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Sparks

Kochen mit...

Die Sparks blicken auf eine abwechslungsreiche Karriere zurück. Jetzt legen sie mit "Exotic Creatures Of The Deep" ihr 21. Album vor. Und kochen mit Intro.
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Die Sparks blicken auf eine abwechslungsreiche Karriere zurück. From Hitparade into Vergessenheit und zurück. Einem ersten Hit in den frühen 70ern ("This Town Ain't Big Enough For The Both Of Us") folgten später im Jahrzehnt Space-Disco-Erfolge mit Giorgio Moroder ("No. 1 In Heaven"), aber eben auch das, was die gnadenlose Branche Flops nennt. Jetzt legen sie mit "Exotic Creatures Of The Deep" ihr 21. Album vor. Und kochen mit Intro.

Der Dauer der Bandkarriere folgend, haben Vertreter aller Pop-Generationen ihre eigene kleine Geschichte zu den Sparks zu erzählen - auch der Mittvierziger-Taxifahrer, der die Zutaten für das "Kochen mit Sparks" in die Chefredakteurs-Wohnung nördlich des Kölner Doms kutschiert: "Was, Sie kochen gleich mit den Sparks? Das gibt's ja nicht, erst gestern hab ich mir noch die 'Kimono My House'-Platte angehört! Ich liebe dieses Album!"Meine brisanteste eigene ging bislang so: Es war 1994, und ich war einer der 450.000 deutschen Teenager, die der neuen Sparks-Single "When Do I Get To Sing 'My Way'" nie erhoffte sagenhafte Verkaufszahlen bescherten. Selbstredend, dass sie vom heutigen Setting getoppt wird. Denn die Brüder Russel und Ronald Mael kochen anlässlich des neuen Albums "Exotic Creatures Of The Deep" mit uns.


Video: Kochen mit Sparks



Auf dem Speiseplan steht japanisches Essen, ein Wunsch der Gäste. Schon die Besorgung der exotischen Zutaten brachte die Redaktions-Praktikanten schier zur Verzweiflung. Wir rechnen also mit zwei Feinschmeckern und hoffen auf ein Lehrstück in höchster Kochkunst. Eine Hoffnung, die sich gleich zerschlägt, als die beiden schüchternen Herren, die Punkt acht die Wohnung betreten, mit großem Stirnrunzeln die ganzen bunten Lebensmittel-Packungen auf dem Tisch mustern. "Äh, wir sollen kochen? Hmmm ... aber wir können gar nicht kochen!" Schnell stellt sich heraus, dass sich die beiden in ihren getrennten Single-Haushalten nur von Lieferservice und Mikrowellengerichten ernähren, das dann aber gerne japanisch und extravagant. Aber die Sparks wären nicht die Sparks, wenn sie diese Aufgabe nicht mit Humor nehmen würden - sollen wir doch sehen, auf was wir uns da eingelassen haben. Ronald, Keyboarder und der ältere der beiden Brüder, übernimmt die Federführung am Herd, während Sänger Russel der Szenerie als Assistent beiwohnt, einzige Funktion: das Reichen des Hand-Sanitizers, mit dem die beiden sich alle paar Minuten baden, um jeglichen Keim abzutöten. Hier entsprechen die Sparks mal ganz dem Stereotyp des amerikanischen Stadtneurotikers - was ihnen aber auch gar nichts ausmacht.






Das Gespräch dreht sich zu Beginn, wer hätte es geahnt, ums Essen: Ob sie denn jemals einen Tourkoch mitgenommen hätten und was der ihnen so geboten hätte. "Ach, weißt du, wir mögen dieses beengte Tour-Zusammensein mit der Band nicht, wo man zusammen isst und so. Wir gehen lieber in Restaurants, da bekommt man jeden Tag etwas anderes. Wenn wir in England sind, essen wir in der Regel bei einer japanischen Restaurantkette namens Wagamama. Ansonsten bevorzugen wir als Kalifornier große Salatteller." Okay, wenn es schon nicht die lukullischen Genüsse sind, dann scheint wenigstens, so viel ist jetzt langsam sicher, Japan ein Thema für die Sparks. Ronald eröffnet das Essen dann auch mit einem perfekt ausgesprochenen "itadakimásu", dem japanischen Pendant zu guten Appetit. "Wir bevorzugen auch die japanische Form der Begrüßung [deutet eine Verbeugung an]. Als wir die 'Spectacular'-Shows gespielt haben, kamen nach jedem Konzert Fans hinter die Bühne, und an einem Abend drückte mir einer so fest die Hand, dass ich drei Tage lang Schmerzen hatte und es fast das ganze Projekt gefährdet hätte."

Während schon mal ein paar Gaumenkitzler gereicht werden, lockern sich dann auch schnell die Zungen, und spätestens beim - erstaunlich gelungenen - Hauptgericht hat sich ein entspanntes, witziges Gespräch entwickelt, nur unterbrochen durch eine "Wasabi-Attack", die Ronald für kurze Zeit den Atem nimmt. Beherrschendes Thema während unserer Unterhaltung ist nicht das neue Album, schließlich haben sich die Brüder dazu in den Interviews im Laufe des Tages schon genug äußern müssen; lieber plaudern sie über ihre Nachbarn in L.A., z. B. Giorgio Moroder, Brian Wilson oder Morrissey, der im Song "Lighten Up, Morrissey" eine tragikomische Rolle spielt. "Wir haben ihm den Song vorgespielt, und er mochte ihn sehr. Morrissey ist zwar im Grunde nur an sich selbst interessiert, aber dabei ist er ein sehr humorvoller Mensch!" [lacht] Sogar zu einer Kollaboration mit ihm kam es schon, nie aber zu einer Aufnahme oder Veröffentlichung der zusammen geschriebenen Songs. Die Vorstellung dieses schrägen Gespanns ist aber auch zu bizarr.






Ein wichtigeres Projekt ist den Sparks die Realisierung des Musicals "Mai The Psychic Girl", an dem sie schon seit Ende der 80er arbeiten. Eine Arbeit, die ursprünglich aus einem großen Interesse an der Kombination von Visuals und Musik entstanden ist und die sich auch stark in ihren neueren Alben und Live-Shows niederschlägt: "Seit 'Lil' Beethoven' sind wir beeinflusst von der Arbeit an diesem Musical - die Art, wie die Stimmen benutzt werden, das Aufbrechen von klassischen Songstrukturen, indem man einen instrumentalen oder gar orchestralen Hintergrund mit einbringt. Im Musical versuchen wir die klare Trennung von Dialog, Soundeffekten und Musik aufzuheben, und das hat sich auch auf den Sound der letzten drei Alben ausgewirkt."

Nach zwei Stunden ist für die Sparks leider schon die Zeit des Aufbrechens gekommen. Zum Abschied versichern sie, dass die Aussichten für eine Deutschland-Tour für Anfang 2009 ausnahmsweise mal gut stehen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald darauf endlich die fertige Version des Musicals im Kino zu bewundern, schließlich hungert es jeden Sparks-Fan seit Jahren, nein, Jahrzehnten (!) nach diesem Film.


Rezept:

Vorspeise - Antipasta Extravagant
Zutaten: Paprika, Rote Bete, Chicorée, Nüsse, Brot, Ziegenkäse
Zubereitung: Paprika und Rote Bete in italienischem Olivenöl anbraten (wer wie die Sparks Öl ablehnt, der kann das Gemüse auch im Saft der Roten Bete zubereiten), gegen Ende die Nüsse und Chicoréeblätter hinzugeben, dazu Brot und französischen Ziegenkäse reichen.

Hauptgericht - Kalte Soba-Nudeln mit Dip
Zutaten: 1 kg Soba-Nudeln, Kaeshi, 1 großes Glas Dashi Stock, Frühlingszwiebeln, Wasabi, Seven-Flavour-Pfeffer, Sesam, grüne Shiso-Blätter, Nori-Algen, Ingwer, Yuzu Peel, frischer Spinat, 250 g Shiitake-Pilze, 300 g Okragemüse, 2 Packungen geräucherter Tofu, Sojasoße
Zubereitung: Spinat, Pilze, Okra und Tofu jeweils einzeln anbraten, damit sich die Geschmacksaromen nicht vermischen. Zum Würzen den speziellen japanischen Flavour-Pfeffer sowie Sesam und Sojasoße benutzen. Die restlichen Beilagen anreichen. Die Nudeln kurz ankochen und im Anschluss mit Eiswürfeln kühlen. Der Japaner serviert sie mit den Eiswürfeln.