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Kratzen & Beißen #260

Valentin Erning gegen Musikreviews

Valentin Erning steuert allmonatlich Beiträge zum Review-Teil unseres Magazins bei. Jetzt sägt er am eigenen Ast – und die Ausrottung des Rezensionsformats ist ihm jedes Menschenopfer wert. Einstellen werden wir es natürlich trotzdem nicht, aber vielleicht dient dieser Rant ja als Motivation für weitere Generationen von Review-Schreibern.

Geschrieben am

Papier, so heißt es, sei geduldig. Eine stichhaltigere Erklärung dafür, dass es im Review-Abschnitt dieses Magazins noch nicht zu fiesen Abstoßungsreaktionen kam, ist schlichtweg nicht ersichtlich. Für die Engels- beziehungsweise Teufelsgeduld der verlegenden Zunft im Umgang mit Musikrezensionen aber ist weit und breit kein Motiv auszumachen: Dieselben Menschen, die der Würde halber für die Sterbehilfe sterben würden, lassen das wohl überflüssigste Textformat des gesamten Kulturjournalismus bis zur völligen Verwesung an den Schläuchen. Und das stinkt gewaltig.

Die Rezensierenden-Riege macht sich mitschuldig, indem sie immer weiter Texte abdrückt, die dem eingestrichenen Groschenhonorar in ihrer Mittelmäßigkeit voll und ganz entsprechen. Heerscharen übereifriger Amateure mischen kräftig mit – jene also, denen trotz bemühtesten Saugens immer nur dieselben schalen Phrasen aus den Fingern eitern, während die Lust an sich selbst langsam, aber sicher jene an der Musik überholt. Es ist aber auch ein geiles Privileg, sich in aller Öffentlichkeit nicht nur gestelzt über das Werk von Künstlern erheben zu dürfen, sondern zugleich auch noch über die Meinungen zahlloser Menschen, die die ihre ungleich interessanter vertreten könnten als man selbst. Außerdem kriegt der Pöbel ja auch keine wichtige Promo-CD, mit der sich im Freundeskreis angeben ließe – geschweige denn Gästelistenplätze, um sich mit einem Hauch von Prestige zu schmücken.

Ja, ihr Hobby-Journalisten und -Journalistinnen, die ihr euch zeitlebens nicht aus dem hölzernen Korsett des Schulaufsatzes befreien können werdet, ja, ihr Türsteher der musikalischen Ahnengeschichte, und ja, ihr zungenschnalzenden Feuilleton-Fatzken, die ihr in eitlen Connaisseurs-Termini wollüstig daherflatuliert – meine Verachtung ist euch allen sicher. Bar jeglicher anständiger Unterhaltung kanzelt ihr Kunst ab in dem Glauben, Wichtiges zu schaffen, und schafft dabei doch nur eines: zutiefst narzisstische Ego-Schmiere, vor der sich selbst der Weißraum ekelt. Behaltet also eure Finger bei euch, wenn ihr das nächste Mal Musik hört; kommt lieber ins Gespräch und tauscht euch aus, statt euch aufzuspielen. Es sei denn, ihr redet allen Ernstes, wie ihr schreibt: Dann haltet um Himmels willen den Rand!

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