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Spitting Of Tall Buildings

Kochen mit

Fotos: Christoph Voy Intim: »Lateinischen Ursprungs. Steht für: vertraut; innig; gemütlich; das Geschlechtsleben betreffend«. Nun, letzterer Teil der Dudendefinition sei schnell vergessen. Dennoch ist es diesmal so, dass wir - statt intimen Drei-Personen-Küchen-Privatismus zu zelebrieren - ein
Geschrieben am

Fotos: Christoph Voy

Intim: »Lateinischen Ursprungs. Steht für: vertraut; innig; gemütlich; das Geschlechtsleben betreffend«.

Nun, letzterer Teil der Dudendefinition sei schnell vergessen. Dennoch ist es diesmal so, dass wir – statt intimen Drei-Personen-Küchen-Privatismus zu zelebrieren – eine ganze Medien-Kompanie und Co. verköstigen werden, denn neben dem Gewinner eines Wettbewerbs des Band-Jeansausstatters Lee sind noch mindestens 20 Angestellte der sympathischen Promofirma Flora & Fauna (wir vermuten ja noch immer, dass die ihre Weihnachtsfeier mit uns durchgezogen haben) und der Gewinner der von uns ausgerufenen Rocco-Clein-Nikolaus-Versteigerungsaktion geladen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Spitting Off Tall Buildings, die junge aufstrebende Punk-a-go-go-Band, um die es heute gehen soll, sich an bodenständigem Essen versuchen. Aber was heißt schon bodenständig? Wenn man es nur kreativ genug angeht, können auch Pellkartoffeln mit Quark ganz schön raffiniert sein. Das Geheimnis an diesem Abend: Fünf verschiedene Quarks werden angerührt. Schließlich besteht die Band ja auch aus fünf Leuten. Wenn wir jetzt in einem dieser bemüht pfiffigen Kochbändchen wären, würde sich das so lesen: »Das Mädchen der Runde war der Knoblauchgurkenquarktyp. Die Jungs überzeugten mit Avocado-, Knoblauch- und Scampi-Kreationen.« Hier steht nur kurz und bündig: Rezept siehe unten. Die Fragen sollen, damit sich keine Parallelgesellschaften bilden, am besten die Gewinner stellen.

Ich habe euch neulich in Hamburg vor vier Leuten gesehen. Wie fühlt man sich da auf der Bühne?
Jana: Bisschen nervig war’s schon. Wir wollten halt unbedingt mal im Logo spielen. Man denkt dann ja schon, dass da bisschen für irgendwas gesorgt ist. Klar, man muss immer für alle spielen, die da sind. Aber da war es ein bisschen, hmm, schwierig. Ich meine, ein Konzert ist ja schon so ein Abend, den man zusammen verbringt, da kommt man sich affig vor, wenn niemand da ist.

Wer war denn die Hauptband?
J: My Early Mustang heißen die. Aber warum warst du da?

Weil ich euch sehen wollte.
J: Ach so! Echt?

Bin dann auch gleich nach eurem Gig gegangen. Aber da kamen ja noch fünf Leute rein. Ich weiß nicht, ob die jetzt auch bezahlt oder nicht bezahlt hatten.
J: Nee, das waren die vom Verlag.

Euer Sound ist nicht so verfickt deutsch.
Paul: Ja, das finden wir im Augenblick ja auch total angenehm. Obwohl es natürlich nicht unbedingt ein Verkaufsargument für irgendwelche Labels ist, das nicht mitzumachen. Julimond, oder wie die heißen, verkaufen sich halt besser. Aber das ist hier eben was Eigenes. Uns kann keiner unterstellen, dass wir auf irgendeinen Zug aufspringen.

Zumal die Halbwertszeit für das ganze Zeug auch schon vorbei ist. Hoffentlich zumindest. Die heißen übrigens Juli und Silbermond!
P: Silbermond. Bei denen hätte ich aber auch schon gedacht, als ich das das erste Mal gehört hab: »Ey, das fressen die Leute nicht.« Und die sind ja vorbeigezogen an allen. Die haben ja Gold. Unsere Musik ist halt noch ein’ Tacken sperriger als das, was zum Beispiel Mia. machen. Und deutsch ist es dazu auch noch nicht. Einfach ist es natürlich nicht.

Provinz oder Großstadt – wo rocken Spitting Off Tall Buildings besser?
P: Es ist schon so, dass die Leute auf dem Land extrem viel dankbarer sind und irgendwie auch treuer. Normalerweise, wenn du jetzt in Köln, Berlin oder Hamburg spielst, sind die Leute überfüttert mit irgendwelchen Bands. Jeden Tag spielt irgendwas Geiles.
J: Nennt irgendeine Stadt, und wir haben da gespielt. Wir haben eigentlich in jedem Kaff gespielt.

Koblenz, Erfurt.
J: Nee, Koblenz, Erfurt nicht. Würzburg, Wiesbaden, Heidelberg. Die letzten Touren waren ja immer so Support-Touren. Wir haben jetzt für Slut supportet, für McLusky und für Abwärts, und das war immer auf seine Art erfolgreich.
P: Die Tour mit Abwärts war super für uns. Da kamen total viele Ärzte-Kids, nur weil Rod von den Ärzten mitspielte. Und die können natürlich mit Abwärts gar nichts anfangen. Aber mit uns dann schon eher.

Den Effekt mit Rod habt ihr ja auch ein bisschen mit Jana ...
P: Ja, klar, aber da wir das ja wissen, haben wir uns ja auch bewusst entschieden, nicht gleich nach den ersten Gigs, bei denen immer Leute von Sony, Universal usw. waren, gleich wo zu unterschreiben. Obwohl wir nicht gut gewesen sind, hätten die uns trotzdem gesignt. Die hätten Jana und Band gesignt. Aber das wollte ja keiner von uns. Deswegen haben wir gesagt: Wir machen das ganz normal. Wir spielen jedes Kaff, vor fünfzig oder vier Leuten oder auch gerne hundertundzwanzig. Wir machen das erst mal. Und jetzt, wo wir einen guten Level erreicht haben, gehen wir eben nicht zum Major, sondern zum Indie.

Jetzt reicht es aber auch mit diesem ewigen Frage-Antwort-Spiel. Zeit zum großen Gelage am mindestens längsten Tisch Berlins. Beste Eiche. Klar. Und so was von betörend tolles dunkles Holz. Und während alle glücklich schmatzen und sich die Gewinner selbst- und ortverloren an die Band anlehnen, erzählt diese weitere Schoten aus dem aufregenden Tourleben. Jana: »Schweiz ist halt echt krass. Du kannst nach Polen fahren, wirst nicht kontrolliert an der Grenze. Aber in der Schweiz schön Strafzettel bezahlt, weil wir unsere T-Shirts nicht korrekt angegeben hatten. Da mussten wir hundert Euro Strafe zahlen.« Oder vom gemeinsamen Kuba-Urlaub des Bandpärchens, bei dem sie ganz romantisch am Strand spazieren gehen wollte, während er, von Cuba Libres geplättet, nur noch Fernsehen wollte. Mmh. Vielleicht waren das auch unsere Urlaubserinnerungen. Aber wirklich gehört haben wir folgende Gala-Meldung aus dem Mund von Jana: »Auf der allerersten Tour haben Paul und ich uns am ersten Tag getrennt, bevor wir überhaupt den ersten Gig gespielt haben. Es war herrlich. Und vor allem haben wir auch alle schön in einem Hotel zusammen gewohnt. Die eine Partei rechts, die andere links und wir in der Mitte. Ja, wir haben uns nach dem ersten Gig wieder vertragen. Es ist schon nicht so einfach. Du kannst nach der Probe halt nicht nach Hause gehen und deinem Partner erzählen: Ey, der Typ hat mich wieder so angenervt.«

Rezept
Kann man sich eigentlich schenken. Jede Menge Kartoffeln abkochen. Oder weniger, wenn nicht auch 20 Leute durchgeschleift werden müssen. Quark kaufen und Packung mit vollem Punkrock-Elan aufreißen. In verschiedene Töpfe geben und die Zutat, die die Haupttat sein sollte, hinzugeben. Mixer anschmeißen und ordentlich durchrütteln. Passt schon.

Jana Pallaske
Junge, sympathische Schauspielerin aus Berlin, die eigentlich wie so viele Filmkollegen (vergleiche Juliette Lewis, Robert Stadlober, Johnny Depp) ihre Kreativität nicht auf eine Kunst beschränken möchte und somit auch an die Flasche, äh, Gitarre geriet. Von wegen näher am Publikum dran und trotzdem nicht so dröge wie der Theaterscheiß. Bekannt und beliebt durch Leinwandknüller wie ›Alaska.de‹ und ›Engel Und Joe‹.