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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kratzen & Beißen: Die monatliche Hasskolumne

Daniel Koch gegen die Unpolitischen

Politik kann einem noch jedes gemeinsame Abendessen versauen. Oder einen Bekannten, Freund oder Kollegen plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Deshalb meiden viele dieses Thema, um den Burgfrieden zu wahren. Aber kann man sich das in Deutschland dieser Tage erlauben? Chefredakteur Daniel Koch findet: Nein, verdammt noch mal! Gerade jetzt, wo die Schreihälse immer lauter werden, muss sich jeder über gewisse politische Dinge Gedanken machen und überlegen, wo er steht.
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Kürzlich auf der Intro-Facebookseite: Die Kollegen posten das Video, in dem Martin Schulz im EU-Parlament einen Rassisten der griechischen Partei Goldene Morgenröte des Saales verweist. Erster Kommentar eines Users: »Muss die Intro jetzt wirklich auch noch Politik machen?« Sein Profil entlarvt ihn zwar schnell als vermeintlichen Troll mit Rechtsdrall, dennoch bleibt es eine Frage, die man mal stellen sollte. Und die wir mit voller Überzeugung beantworten können: Ja, natürlich! Gerade jetzt!  

Und da sind wir bei dem, was mich in den letzten Monaten immer mehr ankotzt: Obwohl wir dieser Tage ein raues politisches Klima haben und überall rassistische, grob vereinfachende, hetzerische, paranoide, egoistische, empathielose und oft schlichtweg dumme Aussagen in die Welt geschrien werden, machen es sich viele in meinem weiteren Bekanntenkreis noch immer in der wohligen Decke des Unpolitischen gemütlich. Sie diskutieren nicht gerne, sie lesen auch gar nicht so viel darüber, sie wollen sich Politik möglichst vom Leib halten, weil sie eben gerade so unerfreulich ist. Große Probleme, Hass, komplexe Sachverhalte, die keine einfachen Antworten bieten – vielleicht geht das ja vorbei, wenn man still hält?

Bei allem Verständnis, dass unser Wohlstand und unsere oft recht spröde wirkende Demokratie etwas träge machen – jetzt ist der Punkt erreicht, an dem man eben nicht mehr das Maul halten kann! Gerade weil die Gegenseite so laut ist und das Internet mit ihren Tiraden vollschrei(b)t. Dabei geht es mir gar nicht darum, dass man zu allem einen klaren Standpunkt hat und bei TTIP, Auslandseinsätzen der Bundeswehr, Höchststeuersatz und Asylpolitik exakt auf meiner Linie liegt. Aber wenn Hetzer wie die AfD das nie sonderlich hilfreiche schwarzweiße Freund-Feind-Schema wieder mit so einem Riesenerfolg in die Politik bringen, dann ist es wirklich das Mindeste, zur Wahl zu gehen, wenn gerade eine ansteht. Und gerade dann muss man sich dem bei jeder Gelegenheit und vor allem im täglichen Miteinander entgegenstellen – sonst beanspruchen die mit ihrer empathielosen Scheißpolitik am Ende die Diskussion noch mehr.