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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Reportage: Ein Besuch bei der UFO-Meldestelle

E.T. gibt nicht auf

Werner Walter, Chef der Organisation CENAP, betreibt seit 35 Jahren eine UFO-Hotline in Mannheim. In dieser Zeit machte er zusammen mit seinen Kollegen mehrere Tausend UFOs zu IFOs - zu identifizierten Flugobjekten. Zu unserem 25. Geburtstag nehmen wir euch noch mal mit zum Besuch bei einem Besessenen.

Geschrieben am

Jupiter war im alten Rom der Gott des lichten Himmels. Für uns heute ist er der hellste Planet unseres Sonnensystems. Auf seiner elliptischen Bahn benötigt er für eine Umrundung der Sonne fast zwölf Erdenjahre.

Es ist nicht irgendeine Stimme, die an diesem Mittwochabend zu uns spricht. Der Erzähler im 180-Grad-Kino des Planetariums Mannheim, der 90 Minuten über das All und seine Planeten referiert, ist die deutsche Stimme von Harrison Ford. Und damit natürlich kein Geringerer als Han Solo - der Kapitän des rasenden Falken. Überhaupt: Schon der Vorführ-Raum sieht aus wie das Cockpit jenes legendären Sternenschiffs. Verchromt, futuristisch, irgendwie aufregend. Mittlerweile haben sich Stimme und Geschichte eingegroovt. Es geht um die Verdienste der Raumfahrt - und sofort sieht alles nach Retro aus. Schluss mit Zukunft. Kein Wunder, war der größte Coup von Menschen in Raketen letztlich immer noch die Mondlandung. Und die liegt über 40 Jahre zurück. Danach kamen nur noch B-Seiten und Katastrophen. Entsprechend tapfer versucht Han Solo das Auslaufmodell Weltall ins Jetzt zu reden. Es klappt nicht wirklich. Außer uns will die Beteuerungen ohnehin kaum jemand hören: Das Planetarium auf einer riesigen Verkehrsinsel in einer Ausfallstraße Mannheims ist spärlich besucht. Ein Paar Dutzend Interessierte verteilen sich auf die 280 Plätze unter der 20 Meter großen Projektionskuppel. Hauptsächlich Rentner. Aber ... war die Mondlandung nicht ohnehin ein Schwindel?

»Der Astronaut Buzz Aldrin hat einmal das einzig Richtige gemacht, als ihm einer blöd kam und behauptete, er sei doch gar nicht auf dem Mond gewesen. Er hat dem Typen einfach in John-Wayne-Manier eins auf die Schnauze gehauen.« 

So markig wird am nächsten Tag der UFO-Forscher Werner Walter, mit dem wir verabredet sind, den vermeintlichen Mondlandungsbetrug zusammenfassen. Doch davon ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Vielmehr sind wir misstrauisch: UFOs und eine seit 35 Jahren betriebene UFO-Meldestelle mitten in Mannheim? Sie sind längst unter uns? Ja, ja. Und warum kennt man die Untertassen dann trotzdem nur von verwackelten Schwarz-Weiß-Bildern, die eher auf die Steinzeit von Photoshop als auf außerirdischen Betrieb über unseren Dächern verweisen?

Wir verlassen das Planetarium, gehen hinaus in die dunkle Nacht. Hinterm Planetarium schlagen wir uns auf eine abgelegene Wiese mit ein paar Bäumen durch. Per mitgebrachter Kamera, Alufolie, einem Frisbee, einer CD und mehreren Leucht-LEDs stellen wir bei Eiseskälte Fotos nach, die von einer Invasion aus dem All künden sollen. Immerhin verlangt es unsere gute Erziehung, beim Besuch einer UFO-Meldestelle auch was zum Melden mitzubringen. Nach 30 Minuten ist alles im Kasten.


Sci-Fi in Ba-Wü

Donnerstagmorgen. Die Mannheimer UFO-Meldestelle befindet sich nicht gerade zentral, wie wir feststellen müssen. Wir fahren raus nach Mannheim-Vogelstang, ein in den 60ern entstandener Stadtteil, gebaut, als dringend Wohnraum benötigt wurde. Eine am Reißbrett entstandene Siedlung von Hochhäusern und Bungalows, das Brasilia Mannheims. Irgendwann finden wir die notierte Adresse und klingeln. Werner Walter öffnet.

Er ist eine eindrucksvolle Erscheinung. Eine Mischung aus dem Duke von »Big Lebowski« und dem Comicbook-Guy der Simpsons. Der stattliche Bauch des 53-Jährigen presst gegen ein "Independence Day"-Shirt. Die Meldestelle, das ist längst klar, befindet sich in einer ganz normalen Mietswohnung. »Normal«? Na ja.

Die Schrankwand im Wohnzimmer, in das wir geführt werden, quillt über von UFO-Büchern, auf dem Couchtisch liegt eine alte Bild-Zeitung, die mit »Hitler ließ heimlich UFOs bauen« aufmacht, es riecht wie in einer Turnumkleide. UFO-Experte Walter, der selbst unter Flugangst leidet, bietet uns einen Platz an. Wir befinden uns jetzt im pulsierenden Zentrum der CENAP. Dem Zentralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene. Gleichzeitig sitzen wir in einem karg eingerichteten Wohnzimmer.

»Astronomie ist ziemlich langweilig«

Werner Walter freut sich über unser Kommen, er scheint ohnehin viel Zeit zu haben. Und, das wird schnell klar, er hat auch viel zu sagen – in breitestem Mannheimerisch. Unsere UFO-Fotos zeigen wir ihm gleich zu Beginn. Garniert mit schlecht gespielter Augenzeugen-Panik – unsere Geschichte soll möglichst wasserdicht wirken. Walter reicht jeweils ein kurzer Blick aufs Display der Digital-Kamera: Die Fotos lassen ihn spürbar kalt. Der ehemalige Kaufhof-Mitarbeiter macht in seiner Freizeit seit fast 35 Jahren nichts anderes, als Fotomontagen, Videos und Augenzeugenberichte zu analysieren und nicht selten als gut gemachte Fälschungen zu entlarven. Die hier scheinen sehr, sehr schlecht zu sein.

Der Chef und einstige Initiator der CENAP kam durch bloße Zufälle zu seinem Ruf als gefragtester UFO-Skeptiker Deutschlands. Es begann harmlos: Dem jungen Perry-Rhodan-Fan wurde Ende der 1960er von seinem Lehrer ein altes Teleskop geschenkt, daraufhin baute er ein Schulobservatorium auf. Später half er in der alten Sternwarte in Mannheim mit. Aber bloße Astronomie reizte ihn schon bald nicht mehr. »Ahjo, man schaut sich den Mond dreimal an und kennt dann jeden Krater. Bei anderen Sternen ist das genauso – es passiert ja fast nichts Dynamisches im All«, findet er. Und da Werner Walter kernige, kontroverse Aussagen liebt, fügt er schnell hinzu: »Ich bewundere Leute, die im Fernsehen so tun, als sei das interessant. Ist es nämlich nicht.«

Deutschland: ein Pulverfass namens UFO

Werner Walter war mit seiner Langeweile Mitte der 1970er-Jahre genau am richtigen Ort. In Deutschland grassierte das durch die Bild-Zeitung unablässig angefeuerte UFO-Fieber - ein Importschlager. Vom Marketing her, wie Walter es nennt, komme die UFO-Idee nämlich aus den USA, »wie Coca-Cola oder Superman«. Erst mit dem Kalten Krieg seien Außerirdische in fliegenden Untertassen dort Thema geworden, zuvor hätte es entsprechende Sichtungen praktisch nicht gegeben.

Im vom Krieg zerstörten Deutschland hatte das UFO hingegen erst ab den 60er-Jahren eine Chance. Allerdings bildete sich hier umso schneller ein Nährboden dafür. Auch, weil viele etablierte Astronomen das Thema nicht mal mit der Kneifzange anfassen wollten. Viele UFO-Interessierte oder gar Augenzeugen von rätselhaften Himmelsphänomenen wurden von den Wissenschaftlern abgewimmelt. Auf zunächst konspirativ wirkenden Treffen in Hotelhinterzimmern, später auf öffentlichen Astromessen, auf denen auch ein Schweizer namens Erich von Däniken häufig zu finden war, traf sich so in den 70ern eine wirre Mischung aus (Hobby-) Astronomen und Spinnern, die das Interesse an UFOs verband.

Es war die Zeit der Post-Hippies und der ersten Atomkraftgegner. Und Werner Walter mit seinen Freunden mittendrin. Sie bemerkten aber schnell, dass ihr rational orientierter astronomischer Ansatz nicht nur gut ankam. Ihre im März 1976 gegründete Vereinigung CENAP, der zu Spitzenzeiten 35 freie Mitarbeiter, darunter viele Laien, angehörten, eckte an: »Wir waren von Anfang an ein rotes Tuch in dieser Mischmasch-Szene aus Esoterikern, Wundergläubigen und Ufologen.«

Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Todesdrohungen wie von einem anderen Stern

Die CENAP begann nach ihrer Gründung unter Walters Führung damit, frühere UFO-Phänomene und entsprechende Fotos zu analysieren. Bald rückten die deutschen Sichtungen in den Mittelpunkt - meist, indem Zeitungsberichte geprüft und die dort namentlich genannten Zeugen noch einmal selbst befragt wurden. Ansatz war, die Parameter des gesichteten Phänomens genauestens zu prüfen. Möglichst präzise zu klären, wann etwas wo, wie, auf welcher Höhe und welcher Himmelsrichtung gesehen wurde.

Die allermeisten Sichtungen in der Geschichte der CENAP konnten so rational erklärt werden - als Wetterballon, ISS-Raumstation, Sternschnuppe, Meteorit, Psychose und so weiter. Ganz zum Ärger manches Augenzeugen oder Ufologen, von denen viele weitaus weniger skeptisch sind als Walter, was Besuche von Außerirdischen auf Mutter Erde anbelangt. Oder schlicht verrückter. Daher konnten sie ihn, den Spielverderber, nicht ab. Gerade, wenn er mal wieder mit einer logischen Erklärung recht hatte.»Todesdrohungen gab es oft«, winkt er ab. Er habe sich aber über die Jahre ein dickes Fell wachsen lassen. »Sieht man ja«, grinst er und schaut an sich herunter. So locker nimmt das nicht jeder bei der CENAP: Ein Kollege von Walter, der bis vor Kurzem einen Blog führte, hat seine Mitgliedschaft wegen Morddrohungen per Internet und Post aufgegeben.

Walters UFO-Skepsis, die er so selbstbewusst nach außen trägt, hat ihre Gründe: Vieles passt einfach nicht zusammen. Es gibt Millionen verwackelte UFO-Fotos aus großer Distanz. Aber kaum eines scharf und aus der Nähe, das nicht sofort als bloße Fälschung entlarvt werden kann. Von Begegnungen der dritten Art ganz zu schweigen. Außerdem scheinen UFO-Sichtungen in starker Abhängigkeit von kulturellen Zusammenhängen zu stehen. Es müsse, Zitat, »einen Aufgeiler« geben in den Medien. Dann stiegen die Sichtungen massiv an. Auch ihre Erscheinungsform passe sich dem medialen Vorbild an.

Vor dem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass Himmelsobjekte bei Nacht fast immer nur als UFOs gedeutet werden, wenn sie geräuschlos sind. Sobald man Motorenlärm höre, so Walter, glaube niemand mehr an ein UFO. »Der zentrale Gedanke ist: Wenn wir mit einer Cola-Büchse auf den Mond fliegen können, dann können andere, die vielleicht schon 20.000 Jahre länger Steuergelder auf ihrem Planeten bezahlen, vielleicht eine bessere Technologie entwickelt haben und zu uns kommen.« Aus UFO-Sichtungen, das begreifen wir langsam, spricht etwas zutiefst Romantisches, Sehnsüchtiges zu uns Menschen.

Telefonieren nach Hause

Endlich führt uns Werner Walter ins Nebenzimmer zum Herzstück der CENAP - dem Telefon, bei dem die UFO-Hotline endet. In dem Raum, der aussieht wie ein Kinderzimmer mit Postern von Sci-Fi-Filmen und Außerirdischen an der Wand, stehen außer dem Telefon auch Dutzende von Aktenordnern, in denen die Sichtungsfälle lagern. Jeder Ordner hat einen andersfarbigen Rücken – die »Lustiges Taschenbuch« –Ästhetik passt zum fantastisch aufgeladenen Inhalt vieler Ordner.

Das Telefon war seinerzeit um 1990 herum nötig geworden, da aus Gründen von Persönlichkeitsrechten in den Zeitungen nicht mehr die vollen Namen der UFO-Zeugen abgedruckt werden durften. Die Idee - so einfach wie genial: CENAP müsste sich nicht mehr umständlich an die Betroffenen wenden, umgekehrt und einfach sollte es ab jetzt laufen.

Was muss das Telefon, bei dem es sich eigentlich um ein Fax-Gerät mit Telefonfunktion handelt, in all der Zeit gehört haben? Den Legendenstatus nimmt man ihm jedenfalls sofort ab. Es sieht wahnsinnig klebrig und gelbstichig aus. 701370 ist seine Nummer. »Es musste was sein, das leicht zu merken war. Und da habe ich – damals noch von der Post – die bekommen. Gehörte vorher einem Arzt, der gerade verstorben war. Daher bekam ich zuerst zusätzlich auch immer noch dessen Anrufe.«

Schnell hatte sich seine UFO-Nummer auch zu den zentralen astronomischen Stellen in Deutschland herumgesprochen, die immer wieder mit UFO-Sichtungen behelligt wurden - »da gab's dann kein Halten mehr!«

Greifswald 1990 - das deutsche Roswell

Walter denkt ohnehin gerne an den Beginn der 1990er zurück. Damals erlebte Deutschland seinen größten UFO-Fall überhaupt: In den Abendstunden des 24. August 1990 wurden an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, direkt gegenüber von Rügen, zwei Schwader von Lichtobjekten beobachtet, die langsam auf die Ostsee sanken. Das Besondere: Die seltsame Erscheinung wurde von Hunderten Menschen gesehen, von Dutzenden gefilmt. »Das war in dieser Quantität noch nie da«, erinnert sich Walter. Greifswald wurde das deutsche »Roswell« - und zu Walters Lebensmittelpunkt für vier volle Jahre.

Fasziniert vom Vorfall, fing Werner Walter an, Zeugen zu recherchieren. Getreu dem wichtigsten UFO-Forscher-Motto: »Finde den, der am nächsten dran war - er weiß, was es war.« Das gestaltete sich in der gerade angebrochenen Nachwendezeit als schwierig. Die alte DDR-Infrastruktur war längst zusammengebrochen, die Kommunikationswege in den Osten befanden sich im Wandel. Es herrschte »in technischer Hinsicht Steinzeit«. Die alten Telefonnummern von Behörden vor Ort funktionierten nicht mehr, also schrieb Walter an die 150 Briefe - viele kamen zurück. Den Augenzeugen Nummer eins fand er trotzdem nicht. Dennoch: »Es war spannend. Mir ist das Adrenalin vier Jahre lang im Leib gekocht - bis ich die Lösung fand.«

1994 ging er den Weg über die Medien, war Gast in einer NDR-Sendung und bat live im deutschen Fernsehen um Augenzeugen-Hilfe. Noch in der Sendung meldete sich Zeuge Nummer eins - ein Lehrer und ehemaliger Marine-Angehöriger. Am besagten Abend war er mit Frau und Jolle über die Ostsee geschippert und hatte beobachtet, wie die Russen das letzte Seemanöver der Warschauer-Pakt-Staaten durchführten. Dabei verschoss die Marine, im Angesicht einer ungewissen Zukunft, Großteile der Munition. Auch Signal Flares - leuchtende Täuschkörper für Infrarot-Waffen, die ausgeschickt werden und vom eigentlichen Ziel ablenken sollen.

Walter wirkt heute noch glücklich und traurig zugleich: »Greifswald war mein großer Hit. Und wie so oft hatte auch der Fall eine ganz einfache Lösung. Das hat mir das Herz gebrochen.«

VfB Stuttgart und der Staatsfeind Nummer eins

Um die Jahrtausendwende ging es dann spürbar bergab. »Akte X«, jener große »Aufgeiler« der 90er, der für einen UFO-Boom gesorgt hatte, dankte langsam ab, und auch das Mystische der Jahrtausendwende-Angst erlosch, nachdem jeglicher Millenniumscrash ausgeblieben war. Das Telefon blieb immer häufiger stumm. Walter dachte 2005 langsam ans Aufhören - bis das UFO eines Abends zu ihm kam: »Ich dachte, ich spinne. Da baute sich im Himmel über dem Nachbarhaus wie eine Art Garagentor von unten nach oben eine Flotte, ein Geschwader aus 40 Lichtern auf. 40! Da ist mir die Zigarette aus dem Mund gefallen, ich war fertig mit der Welt.«

Filmreife Pointe: Die sofort alarmierte Polizei konnte dem Bürger Walter nicht helfen, empfahl ihm aber den Anruf beim UFO-Telefon. Noch beim Verlesen der UFO-Hotline-Nummer stutzte der Beamte - wurde er nicht von genau dieser Nummer gerade angerufen?

Werner Walter zeigt uns auf dem Balkon, wo er die Lichter an diesem Samstagabend im Jahr 2007 während einer Rauchpause vom Pink-Floyd-Konzert auf 3sat gesehen hatte. Er wirkt noch immer aufgewühlt, auch, weil er die banale Lösung seiner UFO-Sichtung seit diesem Tag öfter zu Gesicht bekommen musste, als ihm lieb ist. Es handelt sich um sogenannte Himmelslaternen. Papierlampen, die gerne bei Hochzeiten aufgelassen werden und schummrig leuchten.

Damals waren sie neu, seitdem sind sie, obwohl mittlerweile verboten, Ursache für zahllose nächtliche Anrufe bei der CENAP. »Allein 2007 gab es deswegen 600 Meldungen aus dem ganzen Land. Ost, West, Süd, Nord. Ein Albtraum.« Ein Jahr danach gar 1600. Zum Vergleich: In den ersten 30 Jahren bis 2005 kam man auf insgesamt 1400 UFO-Meldungen.

Als der VfB Stuttgart im Mai 2007 Meister wurde, ließen alle Fanclubs Baden-Württembergs Himmelslaternen in den Vereinsfarben aufsteigen - das UFO-Telefon glühte. »Immer, wenn es danach freitagabends in den Nachrichten hieß, es würde am Wochenende gutes Grillwetter geben, habe ich schon wütend das Telefon ausgehängt.«

Das Ende

Werner Walter denkt seitdem wieder viel ans Aufhören – es käme ja in der CENAP auch niemand Junges nach, und das UFO-Thema sei langsam einfach "durch". Sein aufklärerischer Ansatz somit vielleicht obsolet. Auch von den jetzt kolportierten geheimen WikiLeaks-Unterlagen zu UFOs erhoffe er sich keine Sensationen wie manche Ufologen. UFOs scheinen eine seltsame Hassliebe für ihn geworden zu sein. Außerdem wartet der nächste Endgegner bereits am Himmel: ferngesteuerte Lenkdrachen mit bunten LED-Lichtchen.

Die ersten Anrufe deswegen gab es schon.

In die triste Stimmung hinein klingelt es plötzlich. Leider aber nur die Tür, das Telefon bleibt indes weiter stumm. Hansjürgen Köhler, CENAP-Kollege der Stunde null, kommt. Heute Morgen hielt er einen Vortrag für Kinder an einer Grundschule. Zum Thema UFOs, was auch sonst? Er wirkt noch ganz beseelt. Schwenkt die gemalten Untertassen-Bildchen der Kinder. Vaterstolz überkommt ihn. Hier, bei den Kleinen, müsse man ansetzen. Walter nickt. Die könne man noch bilden! Und wie toll die alle gezeichnet hätten! Walter nickt weiter.

Für einen Moment ist alle Resignation und die Wut auf die verdammten Himmelslaternen verflogen. Für einen Moment gewinnt CENAP wieder die Kontrolle über Himmelssichtungen, und alle, alle machen mit, von Kindesbeinen an. Dann aber ist der Moment schon wieder vorbei. Eigentlich schade.

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