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Mit Rezept: Sushi-Frühstück mit den Dream-Electro-Veteranen

Kochen mit OMD

Thomas Venker lud die beiden zum Sushi-Frühstück. Rainer Holz fotografierte.
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Nach den Oldies-Shows gibt es normalerweise kein Zurück mehr. Die 80er-Dream-Electronic-Veteranen OMD haben es trotzdem geschafft, da Andy McCluskey und Paul Humphreys für ihr erstes Album seit 26 Jahren, "History Of Modern", nicht auf pure Historizität setzten. Thomas Venker lud die beiden zum Sushi-Frühstück. Rainer Holz fotografierte.
 
Der japanische Sternekoch schaut uns unverhohlen irritiert an. Dass er es hier mit echten Popstars zu tun hat, kriegt er nicht mit, das scheitert an der Sprachbarriere und dem Altersunterschied. Für ihn sind wir nur irgendwelche Spinner, die sich um zehn Uhr morgens einen Sushikoch leisten.

OMD haben sich dieses Szenario gewünscht – und in seiner Doppeldeutigkeit könnte es nicht zutreffender für ihre Situation sein. Denn dieser Twentysomething ist die Zielgruppe, die Andy McCluskey und Paul Humphreys mit "History Of Modern" (VÖ: 17.09.10) knacken wollen. Die beiden Engländer wollen es nämlich noch mal wissen und nicht nur ihre alten Fans mit der Reunion von OMD bespielen, sondern auch die Jugend hinzugewinnen. Dass die Zeit dafür gut ist, dafür spricht nicht nur, dass James Murphy von LCD Soundsystem seit Monaten überall erzählt, er höre nur die manisch optimistische Dream-Electronic der Band, auch die um sich greifende Begeisterung für italienische Soundtracks der 70er und 80er sowie der Goth-Electro-Trend arbeiten ihnen zu.
McCluskey und Humphreys sind ziemlich entspannte Typen, daran ändert auch der leichte Kater nichts, den sie dank McCluskeys Geburtstagsparty vom Vorabend pflegen. Die beiden sind sich ihrer Position ziemlich genau bewusst und spielen die Rolle als ambitionierte Oldies mit Humor, jedoch nicht ohne an den richtigen Stellen zu betonen, dass sie es dann doch ernst meinen mit diesem Himmelfahrtskommando.

Immerhin ist es 26 Jahre her, seit sie gemeinsam ein OMD-Album eingespielt haben. 1989 war Humphreys ausgestiegen, McCluskey ließ die Band dann langsam kreativ auslaufen, bis Mitte der 90er Schluss war. Und bleiben sollte. Doch dann wurde die Gruft von RTL noch mal geöffnet: Der Sender lud die Band für "Die ultimative Chartshow – Die erfolgreichsten Künstler der 80er-Jahre" ein. Das Happening wurde mitgenommen, danach schrie das Adrenalin allerdings nach Nachschub: So tourte man 2007 wieder zusammen, und plötzlich stand die Idee zum Album im Raum.

Als OMD aufkamen, wurde elektronische Musik noch als unechte Musik angesehen. Heute existiert diese Konfliktlinie nicht mehr. Im Gegenteil: Die Vorreiter jener Tage, OMD eingeschlossen, werden verehrt, nicht nur von James Murphy. An dieser Stelle sei aber daran erinnert, dass sich schon OMD auf Neu!, Cluster, La Düsseldorf und Kraftwerk bezogen hatten. Ihre Musik war damals ein Balanceakt zwischen Mensch und Maschine, eine Kombination aus Organischem und Künstlichen, eben aus "Architecture & Morality", wie eines ihrer bekanntesten Alben heißt. Die diesem Sound innewohnende positive Melancholie prägt auch das Comebackalbum "History Of Modern". Es klingt insofern klassisch, ist aber modern aufgenommen, keine "Echo&Reverb"-Platte, wie McCluskey es formuliert.
Normalerweise kommen die Gäste bei uns ja nicht mit so wenig Eigenkochanteil weg, aber was sollen die beiden auch machen? Der japanische Koch will sie einfach nicht ranlassen. Und als sie dann doch mal ein paar Maki-Rollen machen dürfen, werden diese von ihm anschließend dezent, aber bestimmt aussortiert. Angereicht wird nur, was der Meister selbst arrangiert hat. Fair enough, OMD lassen ja auch nicht andere an die Keyboards.

Auf der nächsten Seite: "Wie die Zeit vergeht und das Rezept: Maki-Sushi"

Nach den Oldies-Shows gibt es normalerweise kein Zurück mehr. Die 80er-Dream-Electronic-Veteranen OMD haben es trotzdem geschafft, da Andy McCluskey und Paul Humphreys für ihr erstes Album seit 26 Jahren, "History Of Modern", nicht auf pure Historizität setzten. Thomas Venker lud die beiden zum Sushi-Frühstück. Rainer Holz fotografierte.

Wie alle, deren große Glanztaten mehrere Jahrzehnte zurückliegen, reden McCluskey und Humphreys auf Nachfrage gerne darüber. Und obwohl man natürlich weiß, dass sie diese Geschichten schon hunderttausendmal erzählt haben, nimmt man ihnen die bubenhafte Freude daran ab. Hier geben zwei eine Geschichtsstunde, die selbst noch immer nicht so genau wissen, wie sie da reingeraten sind.
McCluskey erzählt beispielsweise kichernd, dass er bis heute einen Bass für Linkshänder spiele, nur da es damals der einzige gewesen sei, den er sich vom Geburtstagsgeld habe leisten können, und dass sie gleich beim ersten Gig im September 1978 die Vorband für Joy Division gegen hätten ("Es waren 40 Leute da: hauptsächlich unsere Familie und Fans"). Und dann noch, wie es zur Single auf Factory gekommen sei: Das war "Electricity", die beiden waren 16 und 17 und hielten sich für total experimentell, Factory-Mastermind Tony Wilson stellte das aber schnell für sie klar: "Ihr macht die Popmusik der Zukunft."

Und wo sie so schön am Plaudern sind, lassen sie ganz zum Ende noch den privatesten aller Comebackgründe raus: Sie wollten, dass auch ihre Kids sie mal auf der Bühne gesehen haben. Es macht sie nur noch sympathischer, dass sie auch hier die Fallhöhe gleich mitliefern: Als es dann so weit war, spielte McCluskeys Tochter lieber auf der PlayStation, statt auf die Bühne zu gucken, denn wie sagte sie doch so schön: "Sehen kann ich den doch auch zu Hause."

Mehr gekocht wird unter www.intro.de/spezial/kochenmit und bei uns im Forum.

[tour artist=OMD]



Das Rezept: Maki-Sushi
Japanisches Gericht aus mit Reisessig, Salz und Zucker angereichertem Reis, dem Algenblatt Nori und Füllung

Zutaten: Rundkornreis, Reisessig, Zucker, Salz, Nori, Wasabi, Sojasoße, eingelegter Ingwer, Avocado, Karotte, Omelett, Gurke, Shrimps, Tofu und so viele verschiedene Sorten Fisch, wie man mag und sich leisten kann

Equipment: Bambusmatte (auf der die Makis gerollt werden), japanisches Küchenmesser

Zubereitung von Makis (übersetzt Rollen): Reis auf der Bambusmatte ausbreiten, Füllung drauflegen und nach genau vorgegebenem Rhythmus zusammenrollen und dann in kleine Teile schneiden