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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kratzen & Beißen: Die monatliche Hass-Kolumne

Gegen Rauchverbote

Ist es nicht vorbildlich, wie die Kids und andere leicht beeinflussbare Süchtige durch ekelerregende Bilder auf Kippenpackungen vom Nikotin abgehalten werden? Ist es nicht herrlich, dass die Klamotten nach einer Kneipennacht weniger stinken? Und gibt es nicht sieben »Mad Men«-Staffeln, um die Teerlungen-Nostalgiker darüber hinwegzutrösten? Nein, Rauchen ist unterbewertet, findet Wolfgang Frömberg und fordert eine Welt, die qualmt wie isländische Vulkane.
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Schon in der Schule war ich nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen dessen alberne Rauchverbote. Von mir aus hätten die nach Schnaps stinkenden Lehrer offen im Klassenraum statt verschämt auf der Toilette den Flachmann ansetzen können. Hätten sie mich nur während der Deutschklausur meine Camel Ohne schmauchen lassen. An das unwürdige Herumgedruckse zu Schulzeiten muss ich immer wieder mal denken, wenn ich die armen Schweine auf den Bahnhöfen und Flughäfen in ihren Ecken und Glascontainern paffen sehe. Was wäre die schönste Demokratie ohne einen von Verboten durchzogenen öffentlichen Raum? Ich rauche nicht mal mehr. Aber ich trete ein für das Recht aller auf die Kippe davor, danach und dazwischen. Egal, an welchem Ort. Jahrelang war ich leidenschaftlicher Passivraucher in Bars und auf Konzerten, bis man mir die Entscheidung abnahm, auch diese Passion aufzugeben.

Für die Doppelmoral der Konsumkritik steht wie kaum jemand sonst der Ex-Kanzler Helmut Schmidt. Solange man dem Polit-Zombie den Stengel nicht aus der Hand beißt, sollten aber auch alle anderen Nervensägen im Fernsehen rauchen dürfen. Ich bin außerdem dafür, das Bedürfnis wieder breiter zu wecken: Tabakwerbeverbote und verschärfte Rauchverbote wie in NRW treffen die mir persönlich liebsten Orte ganz empfindlich, nämlich Zeitschriften und Kneipen. Das Bewerben von Sweatshop-Betreibern wie Primark ist jedoch in Zeitungen und Magazinen ebenso wenig als gemeingefährlich gekennzeichnet wie das Tragen ihrer Klamotten in Bars, Restaurants oder Schulen. Von dem Coltan in unseren Smartphones und anderen Verbrechen im Namen des freien Marktes ganz zu schweigen.

Ex-Dead-Kennedys-Sänger Jello Biafra nötigte mich mal bei einem Interview unter freiem Himmel dazu, die Zigarette auszumachen. Mein inniges Verhältnis zu den Lucky Strikes empörte ihn offensichtlich mehr als die Anschläge vom 11. September. Wegen ekligen, veitstanzenden Kleinbürgern wie diesem Hardcore-Ungeheuer fällt es mir leicht zu fordern: Raucht endlich wieder, immer und überall, von mir aus auch American Spirit oder Pfeife. Damit die Welt ein bisschen weniger nach Schweiß und Doofheit riecht.