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Doch kein Feminist?

Joss Whedon in der Kritik

Joss Whedon (»Buffy the Vampire Slayer«) gilt als Vertreter der Gleichberechtigung und als Feminist. Seine Ex-Frau erhebt nun Vorwürfe, die diesen Ruf ins Wanken bringen.
Geschrieben am
Mit »Buffy the Vampire Slayer« schuf Joss Whedon 1997 eine in vielerlei Hinsicht toughe Protagonistin, die das ideale Vorbild für jedes pubertierende Mädchen ist. Hinter dieser außergewöhnlichen Fantasy-Figur steckt ein Mann, der sich seit frühester Kindheit als Feminist bezeichnet, so wurde er nach eigenen Angaben von seiner Mutter erzogen. Obwohl Joss Whedon beteuerte, dass er »Frauen bewundere und sie nicht begehre« musste er nach 15 Jahren Ehe mit seiner Frau Kai Cole, die ihn stets auf seinem Weg begleitet hat, schließlich gestehen, sie hintergangen zu haben. 

Seine Exfrau veröffentlichte in einem sehr persönlichen Essay Vorwürfe gegen ihn, mit der Intention, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass sie Whedon nicht als einen Helden feiern solle. Geheiratet hat das Paar vier Jahre nach ihrem Kennenlernen in 1995. Weder seine Ehefrau noch die Öffentlichkeit wussten, dass Whedon fast die ganze Zeit über Affären mit Kolleginnen und Fans hatte. Dennoch rechtfertigt er seine Taten konsequent: »In many ways I was the height of normal, in this culture. We’re taught to be providers and companions and at the same time, to conquer and acquire — specifically sexually — and I was pulling off both!«
 

Aufgewachsen ist der Drehbuch- und Comicautor, Regisseur und Produzent mit X-Men-Comics, woher auch seine Inspiration für »Buffy« stammt, nämlich die junge Schülerin Kitty Pryde mit der Superkraft zu »phasen«. Großen Respekt für starke Frauen hatte er schon früh, integrierte dieses Ideal stets in seine Arbeit und erlangte so den Ruf als Feminist und lautstarken Kritiker von konservativen Paradigmen in der Unterhaltungsindustrie. Cole arbeitet als Architektin, gründete gemeinsam mit Whedon Bellwether Pictures und mit »In Your Eyes« und »Much Ado About Nothing« hat sie zwei Filme ihres Mannes produziert. Laut ihres eigenen Statements war sie es auch, die Whedon ermutigte, nach dem gefloppten »Buffy«-Film eine Serie aus dem Stoff zu machen. 

Trotz des Betrugs hinterfragte Whedon nie seine Scheinheiligkeit in Bezug auf seine Feminismus-Predigten, obwohl er seine langjährige Partnerin aufgrund der Verschleierung von Tatsachen um ihre Entscheidungsfreiheit brachte, wie sie schreibt: »I now see how he used his relationship with me as a shield, both during and after our marriage, so no one would question his relationships with other women or scrutinize his writing as anything other than feminist.« Die Reaktion Whedons, veröffentlicht über einen Sprecher, schürt den Unmut um seine Person: »While this account includes inaccuracies und misrepresentations which can be harmful to their family, Joss is not commenting, out of concern for his children and out of respect for his ex-wife.« Er möchte den Text nicht kommentieren, tut es mit dem ersten Satz letztlich aber irgendwie doch und spielt sich, in diesem Widerspruch verstrickt, als der moralisch Überlegene auf.

Nichtsdestotrotz gerät seine Authentizität durch die mediale Aufruhr ins Wanken. Kai Cole hingegen gewinnt für sich selbst eine noch viel wichtigere Erkenntnis: »But no matter what happens, or how people interpret this tatement, I no longer have to carry the burden of Joss’ long-term deceit and confessions. I am free.«