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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Schnappschuss auf der Werkbank

Serie war gestern – so pimpt ihr Fotos heute

Na, heute schon gephotoshoppt? Nein? Dann vielleicht gegimpt, gescapet oder gepaintet! Die kostenlosen Photshop-Alternativen bieten alles, was der durchschnittliche Freizeitanwender braucht, und können sogar über weite Strecken mit ihrem prominenten Vorbild mithalten. Wir zeigen euch, wo eure Fotos am besten aufgehoben sind, bevor ihr sie auf die Reise durchs Web 2.0 schickt.
Geschrieben am
Photoshop ist unlängst zum Gattungsbegriff für Bildbearbeitungsprogramme schlechthin geworden. Egal ob Verona Pooth sich – sehr zur Aufregung der Boulevardpresse – die Taille etwas schlanker zaubert, die beste Freundin einen neuen Make-up-Look simulieren will oder die jüngste Schlüsselszene der Zeitgeschichte in ein kultiges Meme überführt werden soll: Wohin man blickt, wird »gephotoshoppt«. Und jeder weiß, was damit gemeint ist. Kein Wunder, schließlich ist das Erfolgsprodukt des US-Software-Riesen Adobe nicht nur ein absolutes Multitalent, sondern auch unangefochtener Marktführer auf seinem Gebiet. Dennoch stehen die Chancen nicht schlecht, dass hier und da doch eher »gegimpt« als »geshoppt« wurde. Die kostenfreien Photoshop-Alternativen können es nämlich in den meisten Disziplinen locker mit dem Platzhirsch aufnehmen – erst recht, was die Basics der Bildbearbeitung angeht. Ein kostenpflichtiges Abo des Originals ist also nicht zwingend notwendig.  

Unbegrenzte Möglichkeiten  

Zum Ziel führt das Spektakel natürlich trotzdem. Denn auch wenn Photoshop vor allem Grafikern, Designern und Fotografen ein unerlässliches Werkzeug ist – im Alltag leistet es vielen ebenso nützliche Dienste. Wer kennt das nicht: Man deckt den Pickel mit ein paar Pixeln ab oder schleust sich nachträglich in ein Gruppenfoto, man warpt aus Jux das Gesicht eines Freundes oder hübscht mal schnell die aktuellen Urlaubsfotos auf. Nur wird der durchschnittliche Privatanwender auf lediglich einen Bruchteil der unzähligen Funktionen des Programms zurückgreifen – und auch kein Interesse daran haben, tiefer ins Tätigkeitsfeld eines Grafikers einzusteigen. Genauso wenig, wie er für sporadisch genutzte Basisfunktionen unverhältnismäßig tief ins Portemonnaie greifen möchte. Und das müsste er durchaus, zumal es bei den aktuellen Photoshop-Versionen nicht mehr mit einem einmaligen CD-Kauf getan ist. Stattdessen erwirbt man – ähnlich wie bei den gängigen Office-Anwendungen – eine zeitlich begrenzte Anwendungslizenz.  

Wer privat in begrenztem Rahmen Bilder und Fotos bearbeitet – und dazu wird sich seit Anbeginn des Smartphone-Zeitalters nahezu jeder zählen müssen –, dem bietet Adobe die Möglichkeit, spezialisierte, teils abgespeckte Software-Pakete zu abonnieren. Der an Freizeit- wie Profifotografen gerichtete Einstiegspreis liegt bei knapp 12,00 Euro monatlich. Auch das dürfte für den überwiegenden Teil von Anwendern, der es eher auf die weiter oben angeführten Spielereien abgesehen hat, noch ein unverhältnismäßig hoher Preis sein – allen kuriosen Werkzeugen zum Trotz. Nicht auszuschließen zudem, dass der überversorgte User sich bei den vielen Anzeigen und Instrumenten im Cockpit kaum zurechtfindet.
 

Nichts zahlen, alles bekommen  

Für die allermeisten Vorhaben muss es aber gar nicht unbedingt Photoshop sein. Gerade im Bildbearbeitungsbereich stehen ambitionierte Alternativen zur Verfügung, die sich nicht hinter ihrem großen Vorbild zu verstecken brauchen – und auch ihrerseits noch deutlich mehr auf dem Kasten haben, als User wie ich und du ihm in ihren kühnsten Träumen abverlangen würden. Klar, man könnte jetzt die App-Stores nach zweckmäßigen Mini-Programmen durchforsten, die zu Kleckerpreisen zu haben sind, und hätte anschließend für jeden Einsatzbereich ein Tool in seinem Programmordner. Man kann aber auch einfach auf www.gimp.org gehen und sich dort den Streber Nummer eins im Freeware-Sektor herunterladen.  

Das GNU Image Manipulation Program, besser bekannt als GIMP, ist ein Open-Source-Programm und läuft – anders als Photoshop – nicht nur auf Windows und macOS, sondern auch auf Linux. Zugegeben: »Manipulation« ist ein wenig schmeichelhaftes Wort für das, was Fotografen tagtäglich mit ihren Bildern anstellen. Aber genau das ist es ja eigentlich: Wir pfuschen so lange an den Bildern herum, bis sie so aussehen, wie wir sie gern in Erinnerung behalten hätten, wäre die Kamera nicht dabei gewesen. 1998 vorgestellt, hat GIMP sich nicht nur unter Gelegenheitsgrafikern als Geheimtipp herumgesprochen. Die Fülle an Funktionen lässt kaum Zweifel daran, dass sich mit dieser kostenlosen Alternative Eindrucksvolles bewerkstelligen lässt, sobald man sich ein wenig eingearbeitet hat. Die verschiedenen Auswahlwerkzeuge erfüllen jeden noch so individuellen Bearbeiterwunsch. Auswählen kann man mit einer Art schlingenartigen Tool nach Silhouette, nach Farbe und Form und ganz intelligent nach zusammenhängenden Farbbereichen, die das Programm selbständig erkennt. Alles Weitere ist eine Frage der Balance.


Brüder im Geiste  

Doch es gibt einen kleinen Haken an der Sache: Aufgrund des auch innerhalb einzelner Prozesse schier erschlagenden Repertoires erfordern die meisten Arbeitsschritte nicht nur Systemverständnis und Fingerspitzengefühl, sondern auch einen gewissen Grad an Routine, bevor das Fenster mit dem Tutorial endgültig geschlossen werden kann. Das kostet Zeit. GIMP-Kritiker schauen dem geschenkten Gaul außerdem gern und häufig ins Maul und bemängeln regelmäßig die wenig handliche Steuerung und Menüführung des Gratis-Kandidaten. Wer auf das Ambiente des einzig wahren Photoshop nicht verzichten möchte, steckt sein GIMP einfach ins täuschend echte Photoshop-Kostüm – ein spezielles, akkurat angepasstes Themepack macht's möglich. Teil des Themepacks ist auch eine Modifikation, die die aus Photoshop bekannten Tastaturkürzel implementiert. Außerdem können  Werkzeugleisten jetzt an das Hauptfenster andocken, schweben also nicht mehr im Weg umher und können auch weniger leicht in den Tiefen des Fensterstapels verlorengehen.  

Wer ohnehin nur auf die allergängigsten Handgriffe angewiesen ist und vornehmlich seine Fotos herausputzen möchte, dem bietet das ebenfalls kostenfrei erhältliche PhotoScape alles Nötige. Das Grafikprogramm des koreanischen Entwicklers
MOOII Tech konzentriert sich in vergleichsweise reduzierter Menü-Umgebung auf die grundlegenden Erfordernisse der digitalen Fotografie. Es vereint die grundlegenden Funktionen Photoshops mit einer übersichtlichen Bedienoberfläche und benötigt entsprechend wenig Warmlaufzeit. Zuschneiden, Filtern, Retuschieren, Konvertieren – für die alltägliche Bildbearbeitung ist hier alles dabei. Schließlich geht es uns in den meisten Fällen um Handy-Schnappschüsse – und da ist ein zügiges, unkompliziertes Bearbeiten Trumpf.
 

Plugins, Tools und Fails  

Etwas mehr kreativen Spielraum bietet Paint.NET, das die Washington State University in Kooperation mit Microsoft entwickelt hat. Ursprünglich als Gratis-Alternative für MS Paint angedacht, hat sich das Programm zum kleinen Multitalent mit ein paar ansehnlichen Profi-Tools gemausert. Eine einfache Bedienung und das Arbeiten auf mehreren Bildebenen ist hier genauso selbstverständlich wie ein breit aufgestelltes Angebot an Plugins, mit denen sich das Programm vom Benutzer selbst auf die eigenen Bedien- und Verwendungsansprüche zuschneiden lässt.  

Übrigens: So entgegenkommend der Funktionsumfang dieser Programme auch sein mag – alle Arbeit nehmen sie einem nicht ab. Vom logischen Denken ganz zu schweigen. Gut so, finden wir. Denn bei vollem Autopiloten wären wohl kaum die unzähligen fantastisch absurden Photoshop-Fails entstanden, die die Netzgemeinde mit anhaltender Begeisterung zusammenträgt und verbreitet. Hier erfahrt ihr, wer sich vorher besser ein YouTube-Tutorial angesehen oder zumindest ein kleines bisschen mehr Geduld mitgebracht hätte.
 

All jenen, die in Sachen Bildbearbeitung schon lange den Computer hinter sich gelassen haben, sei gesagt: Da geht noch was! Obwohl unsere Smartphone-Apps ständig im Funktionsumfang zulegen und allein die Effekte voreingestellter Filter eine Menge hermachen können, lohnt sich nach wie vor der Umweg über ein stationäres Bildbearbeitungsprogramm – allein schon der präziseren Handhabung und der konkurrenzlosen Vielzahl der Werkzeuge wegen. Nicht zuletzt entwickelt der User vor dem Monitor mit vollwertiger Software auch ein Auge für maßgebliche Einstellungen und die farbliche Sensibilität eines Bildes. Das hilft besonders Instagram-Usern, die für das doch stark vereinfachte Feintuning innerhalb von Apps ihren Finger hinhalten und dabei Gefühl wie auch Geduld unter Beweis stellen müssen.
 

Getrickst wird später  

Bevor ihr den passenden Verbündeten für die Endrunde auswählt, bleibt ihr am besten schon beim Shooten mit eurem Smartphone auf Erfolgskurs. Ganz egal, welches Programm später herhalten soll: Befolgt ihr sechs einfache Regeln, wird euch auch die Nachbearbeitung nicht mehr allzu viel Zeit und Nerven kosten.  

01 Haltet euer Handy möglichst mit beiden Händen fest. Das stabilsiert, beschleunigt den Auto-Fokus und beugt Verwackelungen vor.   

02 
Falls das Motiv selbst in Bewegung ist: Bewegt das Smartphone mit! Die Chance auf ein gutes Foto steigt immens.  

03
 Macht sicherheitshalber mehrere Fotos hintereinander – besonders, wenn es um Gesichter geht. Sonst ist das Motiv höchstpersönlich sauer auf euch. Und ihr habt es vergeigt.
 

04 Achtet auf das Licht – und überlegt, wie lichtempfindlich die Aufnahme sein soll. Ein Tippen auf dunkle/helle Bereiche des Ausschnitts vorm Abdrücken gibt Aufschluss.
 

05 Holt euch ein Smartphone-Stativ, die gibt's in günstig und biegsam – und ihr kommt gar nicht erst in Versuchung, auf Regalen und Buchrücken und Fahrradsätteln zu experimentieren. Denn was schiefgehen kann, wird schiefgehen.
 

06 Macht eure Bilder grundsätzlich mit der Standard-Kamera-App eures Smartphones. So reizt ihr das Potential eurer Kamera voll aus und bekommt das bestmögliche Original für die weitere Bearbeitung.