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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Musikalische Postkarten

The Open Stage Berlin

Ob urige Eckkneipe oder Fotoautomat: Die Macher von The Open Stage Berlin drehen Musikvideos an Orten, die den rasanten Wandel der Stadt und ihre vielen Gesichter zeigen. Nach und nach soll die Plattform zur digitalen Chronik der Berliner Musikszene wachsen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Gerade gewannen ihre Macher die von Jack Daniel’s initiierte Förderung »Supporter of the Independent« im Wert von 7.000 Euro. Karola Szopinski begleitete das Team beim Dreh im verlassenen Ballhaus Grünau.
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Die hohen Fenster des ehemaligen Festsaals wurden lieblos mit Holzbrettern vernagelt. Das Gelände ist mit einem Bauzaun abgesperrt. Doch der hält weder neugierige Besucher noch das Team von The Open Stage Berlin davon ab, das verlassene Gesellschaftshaus Grünau zu betreten. Zwar verwahrlost der denkmalgeschützte Bau im Südosten Berlins seit über 20 Jahren, doch heute wird er zum Drehort für ein Musikvideo und damit Teil der »ersten interaktiven Chronik der Berliner Musikszene«. Mit dem Projekt wollen Carlos Vargas, Christian Blümel und Mario Cordero Berlin und seine Musikschaffenden durch Live-Aufnahmen an ungewöhnlichen Orten dokumentieren: »Wir wollen die Stadt durch ihre Musik zeigen und die Musik durch die Stadt.«
Im Ortsteil Grünau stehen diesmal Kyra Garey und Band vor der Kamera. Normalerweise spielt die Sängerin gemeinsam mit Drummer Joe Smith, Gitarrist Alex Kozmidi und Bassist Kurt Rosenwinkel ihren lässigen Mix aus Surf Rock und Blues in kleinen Neuköllner Clubs. »Das hier ist definitiv ein Abenteuer für uns! Es ist toll, Teil eines Projekts zu sein, das Musiker fördert!« sagt Kurt. Als ein paar Bier später Musiker und Instrumente ihren Platz in der Ruine gefunden haben, haucht Kyras rauchige Stimme dem kalten Gemäuer neues Leben ein. Spätestens jetzt wird klar, worum es bei The Open Stage geht: magische Momente wie diesen einzufangen. »Die Videos spiegeln die schnellen Entwicklungen in Berlin wider und machen auf sie aufmerksam. Auch die Musiker kommen teilweise nur für kurze Zeit her. Wir finden es wichtig, diese Augenblicke festzuhalten«, so Carlos. Teilweise habe man an Locations gedreht, die kurze Zeit später gar nicht mehr existierten. 
Dadurch, dass die Musikvideos auf der Website nahtlos aneinander anknüpfen, begibt sich der Zuschauer automatisch auf Entdeckungsreise durch Musikgenres und besondere Plätze. Brüche zwischen Song und Drehort seien dabei durchaus erwünscht, erklärt Christian: »Wir haben mit zwei kolumbianischen Flötenspielern im Getränkegroßhandel gedreht. Das fanden wir sehr spannend, weil es fast schon ein politisches Statement ist.« Im Unterschied zu anderen Formaten gehe es um eine authentische Darstellung dessen, was die Stadt hervorbringt. »Wir möchten den Zeitgeist widerspiegeln und Geschichten über die Stadt und die Menschen, die hier leben, erzählen.«
Momentan wird das Projekt von Förderungen wie »Supporter of the Independent« getragen und lebt vom Herzblut der Macher. Doch die haben große Pläne, denn The Open Stage soll kontinuierlich wachsen und international werden. Fest steht: Sollte der Ballsaal tatsächlich dem Verfall überlassen werden, wurde ihm heute ein gebührendes Denkmal für die digitale Nachwelt gesetzt.

Alle Videos findet ihr auf theopenstageberlin.de, alle Informationen zu »Supporter of the Independent« auf jackdaniels.de