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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kratzen & Beißen: Die monatliche Hass-Kolumne

Kristina Engel gegen Exklusion in der Popkultur

Inkludiert Popkultur Menschen mit Behinderung? Kristina Engel muss es wissen, schließlich ist die Rollstuhlfahrerin quasi immer schon Lektorin von Intro.
Geschrieben am
Inklusion ist derzeit in aller Munde, mir persönlich hängt sie zum Halse raus, denn seien wir ehrlich: Wirklich angedacht ist sie nur für Bildung und Arbeitswelt – auf dass der Behinderte schön funktionstüchtiges Glied unserer Gesellschaft sei. Aber wie heißt es so schön: Wer arbeiten will, kann auch feiern. Das geht eigentlich anders herum? Egal, sonst passt die Überleitung nicht. Nämlich: Am letzten Produktionstag der Jahresrückblicks-Ausgabe wollte ich so richtig meinen Feierabend zelebrieren. Thees Uhlmann spielt? Gebongt. Quasi fluchtartig verlasse ich meinen Arbeitsplatz, um pünktlich zum Einlass da zu sein, denn, so die Spielregel für Rollstuhlfahrer: je früher, desto einfacher die Platzsuche, vor allem aber auch das Durchkommen – noch dazu in einem ausverkauften Laden. Der für Rollstuhlfahrer vorgesehene Platz ist noch frei, wunderbar, das besiegeln wir mit einem Bier. Es soll nicht das letzte bleiben, denn ab jetzt nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Die Halle füllt sich und füllt sich und ist schließlich übervoll. Wo sollen die denn bloß alle hin??? Ach, klar, vor meine Nase!!! Den Support kann ich genau 30 Sekunden lang erspähen – für Thees muss eine Platz-Alternative her. Auch wenn ich diese Intro-VIP-Nummer hasse, hier muss ich sie zücken, will ich nicht furchterregend schlechte Laune kriegen.

Mein Assistent düst also los, irgendwie Kontakt zum Künstler aufzunehmen, denn lieber eingeschränkten Blick und Sound neben der Bühne als eingekerkert von einer Mauer aus Rücken. (Schon klar, dass 08/15-Betroffene einfach nur die Arschkarte gezogen haben.) Den Mischpult-Leuten ist’s egal. Den Hütern des Backstage-Bereichs auch. Den Besten bringt allerdings der Einlass: Zwei Securitys seien im Saal, die solle mein Begleiter suchen, um Platz schaffen zu lassen. 1. Wofür gibt’s Funkgeräte? 2. Wo bitte sollen die ca. 20 Sichtnehmer denn hin? 3. Glaubt ernsthaft jemand, der frei gewordene Platz bliebe auch frei? Das Konzert beginnt, ich kriege furchterregend schlechte Laune und betrinke mich haltlos. Thees liefert den Soundtrack dazu, gesehen hab ich ihn erst später. Eins muss man meinem Platz ja lassen: Sicher ist er, wenn auch nicht vorm Angerempelt-Werden, denn alle sehen nur die Lücke über meinem Kopf. Ach ja, und weg kann ich auch nicht, dafür müsste ich – nomen est omen – fliegen können. Liebe Popkultur, ich bin’s leid, immer Verständnis zu haben! Nimm dir ein Beispiel an der Hochkultur, wo es längst anders läuft. Aber wer will schon immer einen auf Hochkultur machen ...