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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Laura Osswald

Kochen mit

Der Kleinverleger Johannes Finke hat es gut. Zusammen mit dem Fotografen Matthias David lebt er mitten in Berlin in einem legendären Hot Spot von Altbauwohnung. Liegt irgendwo im Zentrum des Prenzlauer Bergs, vermutlich auf einem alten Haustierfriedhof errichtet. Ein Panoptikum voller Geister, Zirku
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Der Kleinverleger Johannes Finke hat es gut. Zusammen mit dem Fotografen Matthias David lebt er mitten in Berlin in einem legendären Hot Spot von Altbauwohnung. Liegt irgendwo im Zentrum des Prenzlauer Bergs, vermutlich auf einem alten Haustierfriedhof errichtet. Ein Panoptikum voller Geister, Zirkustiere und Stars. Finke bezog die Räumlichkeiten seinerzeit frisch geschieden auf Vermittlung von Robert Stadlober. Finke selbst stammt dabei – wie jeder gute Berliner – aus Baden-Württemberg, aus Schwaben. Dort war er Captain des Stuttgarter Marihuana-Teams, und plötzlich – 1000 Kilometer entfernt und 10.000 interessante Zigaretten später – feiern in seiner Bude Künstler und Gammler. In den Hauptrollen u. a. Benjamin Tewaag als Demolition Man.

Und so wie Bären der Honig anzieht, ziehen Party und Exzess immer noch mehr von ihresgleichen an. Jede Nacht Karaoke und Schnaps, das Ganze unter dem von Jungschauspieler und einstigem WG-Bewohner David Winter (siehe www.davidwinter.de) geprägten Begriff “Junkie Town”. Überliefert ist hierzu folgende Anekdote: Sonnenaufgang, gegen halb sechs, die Party brettert noch, wer kennt hier eigentlich wen? Egal. An den hohen Fenstern steht der Herausgeber einer bekannten Hochglanz- und Lifestyle-Zeitschrift. In seinen weiten Armen die Eroberungen der Nacht. Plötzlich seine entgeisterte Rückfrage an David: “Was, ‘Junkie Town’ ist gar kein Club?”

Das nämlich dachten zuletzt nicht wenige. Hier und heute allerdings gibt sich der Boheme-Parkplatz leidlich rausgeputzt. Sogar eine Küche konnte unter den Pfandflaschen und Abfallinstallationen herausgeschält werden. Dennoch: “rausgeputzt” ist ein dehnbarer Begriff. Laura Osswald ist das dreckige Entlein noch entschieden nicht sauber genug. Motiviert spült sie nach. Denn Laura möchte hier etwas kochen. Und nicht nur Toast Hawaii, nein, wir sprechen hier von der ganz großen Nummer: einer Kasserolle voller Hähnchenschlegel und kleinen Kartoffeln – Coq au Vin. Dasselbe dann auch vegetarisch mit schwer gewürzten Tofu-Stücken. Laura macht sogar Nachtisch – und ist dabei auch noch superberühmt (und laut Berliner Zeitung begehrteste Junggesellin Berlins).Sie trägt einen Rock, schwarz-weiß, luftig, bisschen Peter-Kraus-Style; dass das lange Haar streng zurückgestrafft ist, unterstreicht diesen Rock’n’Roll-Look noch. Laura hat dieser Tage zudem das Happyend der Erfolgs-Telenovela “Verliebt in Berlin” abgedreht. Dort spielte sie die Hannah. Wir reden über Soap, Privatfernsehen, Learning-by-doing und wie man all diesen Komponenten zum Trotz kein Trashvogel wird. Denn “V.I.B.” gilt nicht zu Unrecht als Archetyp für den aktuellen Telenovela-Boom. Dieser Tage startete der Nachfolger “S.I.B.” (“Schmetterlinge im Bauch”) auf SAT1, außerdem wird “Verliebt in Berlin” mit anderem Hauptdarsteller weitergeführt, einige der Me-too-Produkte sind ihren Machern aber auch bereits schon um die Ohren geflogen (allen voran die abgekürzte und sonst wann versendete “Lotta In Love”). “V.I.B.” ging ja gerade auch deshalb so gut auf, da es mehr Aussagen traf als immer nur “Liebe”. Es ging um die Realität der Aushilfs- und Praktikantengesellschaft und wie man es mit Fleiß und Demut trotzdem schaffen kann. Das ist eine problematische Aussage, war aber beim Publikum sehr beliebt und die Hauptdarstellerin Lisa eine eins a Praktikantin-Cinderella. Das ging übrigens sogar derart gut auf, dass die von Laura Osswalds Character Hannah mitgehostete Modelinie B-Style so populär wurde, dass man diese auch “in echt” erfand. (siehe www.b-style.de)

Neben ihrer so erfolgreichen “V.I.B.”-Rolle glänzte die hart kochende Laura auch in der Serie “Schulmädchen” auf RTL. Dieses Comedy-Format schaffte bis dato zwei Staffeln. Der schlüpfrige 70er-Softporno-Titel soll dabei nicht täuschen, “Schulmädchen” ist eine übergeschnappte und unchauvinistische deutsche Version von “Sex And The City”. Spielt in München und geht um ein Mädchen, das neu zuzieht und sich u. a. für ihren Bullenvater vor ihrer promiskuitiven Freundinnen-Clique schämt. “Die letzte Kontrolle kannst du in dem Geschäft natürlich nie behalten. Ich war mal mit einer Freundin im Waschraum einer Disko. Sie kam aus der Kabine zurück und sagte: ‘Du musst jetzt ganz tapfer sein’ und zeigte mir, dass an der Innenseite der Tür eine Werbung für ‘Schulmädchen’ hing. Mit einem Szene-Shot, wo ich selbst im Close-up auf dem Klo hocke und doof gucke. So was hatte ich mir eigentlich verbeten. Na, hatte aber wohl keinen gestört."

Seriöser geht’s da schon im Theater zu. Das hat sich Laura nämlich eine lange Zeit gegeben. Das Stück “Der Ausreißer” von Neil Simon lieferte sie 82 Mal in 85 Tagen ab, mitunter mehrmals an einem Abend. Keine leichte Übung, aber die wohl beste dafür, um als Ausgleich zum Fulltime-Job Soap bzw. Telenovela die eigenen Skills glaubwürdig zu erweitern. “Die Arbeitsweisen bei Film und Theater sind allein schon so unterschiedlich. Beim Theater probt der Regisseur zwei, drei Wochen am Stück mit dir, auf Tournee dann bist du aber völlig auf dich allein gestellt, und die Figur entwickelt sich über dich noch mal weiter, außerdem hast du immer das direkte Feedback der Leute. Beim Fernsehen fehlt das natürlich, dafür wirst du in jeder Szene gecoacht.” Jetzt tischt Laura aber auf. Was Warmes im Bauch in Junkie Town. Horsd’oeuvres- und Wein-besoffen kommt uns das sehr gelegen. Wir hängen an Lauras Lippen und Essen. Köstlich – das hat sie sich sicher nicht vom Catering-Wohnwagen abgeguckt. Das ist echt gekonnt. Laura bezieht just dieser Tage übrigens ihre neue Wohnung und plant beim Pudding schon ihre Balkonbepflanzung.

Epilog

Gegen Ende des Essens schwitzt bereits sexy Exzess-ahnender Spirit aus allen Ritzen. Und hallo ...Es klingelt, Künstler und Drop-outs laufen ein. Eine kleine Hölle bricht los. Wir versprechen, keine Namen und Handlungen der Hereingeschwebten preiszugeben. Was natürlich pure Heuchelei ist. Erst die reintropfenden Unterlassungserklärungen 48 Stunden nach der Party zwingen, unserem Gentleman’s Agreement zur Abwechslung auch mal Taten folgen zu lassen. Fazit also: Von Laura Osswald werden Sie noch viel sehen und hören, die Glücklichsten werden vielleicht sogar von ihr essen. Und ansonsten: Selbst “Junkie Town” ist just a Ten-Letter-Word.