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Kratzen & Beißen: Die monatliche Hass-Kolumne

Wolfgang Frömberg gegen Spoilsusen

Ihr wollt nicht wissen, wer gestern bei »Game Of Thrones« gestorben ist und mit wem Don Draper in der x-ten Folge »Mad Men« rummacht? Aber ihr wollt das, was ihr nicht wissen wollt, trotzdem als Erste erfahren? Wolfgang Frömberg hat es satt, den Mund zu halten. Spoiler: Nächstes Mal kotzt er sich über den miesen Begriff Heulsusen aus. Versprochen.
Geschrieben am
Filmkritiker haben einen harten Job. Jeden Morgen müssen sie um neun Uhr aufstehen und zum Kino hetzen. Pünktlich um zehn, mit höchstens siebenundzwanzig Minuten Verspätung, beginnt die Vorführung eines Films, der sechs Wochen später startet. Außer, es handelt sich um etwas Spannendes wie »Fast & Furious 7«. Inhalt: top secret. Klar, so ein Knüller wird erst kurz vor dem Release gezeigt, Journalisten müssen am Eingang sogar ihre Handys abgeben – mitfilmen und live tickern ist nicht. 

Eine halbe Ewigkeit lang sollen Filmkritiker Geheimnisse hüten, auf die die NSA neidisch wäre. Das ist nicht immer leicht: Bei Finchers »Gone Girl« war die Auflösung so komplex, dass Kollegen nachher beratschlagten, was genau sie nicht ausplaudern dürfen. Dabei geht es nicht um doofe Stillschweigeerklärungen, die man hier und da mal mit Blut unterzeichnet. Viel mehr Bauchweh bereitet dem liebesbedürftigen Kritiker das Redeverbot vor Lebenspartnern, Lesern und der Facebook-Community. Da sitzt der arme Schreiberling ein paar Tage am Riemen über die Klassenkampf-Metaphorik von »Titanic« – und der erste Kommentar unter dem Posting lautet: »Das Ding geht unter? Danke für den Spoiler!« Die Redaktion schimpft natürlich: »Was hast du Idiot schon wieder verbockt? Wer soll denn jetzt noch die Kommafehler kommentieren?«

Die schlimmste Falle für die Kritikersau sind Serien: Sie triggern mehr Spoiler als die Hecks aller Porsches dieser Welt zusammen. Walter White überlebt? Spoiler. Der Bruder hat Laura Palmer gekillt? Spoiler. Tony Soprano wird Priester? Spoiler. Das ganze Leben ist schon mit dem Scheiß infiziert: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei? Der HSV steigt ab und Bayern wird Meister? Am Monatsende nimmt der Durst zu und das Geld wird knapp? Spoiler! Spoiler! Spoiler!

Für die wehklagende Menge hat der Filmstartankündiger neuerdings einen Namen: Spoilsusen! Sie sind schuld, dass es schreckliche Regisseure wie M. Night Shyamalan gibt, die ihren Mist nur drehen, um mit dem »genialen« Ende anzugeben. Inspektor Columbo hat es doch vorgemacht: Der weiß immer schon zu Beginn, wer der Mörder ist, und lässt Täter und Publikum bloß in dem Glauben, sie wüssten mehr als er. Also weiß er auch, dass »Breaking Bad« eine gute Serie bleibt, wenn Intro verrät, dass Walter White doch ins Gras beißen muss. Wer das nicht wissen will, der guckt halt die ersten fünf Minuten lang weg, hält sich die Ohren zu und sagt laut »Mimimi«, wenn er das nächste Mal auf Facebook ist. Ist doch ganz einfach.