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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Peter Kloeppel

Kochen mit...

Junge Leute flippen aus, Musik-Fans können es kaum fassen! "Peter Kloeppel?! Das ist doch dieser deutsche Typ, der bei Franz Ferdinand Schlagzeug spielt!" Fast.
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Junge Leute flippen aus, Musik-Fans können es kaum fassen! "Peter Kloeppel?! Das ist doch dieser deutsche Typ, der bei Franz Ferdinand Schlagzeug spielt!" Fast. Oder besser gesagt: Absolut nicht, ihr Fachidioten! Peter Kloeppel, das ist die Frisur und das Gesicht von RTL. Und Linus Volkmann gelang es, ihn zu streicheln. Fotos: Rainer Holz.

Peter Kloeppels Hood heißt "RTL aktuell", seine Gang von der Groeben und Biewer. Vor seiner Zeit glaubte man in Deutschland noch, die Bezeichnung "Anchorman" meine einen tätowierten Rausschmeißer auf St. Pauli oder in Rotterdam. Irgendwas mit Hafen halt. Dann aber gelangte 1992 das RTL-Eigengewächs Kloeppel an den Drücker, und Nachrichten weiteten sich vom quadratischen Frontal'n'Ablese-TV hin zum langen lässigen Tisch, zu Süffisanz und zu Interaktion zwischen Wetterfee und Lottohabicht. Indie-Pop-Begeisterten könnte man das Szenario schildern wie "Fast Forward", nur halt mit Nachrichten. Nun ja, ob das wirklich so passt?

Egal, what the fuck ist ohnehin Indie-Pop-Zielgruppe? Die gleiche Info kommt zumindest bei den unpoppy Eltern richtig spitze an:

"Was? Du kochst mit Peter Kloeppel? Das ist ja wunderbar, Junge! Damit bist du auch wieder mit im Rennen um unser Erbe."

- "Hä, war ich etwa draußen? Ich bin doch Einzelkind ..." [Cut]

[langsames Aufblenden] "... also die alten Genesis mit Peter Gabriel, Pink Floyd, Black Sabbath, Led Zeppelin, Queen, The Doors, Emerson Lake & Palmer ..." Peter Kloeppel zählt in einer Küche der Kölner Südstadt seine Lieblingsbands auf - der Tag der Begegnung mit ihm ist also gekommen. Der musikalisch etwas spezieller aufgestellte Fotograf Rainer Holz denkt allerdings bei dieser Kaskade des 70er-Jahre-Sparkassen-Rock fast hörbar: "Halt die Klappe!" Ich werfe ihm einen strafenden Blick zu. Wie kann er nur!
Die Gedanken unseres Gastes machen mir allerdings noch mehr Sorgen. Denn es kommt ihm offensichtlich komisch vor, in einer fremden Umgebung plötzlich sein Leibgericht kochen zu müssen. - Nun, durch dieses Tor des Zweifels sahen wir bereits viele Gäste der "Kochen mit"-Spektakel kommen. Zögerlich, wahlweise voller Hass auf sich selbst oder etwaige andere, die sie hierfür verantwortlich machen konnten. Dennoch, ist das Tor erst mal passiert - nur Shaggy machte seinerzeit tatsächlich auf dem Absatz kehrt -, fallen uns alle letztendlich in die Arme wie köstliche reife Früchte. Auch beim Love-Anchor Peter Kloeppel merkt man schnell: Der erste Unwille weicht einem Behagen (oder doch Stockholm-Syndrom?) - und auch der Koch-Bock zieht merklich an.

Bandnamen aus den Siebzigern stehen im Raum, und am Herd erblüht ein classic WG-Essen, zu dem vor 30 Jahren sicher noch "Dark Side Of The Moon" gelaufen wäre. Es gibt Penne in Gorgonzola-Soße mit Pinienkernen und Crêpes. Peter Kloeppel legt dabei eine atemberaubende Effektivität an den Tag - ohne hektisch zu wirken. Dieser Mann hat definitiv keine Zeit zu verschenken. Nebenbei findet er auch noch die Muße, die Rolle des gegnerischen Journalisten, also meine, zu antizipieren und solide Text-Aufhänger anzubieten: "Über die Musik habe ich mein Englisch verbessert" ist so ein Thema. Kann er doch nicht wissen, dass wir beim Intro zwar Schülerzeitungsredakteursfressen haben, uns aber dennoch obskurere Themen als Job-Tipps und Lebenshilfe leiten. (Warum eigentlich?)

Peter Kloeppel darf man nicht helfen in der Küche. Vermutlich würde man dem tighten Hexer eh nur im Weg rumstehen. Die Pinienkerne röstet er in einer Pfanne halbvoll mit Butter. Verstohlen starre ich auf seinen Ranzen. Hat keinen. Wie geht das denn? Ich biete ein Küchentuch an, auf die könne man die Kerne legen und sie würden etwas Trief-Fett verlieren. Abgelehnt. Peter Kloeppel mag es gehaltvoller lieber. Ein Stoffwechsel wie Jane Fonda während des Aerobic-Booms muss ihm mindestens geschenkt sein.

Überhaupt ein gutes Thema: Gesundheit. Letztens mühte sich im Fernsehen wieder ein Moderator ab, dem man extrem anhörte, dass er verschleimt bis zum Bronchialverschluss war, der aber durchziehen musste. Ist man in so einem Sichtbarkeits-Job unentbehrlicher als in anderen? Peter Kloeppel sammelt sich kurz für seinen Kommentar, denn er ist eben nicht nur so schwer zu ersetzen wie ein Staatsmann, sondern auch genauso diplomatisch und ausgewogen in seiner Rede. "Ich habe mir den Job bewusst ausgewählt. Und will ihn gut machen. Dazu gehört dann selbstverständlich auch, dass man nicht wegen eines kleinen Schnupfens zu Hause bleibt."

In diesen bedachten Worten schwingt die Selbsttherapie schon mit. Denn krank ist vor allem, wer sich für krank hält. Profis können dem Körper dagegen selbst SARS, die Todesgrippe oder den Biss eines infizierten Affen kleinreden.
Sieht man "RTL aktuell", denkt man übrigens immer: Schön, dass die Welt stets so einen bunten Strauß News produziert, bisschen Politik, ein entführtes Kind im Osten, der Brand einer Chemiefabrik in Australien oder Wisconsin und natürlich Paris Hilton. Geht das überhaupt mit rechten Dingen zu? "Wir bekommen eine riesige Menge an Nachrichten über die Agenturen und über unsere Korrespondenten, wir befassen uns über 50 % der Zeit damit, was wir nicht reinnehmen. Wir haben ja auch nur Platz für 20 Themen in unserer Sendung. Das Entscheidende ist die Auswahl. Es gibt keine vollständige oder unvollständige Nachrichtensendung."

Mittlerweile ist auch das Essen fertig. Schmeckt auf unprätentiöse Weise wunderbar. Kloeppel lobt nebenher den Parodisten Michael Kessler, selbst wenn der ihn bei ProSiebens "Switch Reloaded" als logopädisch herausgeforderten Ländernamen-Nerd interpretiert. Und auch für die Personalpolitik der ungeilen Verzweifler bei den Öffentlich-rechtlichen hegt er eher Mitgefühl. Und das, obwohl zuletzt das ZDF, namentlich das "Heute Journal", die langjährige Krisengebietskorrespondentin Antonia Rados von "RTL aktuell" abwarb. Die bezeichnete unter ihrer neuen Sender-Flagge zuletzt übrigens den christlichen Barack Obama als Muslimen. Wofür sich ZDF-Anchor Claus Kleber kurz darauf zerknirscht entschuldigen musste. Dennoch keine Häme für die privilegierten Kollegen. Peter Kloeppel ist eben auch privat ein ziemlicher Anchorman. An den kann man sich halten, wenn sonst mal wieder keiner im Anzug gut aussieht und wenn man was Verlässliches für länger sucht. Nur den Musiksender dürfte er im Auto nicht bestimmen.

Mehr Kochen mit...gibt's unter www.intro.de/spezial/kochenmit