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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Tipps zur EM

Fußballschauen mit Carsten Friedrichs

Die Europameisterschaft der Herren wirft einige logistische Fragen auf: Wo schauen wir welche Spiele und welche Snacks müssen überhaupt gekauft werden? Carsten Friedrichs, Fußballfan und Sänger der Band Die Liga der gewöhnlichen Gentleman, weiß Rat (Foto: Zweiter von Rechts).
Geschrieben am
1. Wo schauen?
Im Stadion im schönen Frankreich? Zu weit, zu teuer, zu anstrengend. Außerdem sind Fußballstadionbesuche so... na ja, muss man mögen. Hemdsärmeliges Klientel, Gedränge, Geschubse, volle Bahnen, ständiges Gebrüll. Warum gehe ich selbst eigentlich dauernd ins Stadion? Muss ich bei Gelegenheit mal bei meinem Psychiater zur Sprache bringen. Public Viewing? Hoffe doch nicht, dass auch nur ein Leser oder eine Leserin des Intro-Magazins das ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Ich habe mal in der Nähe von so einem Public-Viewing-Platz gewohnt. Bin vielleicht etwas sensibel, aber alleine der Anblick von Leuten, die sich Fahnen wie so eine Art Superman-Cape um die Schultern legen, macht mich aggressiv. Außerdem versucht man es als zivilisierter Mensch ja grundsätzlich, sich nicht ohne Not der Witterung auszusetzen. Ergo: Ich schaue zuhause. Da kann ich auch umschalten, wenn's langweilig ist. Versuch das mal beim Public Viewing.
2. Was schauen?
Idealerweise alle Spiele. Habe bei der letzten WM genau ein Spiel nicht gesehen und zwar das in dem der Eine den Anderen gebissen hat. Stand am nächsten Tag da wie ein Trottel. Quasi Mondlandung verschlafen.
3. Gegen wen?
Easy! Natürlich gegen »Die Mannschaft«. Noch frisch ist die Erinnerung, wie sie bei der WM Brasilien nicht nur besiegen sondern auch noch demütigen wollten. Spätestens nach dem 5:0 hätten sie sportlicherweise eine ruhige Kugel schieben sollen, aber stattdessen wollten die vom Ehrgeiz Zerfressenen den am Boden liegenden Brasilianern vor heimischen Publikum noch mal fünf einschenken und bestätigten damit eindrucksvoll Wolfgang Pohrts Beobachtung, nach der eine die Zeiten überdauernde Eigenschaft der Deutschen zu sein scheint, dass Schwäche nicht ihr Mitleid weckt oder sie wenigstens gleichgültig lässt, sondern ihren Verfolgungseifer reizt. Aber Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es nicht noch schlimmer ginge: Statt dem Finalgegner Respekt zu zollen, verhöhnten die Xavier Naidoo hörenden Rotzlöffel die Argentinier auch noch mit dem »Gaucho-Tanz«. C´mon, Nordirland! Auch den »Sieg« brüllenden Fans sei ein Vorrunden-Aus von ganzen Herzen gegönnt.
4. Was hören?
EM Time – Music Time! Bin sehr gespannt, ob es wieder so einen Kracher wie »Three Lions« gibt. Googlen wir doch mal: Aha, Herbert Grönemeyer hat einen EM-Song aufgenommen. Wie der wohl ist? Oh, der ist ja furchtbar. Problem: Den werden wir in den nächsten vier Wochen ein paar 100 mal hören, ob wir wollen oder nicht. Der ein oder andere sensible Freund des Sports rund um die Ochsenblase wird vermutlich spätestens nach dem 20. Mal mit Schaum vorm Mund in die Auslegware beißen. Klassisches EM-Risiko. Neidisch hören wir uns auf der Insel um. Cool, die Indie-Rocker Manic Street Preachers haben den Wales-Song gemacht. Merde! Klingt ja wie aus einem Schimanski-Tatort anno 1985. England muss es mal wieder richten. Geilo, Shaun Ryder und Goldie sowie zwei weitere Lads sind am Start. Muss gut sein! Nun, ja. Nochmal hören. Und noch mal. Und ein Pint. Und noch mal hören. Und noch ein Pint. Doch, spitze!
5. Was sonst?
Die richtige Würze bekommt so eine EM durch den Verzehr interessanter Mengen Knabberboxen. Auf jeden Fall zum Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale die Teuren (die mit Chipsletten, Italoecke und Würmern), wenn Besuch kommt die von »Ja«. Auch wichtig: Spielplan aufhängen, ca, eine Woche gewissenhaft ausfüllen, dann nur noch sporadisch ausfüllen, dann ganz lassen.
6. Und danach?
Dann kommt bei mir erfahrungsgemäß die Post-EM- (bzw WM-)Melancholie, weil: Sommer neigt sich dem Ende zu, beim nächsten großen Turnier bin ich (und ihr auch!) wieder zwei Jahre älter, was spätestens ab Mitte 20 eine Menge ausmacht. Und außerdem ist ein internationales Turnier so schön entspannend. Zumindest für mich, weil es mir größtenteils komplett wurscht ist, wer gewinnt und mich der Liga-Alltag immer so mitnimmt. Peinlich, dass es mir immer noch wichtig ist, wenn 22 tätowierte Millionäre in kurzen Hosen einem Ball hinterher rennen. Sei's drum, eine meiner eher gesellschaftsfähigeren Marotten. Es war, ist und wird immer sein: Unser schönes Spiel! Allen viel Spaß!

»Der beste Zechpreller der Welt« von Die Liga der gewöhnlichen Gentleman

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen

Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen!

Release: 15.01.2016

℗ 2016 Tapete Records