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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kratzen & Beissen: Die monatliche Hass-Kolumne

Lena Ackermann gegen Hobbys

Als man das Alter der Freundschaftsbücher und Poesiealben hinter sich gelassen hatte, dachte man, den Mist mit den Hobby-Angaben endlich los zu sein. Aber dann traten Myspace, StudiVZ, Facebook, Tinder und wie sie alle heißen auf den Plan und schrien: »Nenn uns deine Hobbys! Mach dich mit ihnen interessant(er)!« Lena Ackermann hat keinen Bock auf Hobbys. Hatte sie noch nie.
Geschrieben am
Wenn ihr glaubt, ich hätte keine Hobbys, liegt ihr damit verdammt richtig. Aber wenn ihr glaubt, ich interessiere mich für die euren, seid ihr falsch gewickelt! Hobbys, my ass! Bitte abschaffen, sofort! Nicht nur die Bezeichnung, auch alle Beschäftigungen, die in diese Kategorie fallen, klingen ähnlich dämlich wie die deutsche Übersetzung für Stormtrooper. Ich meine, ehrlich jetzt: DIY-Pressspanlackierer, Kratzbild-Künstler, Aus-Müllresten-tolle-Skulpturen-Bauer? Seitdem es Social Media gibt, wird man wieder nach Hobbys gefragt.

Die Frage ist bloß: Warum? Hobbys sind die Spirellis unter den Nudeln, die panierten Fleischwurstscheiben unter den Zigeunerschnitzeln, der Asbest des Lebens, die absolute Spießigkeit. Schon in der Schule ging die Hobby-Nerverei los. Damals galt die Losung: Wird man nach der Horrorkategorie gefragt, gibt man am besten einfach das an, was sich der Vordermann mühsam aus den Fingern gesogen hat. Malen, lesen, schwimmen. Schnarch.

Raketenforscher, Fährtenleser, Streuobstwiesendekorateur oder Tierstimmenimitator als Freizeitbeschäftigung anzugeben klingt erst mal gut, ist aber nur in den seltensten Fällen wirklich haltbar. Denn eine Beschäftigung zählt vor dem Hobby-Gericht erst dann, wenn man ihr a) schon mehrmals nachgegangen ist und b) noch mehrmals nachgehen wird. Anerkannt werden in der Kategorie dagegen: Wollbilder legen, Bettvorleger aus zuvor gefalteten Plastiktüten häkeln, individuelle Seidenschalbemalung, Iron-Man-Training oder Serviettendruck. Halt: DIY-Blogs schreiben und das Netz mit »supereinfachen, aber lustigen Anleitungen« zuspammen hätte ich fast vergessen. 

Also: Lasst mich bitte mit diesem Scheiß in Ruhe! Ich persönlich möchte weder zu irgendwas angeleitet werden, noch brauche ich crazy Tools und neue Kniffe für etwas anderes. Nein, ich will auch keine coolen Hobby-Kreationsfotos von Jutebeuteln mit fetzigem Kartoffeldruckmuster auf meinem Instagram-Profil. In meiner Freizeit möchte ich fernsehen, essen, Bier trinken und meine Ruhe haben. Und das werde ich niemals »Hobbys« nennen. Punkt.