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Kündigung mit Attitüde

Offener Brief an Akif Pirinçci

In einem offenen Brief hat der Webmaster von Akif Pirinçcis Blog seinem Auftraggeber wegen dessen rassistischer Hetze gekündigt. Wir haben bei Webmaster Torsten nachgefragt.
Geschrieben am
Am Montag hielt der Autor Akif Pirinçci (von »Felidae« bis »Die große Verschwulung«) im Rahmen der Pegida-Demo in Dresden eine hasserfüllte, rassistisch aufgeladene Rede. Einen Tag später musste er sich einen neuen Webmaster für sein Blog suchen. »Ich schäme mich für mich. Dafür, dir bei der Errichtung deiner Plattform zur Verbreitung deines Unsinns behilflich gewesen zu sein«, kommentierte Pirinçcis Admin in einem offenen Brief, den er direkt im Blog veröffentlichte. Hier ein Screenshot.  

Wie kam der Auftrag für Herrn Pirinçci zustande?

Ganz banal. Er fand mich über Google und hat mich angerufen. Dann haben wir uns getroffen, sind Essen gegangen und er erzählte mir, dass er einen Blog benötige, da er durch seine Einlassungen bei Facebook immer wieder gesperrt würde.  

Du sprichst davon, dass du dich nicht nur fremd schämst, sondern auch persönlich, weil du mitgearbeitet hast. Hast du ihn anfangs falsch eingeschätzt?

Zum Teil, ja. Zunächst fand ich ihn tatsächlich erfrischend anders in unserer Medienlandschaft. Da nahm ich ihm auch noch ab, dass er nur überspitzt provozieren will. Ich hatte mich ja schon lange mit ihm und seinen Verlegern beschäftigt und war neugierig auf das, was da kommen mag.  

Was gab den Ausschlag für dich, deine Kündigung in einem offenen Brief zu kommunizieren?

Ich hatte schon länger etwas geplant. Akifs rassistische Auswürfe wurden zusehends schlimmer und auch nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass fast ausschließlich Besucher von neurechten Seiten - und wir sprechen von bis zu 10.000 Besuchern täglich - auf seinen Blog kommen, zeigte er sich mir gegenüber erstaunt. Und zündelte danach noch eifriger. Er ist ein waschechter Rassist und Fremdenhasser, der mit seinem Jargon ein Klima der Gewalt schafft und auch nur aus diesem Grund als Redner zu Pegida eingeladen wurde. Und nach seiner Rede wusste ich, dass jetzt die Zeit zum Handeln für mich gekommen ist.  

In deinem offenen Brief sprichst du auch den Verleger Thomas Hoof an und nennst ihn einen »selbsternannten Mahner und Aufpasser des neorechten Spektrums«. Welche Rolle spielt er?
Thomas Hoof ist ein neurechter Verleger und Autor, der seine heile Welt durch Schwule, Zuwanderer und zu selbstbewusste Frauen bedroht sieht. Mit seinem Verlag Manuscriptum bietet er den rechten Vordenkern ein Forum und eröffnet so eine, im biederen Mantel erscheinende, Front gegen den »Mainstream«. Sein publizistischer Partner André F. Lichtschlag, der nach eigenen Aussagen der demokratischen Staatsform skeptisch bis feindlich gegenüber steht, ist auch Herausgeber des Magazins »eigentümlich frei« und strebt ein Bündnis radikal libertärer und nationalkonservativer Kräfte an. Sie sind die Brandstifter in diesem Land, die die geistige Vorarbeit für Pegida und AfD leisten und das Land spalten.  

Wie waren die Reaktionen? Hast du viele Zuschriften bei Facebook bekommen?

Ich habe reichlich Zuspruch erhalten, ja. In den Kommentaren im Netz komme ich nicht so gut weg. Viele sehen mich als Nestbeschmutzer oder Verräter. Die wissen halt auch nicht, dass ich im linken Spektrum verortet bin und mich unter anderem für die Flüchtlingsarbeit in Bonn einsetze. Vielleicht hätte Akif einfach mal recherchieren sollen, bevor er mich mit der Betreuung seines Blogs beauftragte.  

Gab es eine Reaktion von Herrn Pirinçci?

Ja. er rief mich Dienstagabend an und jammerte, er sei Satiriker, und was er mache, sei Satire. Ich antwortete ihm, dass er das nicht sei. Er sei einfach nur ein williges Werkzeug und geistiger Brandstifter. Dann schrie er etwas von verklagen und dann legte er auf.  

Musst du jetzt rechtliche Schritte befürchten?

Nein, ich habe keine Verträge mit Akif, die mir nicht gestatten würden, auch auf seinem Blog einen Artikel zu schreiben. Ich hatte ja schließlich auch mehr Rechte dort als er. Ich war Admin und er nur Redakteur. Ich war sozusagen Gott auf seinem Blog.