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»Schade, dass Sie für den Stürmer nicht mehr arbeiten können«

Wie ich zur Zielscheibe der Antifeministen wurde

Im Netz wütet ein kleiner Kreis von Männern gegen Feminismus und Frauenrechte. Ihr digitaler Zorn trifft jeden, der ihr krudes Weltbild kritisiert. So auch mich.
Geschrieben am
Eigentlich habe ich nur einen Radiobeitrag über Männerrechtler und Antifeministen gemacht. Trotzdem sollte schon wenig später die Hölle los sein. Aber der Reihe nach. Mir war aufgefallen, dass es im Netz ein paar Männer gibt, die meinen, sie würden von Frauen im großen Stil unterdrückt werden und das könne ja, ihrer Meinung nach, nicht angehen. Ich habe das Thema der der Redaktion vorgeschlagen, für die ich hin und wieder Beiträge über Netz-Themen mache. Die Redaktion fand das spannend, also habe ich ein paar Tage lang Blogs und Foren von Männerrechtlern, aber auch Texte über diese kleine Internet-Gemeinde gelesen. In den knapp vier Minuten, die der fertige Beitrag dauert, ging es um Antifeministen, Männeraktivisten und -Rechtler. Diese beschimpfen gerne Leute, die sich für Gleichberechtigung von Frauen und den Feminismus einsetzen. Oder sie denken sich Verschörungstheorien aus, wie etwa die, dass Feministen selbst den Pay Gap erfunden haben.

Kurz nach der Ausstrahlung im Radio wehte dann schon der Shitstorm heran. In Foren wie »Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?« oder auf Blogs, die sich z.B. »Männerstreik« oder »Maskulinistblog« nennen, diskutierten einige Männer darüber, wie sehr ich ihnen Unrecht getan habe. Der Interviewpartner und Männeraktivist Detlef Bräunig unterstellt mir, ich sei ein Vollpfosten. Mein Telefoninterview mit ihm hatte er heimlich mitgefilmt, es auf YouTube gestellt und sich damit gebrüstet. Er habe damit die Wahrheit über die Journalisten in Deutschland aufgedeckt, behauptete er.

Im Nachhinein beschwert er sich, ich hätte seinen Worten in meinem Beitrag Gewalt angetan. Warum und wo genau, sagt er nicht. Wahrscheinlich will er nicht mit Verschwörungstheoretikern in einem Atemzug genannt werden. Gleichzeitig vermutet er hinter dem öffentlich-rechtlichen Radio die Meister der Zensur, denn YouTube hatte seinen unerlaubten Mitschnitt des Interviews auf meine Beschwerde hin gesperrt, denn Detlef Bräunig hatte den Mitschnitt veröffentlicht ohne mich zu fragen. Und das verstößt gegen mein Recht am gesprochenen Wort. Von Zensur keine Spur!

Der gut vernetzte Kreis von angeblich unterdrückten Männern wurde auf jeden Fall tagelang nicht müde, vor allem auf Twitter große Worte in den Mund zu nehmen. Die Herren reden von Zensur, Lügenpresse und werfen mir vor, ich arbeite mit den Methoden von NS-Propaganda-Chef Goebbels. Dessen bester Schüler wäre ich wohl gewesen, schreibt mir ein gewisser Werner in einer persönlichen Email. »Schade, dass Sie für den Stürmer nicht mehr arbeiten können. Das Talent dazu haben Sie, das haben Sie ja nun bewiesen.«


Wo wir schon bei den Rechten sind: Im Beitrag hatte ich eine Studie zitiert, die aufzeigt, dass manche Männerrechtler und Antifeministen mit rechten Thesen liebäugeln. Welches Gegenargument brachten die Schreihälse vor? Sie beschimpften den Forscher gleich mit und sprachen ihm seine Wissenschaftlichkeit ab. So einfach ist das! Nach einer Woche flaute der Shitstorm zu einem lauen Lüftchen ab.


Alles in allem fällt auf: Kaum jemand, der mich für meinen Beitrag kritisiert hat, wollte oder konnte aufzeigen, wo ich angeblich Fehler gemacht habe. Stattdessen haben die Herren versucht sich gegenseitig in Beschimpfungen zu übertreffen und bauten mir einen Pranger für ihren Dorfplatz. Es geht ihnen nicht um Argumente. Es geht eigentlich nicht einmal um meinen Beitrag. Die Männerrechtler und Antifeministen oder wie auch immer sich diese Männer im Netz nennen, wollen jeden, der nicht ihre seltsamen Thesen teilt, online mit Hass und Spott überziehen. Das wertet ihr Ego ungemein auf und dafür klopfen sie sich gegenseitig auf die Schulter. Auch an diesem Artikel, werden sie sich ein paar Tage abarbeiten, bis sie einen neuen Sündenbock gefunden haben, den sie durch ihre Blogs und Foren treiben können. Viel Spaß, meine Herren!