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Immer weiter durchbrechen

Kochen mit Westbam

Fotos: Rainer Holz Diesmal also Westbam, Maximilian Lenz. Kollege Sven Väth hat ja vor zwei Ausgaben seinen eigenen Koch mitgebracht. Nicht dass wir die gleiche Erwartung an Westbam hätten, aber wenn der eine deutsche DJ-Superstar so vorlegt, ist man selbstredend gespannt, was der andere auffäh
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Fotos: Rainer Holz

Diesmal also Westbam, Maximilian Lenz. Kollege Sven Väth hat ja vor zwei Ausgaben seinen eigenen Koch mitgebracht. Nicht dass wir die gleiche Erwartung an Westbam hätten, aber wenn der eine deutsche DJ-Superstar so vorlegt, ist man selbstredend gespannt, was der andere auffährt. Man könnte es Natürlichkeit nennen, was Westbam verbreitet. Ein Gefühl von ›Disco Deutschland‹ (so der Titel eines seiner frühen Stücke) will sich in unserer Küche die ersten Minuten nicht einstellen. Unruhig tänzelt er durch die Wohnung. Kickt elegant und doch zerstörerisch den herumliegenden Fußball gegen die mit Köstlichkeiten gefüllten Ampullen. Da wird doch einer nicht nervös sein wegen ein bisschen Kocherei?

Irgendwie schon. Westbam ist zwar ein Connaisseur der Küchen dieser Welt, heimisch fühlt er sich in diesen jedoch so gar nicht. Die einzige abrufbare Erfahrung: Kartoffelnschälen bei Mama. Nicht mal zu einem Wunschessen hatte es im Vorfeld gelangt. Das sollen die Intros mal selber machen. Die einzige Anforderung an uns bei der Auswahl: Es solle leicht zubereitbar sein, essen würde er alles. Sehr proletarisch, gegessen wird also, was auf den Tisch kommt – so wählerisch und gesundheitsbewusst wie der erwähnte Kollege ist er also nicht. Und auch die Ästhetik spielt beim Essen keine übergeordnete Rolle. Das Hacken der Pesto- und Ratatouille-Zutaten geht er dementsprechend punkrockig an. Warum auch nicht, landet eh alles im Mixer – welcher in der Küche weniger sensibel zu bedienen ist als im Club. Wobei bei aller in seiner Mimik und Gestik erkennbaren Skepsis über diesen tollen Promo-Gag ›Kochen mit‹ dann doch immer mehr Zufriedenheit durchblitzt. Das fertige Pesto schmeckt ihm hervorragend – zumindest legt sein permanent in den Topf gedippter Finger diesen Schluss nahe.

Neben Zubringer-Aktionismus wie wild style Gemüse-Zurechtstutzen verlegt er sich auf die Rolle des immer geselliger werdenden Gesprächspartners. Den Rotwein in der rechten Hand schwenkend, rollen die Worte nur so an: Wir erfahren, dass er nie in Frankreich auflegt, da er die Franzosen nicht mag (zum einen, da ihm sein Großvater da einiges mit auf den Weg gegeben hat an Vorurteilen, und zweitens, da es eben so ist, dass die Franzosen seltsam sind – ach, wäre doch Kollege Volkmann nur hier, er würde vor Freude hüpfen), von seiner ungebremsten Lust am und dem Drang zum Auflegen (»Ich habe Angst, dass ich, wenn ich mal eine längere Pause machen würde, danach nicht mehr so recht in den Rhythmus käme«), von seiner Skepsis, wie das mit der Plattenfirma weitergehen wird (»Man weiß ja nicht mehr, was in zwei Jahren ist – längere Prognosen sind gar nicht drin«), von Zukunftsängsten (»Habe ich keine: Ich weiß, dass ich noch mit 70 mehr bekommen würde als die meisten anderen DJs«), Diät halten (er hat da so eine Theorie, dass die Blutgruppe mit der Nahrung korreliert) und vor allem ganz viel über Fußball, eine seiner großen Passionen. Viel mehr Themen braucht es dann auch nicht: Fast kalter Fisch und zusammengeschmissenes Gemüse, das geht schnell. Und trotzdem fühlen wir uns, als alles auf dem Teller liegt, erhaben und wie große kulinarische Schöpfer. Guten Appetit und weitersprechen.

Fast 20 Jahre liegt es zurück, dass du mit deinem Produzentenpartner Klaus Jankuhn deine erste Maxi produziert hast: ›17 – This Is Not A Boris Becker Song‹. Seitdem haben sich einige Track-Highlights angesammelt, aber natürlich auch ein paar Momente, die man vielleicht nicht mehr so gerne hört. Spielst du denn dein ganz frühes Zeug noch?
Was wäre ganz früh? Meine ersten Platten von 1985 habe ich schon lange nicht mehr aufgelegt, aber so Sachen wie ›Roof Is On Fire‹ spiel ich oft – in Berlin ist das ein Klassiker. Für mich ist das in gewisser Weise wichtig, weil ich auch das Gefühl haben möchte, in meiner Musik zu leben. Es soll insofern eigentlich keinen Fortschritt geben, dass es sozusagen völlig absurd wird, was man früher gemacht hat. Deswegen ist es gut, wenn die alten Platten im aktuellen Mix Sinn machen – man sieht so, dass sich das Rocken nicht groß verändert hat. An anderen Orten als Berlin ist es immer ein bisschen schwerer, das plausibel zu machen.
Ich habe auf deiner Webseite dieses Zitat von dir gefunden: »Der DJ-Musiker hat einen weiten Weg hinter sich. Ich begleite diese Sache ja jetzt bewusst seit 1984. Ich habe von 1984 bis 1994 Grundlagenforschung gemacht, was man so Underground nennt. Dann kam die ravende Gesellschaft, der große Pop-Knall. Jetzt bewegen wir uns in der Phase, dem Ganzen auch eine gewisse Dauer zu geben, etwas Zeitloses. Gerade jetzt, wo nicht mehr jede Woche ein neuer Elektronik-Prototyp entworfen werden kann, geht es um Substanz. Das ist die Herausforderung.« Was ist denn die Substanz, um die es dir geht?
Das ist natürlich DJ-Musik. Ich komm ja aus einer Zeit, wo das als Feld überhaupt noch nicht da war. Das zu erfinden, wie man als DJ Musik selber kreiert, also die Musik komponiert, das wäre die, ähm ...
Zielsetzung?
Nee, das klingt zu sehr nach optimieren. Optimierungsprozesse find ich immer nur sinnig in einem bestimmten Zeitraum – deshalb hab ich mich dann auch von bestimmten Sachen abgewendet nach einer Weile. Es macht mir keine Freude, irgendwas vom Hundertsten bis ins Tausendste zu optimieren.
Also ist die Art, wie du die Zucchini und Auberginen gehackt hast, auch typisch für die Art, wie du deine Musik angehst?
Allemal zerhack ich die Zucchini erst mal so, wie es mir sinnvoll erscheint, und [lacht] gehe ohne Vorbilder ran. Das hat in der Tat auch meine frühen Sachen geprägt: Da hatte ich wirklich von Musik null Ahnung. Das ist natürlich eine Naivität, die man sich nicht über ‘ne 20-jährige Karriere erhalten kann. Irgendwann kommt dann die Erkenntnis, findet man sich ab mit bestimmten Gesetzmäßigkeiten der Musik, die man mit 19 nicht erkennt.
Aber kannst du das mit der Substanz trotzdem noch etwas konkretisieren?
Die Substanz ist genau das, was sich diesen Definitionen entzieht, das wirklich künstlerische Produkt. Also das, was der innere Kern des Kunst-Schaffens ist, nichts mit dem Stil, der Art, der Produktionsweise oder dem Produktionsmittel zu tun hat. Deshalb ist sie auch so schwer zu erklären. Das, was man letztendlich nicht definieren und beschreiben kann.
Wir haben ja gerade auch über das Thema Diäten gesprochen und vorsichtiger leben. Bei dir hört sich das so an wie beim Fußball. Einfach immer weiter Druck machen, dann wird schon alles gut.
Diese Geschichten, dass man mehr auf sich aufpassen müsse, sonst ... Sonst was? Also, ich versuche das einigermaßen im Lot zu halten. Ich find es pervers, wenn man völlig gesundheitsgurumäßig unterwegs ist, aber wenn man gar nichts macht, dann hat man einfach auch nicht die Leistungsfähigkeit. Und es ist mir schon wichtig, eine gewisse Leistungsfähigkeit zu erhalten – meine künstlerische Arbeit ist ja schon etwas sehr Kraft-Zehrendes.
Das heißt in letzter Konsequenz, du lebst nicht besonders und bist halt ‘ne robuste Type?
Nee, so robust bin ich gar nicht. Also manchmal ist es wirklich nur ein Willensakt.
Stichwort ›Grand Prix‹. Wie war das denn eigentlich für dich?
Also, für mich ist das schon auch wieder ein Kraftaufwand, weil’s einfach – so ähnlich wie mit dem Kochen hier – nicht so ganz auf der normalen Route liegt. Man muss sich dazu irgendwie verhalten. Die Frage im Vorfeld war: Kann man da irgendwas machen, was einem als Künstler sinnvoll erscheint? Am Ende des Tages war ich mit allem, was wir gemacht haben, sehr glücklich. Wir haben das so weit genutzt, wie wir das nutzen konnten – das war ‘ne Auseinandersetzung mit den Medien, mit dem Publikum und mit ‘ner großen Bühne. Und vor allem mit der Grundfrage, wie es mit Techno, mit DJs, mit dem Liveact eines DJs weitergehen kann.
Du wirkst wie ein Typ mit großem Selbstantrieb. Muss so ein größerer Rahmen wie der ›Grand Prix‹ sein, damit dieser Selbstantrieb funktioniert?
Ich muss zugeben, dass eine gewisse Response wichtig ist. Ich habe höchste Bewunderung für Künstler, die sich ihr ganzes Leben lang um irgendwas bemühen, ohne irgendeinen Respekt, ohne irgendeine Anerkennung dafür zu finden. Wobei man da ja dann auch irgendwann die Frage stellen kann, ob das überhaupt was ist. Klar, nicht alles, was ein großes Publikum abbekommt, ist große Kunst. Aber gibt es große Kunst ohne Publikum?
Du meinst, dass es heute in jeder Nische noch Nerds gibt, die was entdecken? Es also das Phänomen »unentdeckt« eigentlich nicht mehr gibt, wenn etwas reizvoll und advanced ist?
Ja, ja. Ich glaube nicht, dass es heutzutage noch Künstler gibt, die erst nach ihrem Tod entdeckt werden. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Für mich ist irgendein Response wichtig. Die Leute sollen sich drüber ärgern oder sonst was, es muss mehr sein als ein Achselzucken oder ein völliges Ignorieren. Wenn es am Ende des Tages keinen interessiert, dann war’s auch nichts.
Wobei ja dein Freund Rainald Götz beispielsweise zwar auch bekannt ist, aber auf einem doch deutlich marginaleren Level als du.
Ja, Götz ist auch so ein Fall, bei dem ich das bewundere, dass er versucht, seinen Punkt zu machen. Ich sehe bei ihm ja auch, dass er immer wieder falsch oder gar nicht verstanden wird. Und ich das Gefühl hab, das könnte besser verstanden werden, das könnte mehr bewirken. Ich weiß auch, dass es den Götz, wie jeden anderen Künstler auch, durchaus bekümmert.
Ist es diese andere direkte Kommunikation mit deinem Publikum im Club, die so jemanden wie Götz fasziniert, wenn er mit dir rumzieht? Er wird da ja mit einer völlig anderen Künstler-Rezipienten-Beziehung konfrontiert, als er sie so kennt.
Absolut. Also dieses direkte Da-mit-Leuten-was-machen, das ist für’n Künstler, glaube ich, ‘ne sehr schöne Vorstellung. Der Götz ist eben auch ein extrem komplizierter Typ, der auch in mir den durchaus komplizierten Typen sieht, der es aber schafft, irgendwas schön einfach zu machen. So einfach, dass es den Leuten gefällt. Rainald ist der schlauste Mensch, den ich kenne. Der intelligenteste Mensch, schlau klingt immer komisch. Ich merk das immer, wenn ich bei irgendwelchen Fragen, die ich mir selber stelle, nicht so richtig weiterkomme, dann rufe ich ihn an, und es kommt da zu praktisch jedem Thema immer was rüber. So sollen Freundschaften ja eigentlich sein. Es ergibt sich bei uns oft aus dem Gespräch etwas Neues. Das muss gar nicht mal so sein, dass einer von beiden das von Anfang an so gesehen oder gewusst hat.
Du spielst in Tracks wie ›Disco Deutschland‹ oder ›Der Bundespräsidenten Mix‹ ja mit politischen Slogans. Im ›Grand Prix‹-Stück ›Dancing With The Rebels‹ heißt es »Democracy, democracy, unlike the vast majority, ain’t got no choreography, so why do you keep sweating me?« Soll das nur plakativ gut klingen, oder geht es dir doch um subtile Politik?
Bei mir steht die Kunst letztendlich immer im Zentrum. Das Politische ist dann gewöhnlich ein Teil der Kunst. Das Künstlerische ist eigentlich das Entscheidende. Ich kann mir nicht vorstellen, für die SPD oder die Grünen in den Wahlkampf zu ziehen – oder gar für noch Schlimmere. Ich kann nicht mal mehr wählen gehen.
Würdest du Deutschland denn noch repräsentieren, so wie du das ganz früher, noch vor der Wiedervereinigung, gemacht hast für das Goethe-Institut?
Lustigerweise bin ich ja ständig deutscher Repräsentant, weil ich ständig im Ausland spiele. Es lässt sich überhaupt nicht vermeiden, dass ich da irgendwo als Repräsentant also nicht nur von deutscher Kultur, sondern auch von Deutschland wahrgenommen werde. Von daher kann es ja nur noch eine Frage der Zeit sein bis zum Bundesverdienstkreuz [lacht]. Und wenn jetzt die Frage kommt, ob ich das annehmen würde, dann wäre meine Antwort: Na klar. Oder, da du mich ja schon ungefähr kennst, wie ich bin: Würd ich’s annehmen, oder nicht?
Nun ja, in manchen deiner Textzeilen bemerkt man ja auch den Moment des Nicht-einverstanden-Seins mit dem Ganzen.
Genau. Wir sind ja immer dagegen, aber ich sage immer: »Wir machen alles, aber wir sind auch gegen alles.« [lacht]
Verlieren wir uns dabei nicht?
Ja, es ist die Gefahr, aber bei »Wir machen alles« besteht die Möglichkeit, sich zu verlieren, und bei »Wir machen nichts« besteht die Möglichkeit, nicht an seine Grenzen zu gehen.
Bei wie viel Prozent des »alles Machens« hat es sich danach gelohnt?
Klar gibt’s da viel, was sich nicht gelohnt hat, aber da bin ich auch in dem Sinne der Meinung, dass kein Künstler an seinen schwachen Stunden gemessen wird, am Ende des Tages. Natürlich für die Zeitgenossen und für die Übelwollenden, klar. Aber letztendlich wird jeder Künstler am Ende an seinen Sternstunden gemessen. Ich habe gemerkt, dass es für mich ein besserer Weg ist, viel zu machen und auch mal zu riskieren, dass da irgendwas nicht so toll wird. Habe ich jetzt das Gefühl, dass ich meinen Fokus verloren habe? Nee!
Wobei es ja schon größere Ereignisse wie den ›Grand Prix‹ gibt, die dann schon das Risiko mit sich mitbringen, dass sie so richtig nach hinten losgehen.
Das kann Karriere-technisch tatsächlich nach hinten losgehen, aber in dem Sinne, muss ich sagen, war ich nie Karrierist. Also irgendwas unter dem Gesichtspunkt »was bringt jetzt meine Karriere voran« zu machen ... Es geht schon damit los, dass, als ich 18 war und DJ geworden bin, 1983, da war das kein großer Karriere-Beruf. Es gab damals keine prominenten DJs. Ein DJ hat 75 Mark am Abend gekriegt.
Verschwendest du irgendeinen Gedanken daran, wie du das Künstlerische irgendwann mal beendest?
Nee, also das ist ‘ne unkünstlerische Überlegung. Ein Künstler will das gar nicht beenden.
Eine sympathische Aussage. Die meisten sagen ja: »Ich bau mir was auf bis 30, dann verfeinere ich das noch bis 35, und dann ...« Irgendwann findet bei den meisten leider so ‘ne Sättigung statt, sie lassen sich in so ‘ne Bequemlichkeit fallen.
Die meisten sind nicht wirklich Künstler. Die Wahrheit ist: Leuten, die sich um ihren Abgang Gedanken machen, kann ich schon gleich sagen, das sind absolut unkünstlerische Gedanken. Man müsste mal die Kunstgeschichte durchgehen, aber ich kenne eigentlich keinen wirklichen Künstler, der irgendwann gesagt hat: »Bis hierher. Ich mach das, und danach schreib ich keine Note mehr oder mal kein Bild mehr.«
Bei Malern hat man eher das Gefühl, die sterben mit dem Pinsel ...
Die Wahrheit ist: In der populären Musik gibt es viele, die eigentlich keine Künstler sind. Bei den DJs sind die allermeisten für mein Empfinden keine Künstler, weil sie keinen künstlerischen Ansatz haben. Rainald zum Beispiel wird nie aufhören zu schreiben. Und das ist einfach so für einen Künstler. Also, ein Künstler macht das nicht, um damit Geld zu verdienen.
Wo wir schon beim Thema Zeit sind: Denkst du, wenn du heute noch mal 20 wärst, dass ‘ne Veranstaltung wie die Mayday dich reizen würde?
Als ‘ne Form von Unterhaltung wahrscheinlich schon. Wenn du mich fragen würdest, würde ich jetzt DJ werden, wenn ich 20 wär, würde ich denken: eher nicht. Weil ich jetzt das Gefühl habe, das ist so etabliert. Ich fänd es fast pervers, wenn ein 18-Jähriger sich Schallplatten kauft und die auf’n Schallplattenspieler legt und dann mischt. Das fänd ich fast pervers, also wirklich nicht gut. Da würd ich drauf herabsehen. [lacht]
Hat dich der Moment des Neuland-Entdeckens damals gereizt?
Nein, also ich würde nicht sagen ... Ich glaub, das ist auch was, dem ich immer wieder was Neues abgewinnen kann. Ja, ich finde schon, dass man nicht unbedingt das machen muss, was die letzten 20 Jahre gemacht wurde. Sonst hätte ich auch 1983 nicht eine DJ-Karriere eingeschlagen, die es noch nicht gab, sondern hätte das gemacht, was man damals gemacht hat. Dann hätte ich gesagt: »Okay, ich werde jetzt Musiker, vielleicht in so ‘ner Depeche-Mode-artigen Band.« Das wär dann aus dem Zeitkontext. Heute ist das selbstverständlich, DJ zu sein. Aber es stimmt, gerade wenn man Teenie ist, finde ich es unwürdig, einfach nur das anzunehmen, was die anderen machen. Ansonsten finde ich, dass Turntables als Ausdrucksmittel auch noch in zehn Jahren irgendwo was bringen können. Aber wenn man 18 ist und dann nur alte Scheiben auflegt und die genauso mischt wie alle vorher, dann frage ich mich: Warum macht man das? Und wenn Leute darauf nur was stottern können, dann, denke ich, fehlt es da genau an der eingeklagten Substanz.

Thunfisch mit Ratatouille und Petersilien-Pesto
Thunfisch: 4 solide große Thunfisch-Steaks, 4 große Zitronen – Thunfisch mit Zitrone beträufeln und nur ca. 5 Minuten in den Ofen legen, sodass er innen noch roh ist.
Ratatouille: 3 Zucchini, 2 Auberginen, 8 große Tomaten, Tomatenmark, gutes Olivenöl, frischer Thymian, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, frischer Oregano – Einfach alles klein hacken und in der Pfanne ordentlich durchkochen.
Petersilien-Pesto: 1 großes Bund Petersilie, 1 Päckchen Mandeln (geschält und ungesalzen), 1 Topf Ricotta, Pecorino (fester Schafskäse) – Alles in den Mixer geben und, ja, mixen.
2 Baguettes
Nachtisch: 2 Töpfe Erdbeeren und 2 Töpfe Mascarpone – Mischen.
Rainald Götz
Der Autor von Büchern wie ›Irre‹ und ›Festung‹ hat gemeinsam mit Westbam ›Mixes, Cuts & Scratches‹ (Merve Verlag Berlin) veröffentlicht. Götz ist Mitte der 90er als großer Techno-Fan in Erscheinung getreten. Legendär die Bilder, wie er auf dem Low-Spirit-Wagen bei der Loveparade thront. Oder auf der Mayday-Bühne telefoniert (und dabei von seinem Gesprächspartner im Fernsehen gesehen wird). Mit ›Mixes, Cuts & Scratches‹ haben sie sich auf die phänomenologische Suche nach der Heilsbotschaft von Techno begeben, hin zum inneren Wesen ihrer Glücksbringer-Jugendkultur.

Küche
Dieses ›Kochen Mit‹ fand statt in einer Kambium-Küche, www.kambium-kueche.de, Köln, mit Geräten von Gaggenau.

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