibt es das auch noch, klassische Labelbands?

Daniel: Auf jeden Fall. Siehe die Labels Krakatau oder Analogsoul oder Trickser. Kommt wieder. Wir haben da auch was in der Schublade.

 

Worauf sollten junge Labels eurer Erfahrung nach besonders achten?

Peter: Bereitet euch auf den Erfolg vor, es könnte sonst ein Misserfolg werden. Und macht nur das, woran ihr wirklich glaubt.

Daniel: Locker bleiben, Augen aufbehalten, sich mit Freunden zusammen tun.

 

Auch nach zehn Jahren muss es ja irgendwie weitergehen. Was steht bei euch in den kommenden Monaten auf dem Plan? Vielleicht sogar ein neuer Act, mit dem ihr große Hoffnungen verbindet?

Peter: Da kommt einiges. Unmap sind unser nächster großer Favorit, dann kommt ein neues Album von Hundreds. Miss Kenichi ist neu in der Sinnbus-Familie, und das Debütalbum von The/Das wird von uns mit Spannung erwartet.

Daniel: Unmap erscheint am Ende des Jahres, das hält uns ziemlich in Bewegung. Vor allem auch, weil wir wieder in ein für uns neues musikalisches Gebiet vorstoßen. Und wir reden gerade über tolle Dinge, die aber noch nicht komplett eingetütet sind.

 

Eure Top 3-Sinnbusveröffentlichungen von Beginn an bis heute?

Peter: Am meisten gehört habe ich wohl:

Kam:as »Bric-A-Brac«

Bodi Bill »No More Wars«

We Vs. Death »A Black House, A Coloured Home«

Daniel:

Honey For Petzi/SDNMT »Split 10"«

Kam:as »Neverstate«

Bodi Bill »What?«

 

Was könnt ihr für die Shows der Geburtstagstour in Aussicht stellen? Was habt ihr geplant?

Peter: Wir schauen nach vorne und präsentieren Sinnbus 2013. Daher Unmap, The/Das, Rue Royale und dann mal sehen...

Daniel: Erst nach den Kollegen von Audiolith ins Bett zu gehen.