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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ein Hausbesuch bei …

Shock Records in Osnabrück

Digitalisierung, Amazon, Streaming-Flatrates, iTunes – nach all dem ist es gar nicht so selbstverständlich, dass der Osnabrücker Plattenladen Shock Records, Anzeigenkunde der allerersten Intro-Ausgabe, noch immer existiert. Daniel Koch fragt beim Besitzer Hans-Dieter Herrmann nach, wie man über 25 Jahre Platten verkauft. 
Geschrieben am
Die Anzeige von Shock Records in Intro Nummer 1 war noch handgeschrieben und -gezeichnet. Unter einem Stempel mit der Adresse von »Shock Records« wurden vor allem »Neuheiten + Spezielles« angeboten, unter anderem die »Nevermind« von Nirvana sowie Neues von Pearl Jam und Public Enemy. Daneben waren seltsame Comic-Köpfe abgebildet: ein Zombie-Pirat und ein bedröhnter Hippie. Wer zu dieser Zeit in der Natruper Straße 9 in Osnabrück eine Indie-Platte kaufen wollte, musste manchmal warten, bis der große Schäferhund von Hans-Dieter Herrmann – Stammkunden besser bekannt als Bibi – sich bequemte, seinen Schlafplatz vor dem Regal aufzugeben. Meist lag er vor »Independent A–F«. Vor drei Jahren erfolgte dann endlich der Umzug in neue, hellere Räume in der Hasestraße, die dichter an der Innenstadt liegt. Die neue, größere Ladenfläche teilt Bibi sich mit zwei Partnern – einem Second-Hand-Plattenhandel und einem Café.

»Ich war froh, als ich aus dem alten Laden raus war. Nach 25 Jahren wächst man da ja fast rein und schlägt Wurzeln«, sagt Bibi heute. Zum Plattenverkaufen kam er eher zufällig: Ein Freund eröffnete einen Plattenladen in Rheine und fragte Bibi, ob er helfen wolle. 1989 machte der sich dann in Osnabrück mit Shock Records selbstständig. »Die Überlegung war für mich logisch: Osnabrück ist jetzt nicht so klein und es gibt keinen vernünftigen Plattenladen. Das sahen auch die Banken ein.« 
Während des Gesprächs kommen immer wieder Kunden in den Laden. Ein Mitzwanziger kauft eine frühe Hives-Platte, ein junges Mädchen fragt nach – ausgerechnet – Karten für Anvil, ein Student erkundigt sich nach dem gemeinsamen Album von Anderson .Paak und Knxwledge. Auf die Frage, warum es seinen Laden noch immer gibt, sagt Bibi: »Ich glaube, weil ich immer versuche, dranzubleiben und auch mal ›trendig‹ zu sein, wenn es passt. Ich muss jetzt nicht EDM verkaufen, aber als Drum’n’Bass aufkam, oder Anfang der Nullerjahre dieser undergroundige Minimal-Techno, da habe ich schon dafür gesorgt, dass man bei mir fündig wird. Dafür muss man natürlich überall saugen, um Input zu bekommen. Heute noch viel mehr. Es gibt ja immer mehr Schubladen und Styles. Aber deswegen habe ich vielleicht überlebt.« Auch helfe es, dass sich in Osnabrück in den letzten zehn Jahren wieder eine recht lebhafte Indie- und Punkszene entwickelt hat, erzählt Bibi.

Und trotzdem: »Dass es so lange geht, hätte ich damals nicht gedacht. Eigentlich fühlte es sich schon in den 90ern nach Überlebenskampf an, einen Plattenladen zu betreiben. Seitdem habe ich viele gute Läden kommen und gehen sehen, und ich bin eben immer noch da.« Das liegt an einem treuen und älteren Publikum, aber auch am Nachwuchs, der sich hier vermehrt blicken lässt. Wer zum Beispiel an einem Samstag auf einen Kaffee und einen Plattenkauf vorbeischaut oder sich bei einem Konzert am Record Store Day noch in den pickepackevollen Laden schiebt, bekommt schon das Gefühl, dass zum Thema Musik eben doch noch nicht alles im Internet passiert.
Während des Gesprächs kommen immer wieder Kunden in den Laden. Ein Mitzwanziger kauft eine frühe Hives-Platte, ein junges Mädchen fragt nach – ausgerechnet – Karten für Anvil, ein Student erkundigt sich nach dem gemeinsamen Album von Anderson .Paak und Knxwledge. Auf die Frage, warum es seinen Laden noch immer gibt, sagt Bibi: »Ich glaube, weil ich immer versuche, dranzubleiben und auch mal ›trendig‹ zu sein, wenn es passt. Ich muss jetzt nicht EDM verkaufen, aber als Drum’n’Bass aufkam, oder Anfang der Nullerjahre dieser undergroundige Minimal-Techno, da habe ich schon dafür gesorgt, dass man bei mir fündig wird. Dafür muss man natürlich überall saugen, um Input zu bekommen. Heute noch viel mehr. Es gibt ja immer mehr Schubladen und Styles. Aber deswegen habe ich vielleicht überlebt.« Auch helfe es, dass sich in Osnabrück in den letzten zehn Jahren wieder eine recht lebhafte Indie- und Punkszene entwickelt hat, erzählt Bibi.

Und trotzdem: »Dass es so lange geht, hätte ich damals nicht gedacht. Eigentlich fühlte es sich schon in den 90ern nach Überlebenskampf an, einen Plattenladen zu betreiben. Seitdem habe ich viele gute Läden kommen und gehen sehen, und ich bin eben immer noch da.« Das liegt an einem treuen und älteren Publikum, aber auch am Nachwuchs, der sich hier vermehrt blicken lässt. Wer zum Beispiel an einem Samstag auf einen Kaffee und einen Plattenkauf vorbeischaut oder sich bei einem Konzert am Record Store Day noch in den pickepackevollen Laden schiebt, bekommt schon das Gefühl, dass zum Thema Musik eben doch noch nicht alles im Internet passiert.