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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Antideutsch und angetrunken in die Charts

10 Jahre Audiolith

Audiolith – einst bloß ein komischer Name, mittlerweile eine feiste Ansage. Das Indie-Label aus Hamburg mit den beiden Sternen wurde gegründet von Lars Lewerenz. Und zwar vor genau zehn Jahren. Ihre Acts wie Frittenbude, Egotronic, Feine Sahne Fischfilet haben Glaubwürdigkeit, Rausch und Tanz in die hippsten Clubs wie entlegensten Keller gebracht. Empire Audiolith. Wir sprachen mit Lars und seinem Artur übers Jubiläum.
Geschrieben am
Lars, wir haben dich vor etlichen Jahren zu einer Labelstory daheim besucht - wie hast du das Date in Erinnerung?
Lars Lewerenz: Ihr seid bei uns aufgelaufen und habt euch benommen wie die Schweine. Nein, Quatsch, ihr habt euch benommen und mein Privatleben respektiert. Wir haben über die Tierschädelsammlung meiner Freundin gesprochen und sind dann auf die Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld gefahren. Dort haben wir den vierstelligen Jahresgewinn von Audiolith auf Pferde gesetzt und getrunken.

Damals warst du echt Indie, allerdings hat man gemerkt, du willst nicht nur in Liebhaberei für Nerds Platten veröffentlichen, sondern damit was reißen. Was glaubst du, ist das Geheimnis, dass das tatsächlich auch funktioniert hat? Bei 99% aller DIY-Labels klappt der Schritt ja eben nicht.
Lars: Das Geheimnis ist, dass es keins gibt. Aber danke für die Blumen. Ich glaube, es liegt erstens daran, dass wir (es arbeiten seit 2012 vier Festangestellte bei Audiolith unter besten Bedingungen) einigen Menschen gehörig auf die Nerven gegangen sind und die dann wirklich überzeugt davon waren, was wir ihnen angedroht hatten. Zweitens, was eigentlich als erstens kommen sollte, ist unser Trumpf, dass unglaublich freundliche, wahnsinnige und trinksüchtige Menschen mit irren Visionen auf Audiolith veröffentlichen. Natürlich gehört es auch immer dazu, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Wenn die »Kunden« nicht am Start gewesen wären, hätten wir nach ein paar Jahren aufgesteckt und wären Fliesen- und Kabelleger geworden.

Artur, Du bist der Booker und Styler bei Audiolith, ihr schüttelt immer wieder sehr erfolgreiche (Presse-)Coups aus dem Ärmel: Die Geschichte mit eurem Besuch beim Verfassungsschutz wegen Feine Sahne Fischfilet, die 50 Euro per Post einfach mal an Printmedien geschickt, die »Geiselfahrt«-Tour durch Dorfdiskos ... wie kommt ihr auf den Kram und welches Ding hat euch selbst am meisten Spaß gemacht?
Artur: Wie das so ist mit Ideen ist, kommen sie meistens einfach so und überall. Und falls uns mal eine Woche nichts einfällt, greifen wir zu Absinth. Dann geht eigentlich immer was. Es ist aber sicher nicht alles nur für Euch von der ehrenwerten Musikpresse gedacht!
Die Sache mit dem Präsentkorb für den Verfassungsschutz zum Beispiel war einfach eine Antwort, die uns wichtig erschien.
Dass das dann so gut ankommt, konnten wir nicht ahnen. Wir dachten eher, wir werden verhaftet und die Filme werden gelöscht oder so. Am meisten hat mir die Dorfdisko Geiselfahrt Bock gemacht.
Es war so extrem und wir werden sowas nie wieder machen können. Das hat damals alles zusammen Sinn ergeben: Das Level der Bands und des Hypes, unsere damalige Semiprofessionalität, die vielen coolen "Journalisten" die sich mit uns fraternisiert haben, dieser Bus mit Liegewiese, der heute nicht mehr fahren darf, und Dirk Wilbergs [beliebter Promoter aus Hamburg, Anm.] goldener Jogginganzug - eine unglaubliche Konstellation.

Artur, irgendwas ist aktuell ja mit Goldbarren zum Zehnjährigen, oder so. Müssen wir da wirklich drüber berichten? Ich habe es echt noch nicht gediggt!
Artur: Es gab Mal ein Video im Netz, wo Lars sich zwei kleine Goldbarren aus dem Mund zieht, und behauptet, er will sie jemanden schenken, weil Audiolith zehn Jahre alt wird. Mehr weiß ich nicht. Also von einer Verlosung in Gold oder so war nie die Rede!

Welche Acts und Releases wollt ihr hier schon announcen? Was geht bei Audiolith der Zukunft?
Artur: Ich freu mich auf unseren Sampler, den wir im Herbst veröffentlichen. Mit allen Label-Künstlerinnen und Künstlern und vielen neuen Tracks. Und auf unser erstes Buch, ein Kochbuch mit veganen russischen Rezepten!
Lars: Genau, der für den Laden zukunftsweisende Sampler «Audiolith »Doin Our thing Part 3”-Sampler. Hoffentlich! Ansonsten stehen Alben an von Captain Gips, Fuck Art, Let’s Dance!, Egotronic, ClickClickDecker - wenn die Welt nicht vorher untergeht. Und ich freu mich drauf, den Menschen das Gold zu bringen. Checkt das Video: