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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Wir sehen das nicht als PR-Gag, sondern als Signal«

EXIT im Gespräch zu "Rechts gegen Rechts"

Das »Wunder von Wunsiedel«, »Rechts gegen Rechts«. Wunsiedel ist berühmt dank seiner kreativen Art, mit rechtsextremen Märschen umzugehen und das Ganze fix in eine Spendenaktion umzuwandeln. Am Montag teilten wir das inzwischen bis in die USA berühmte Video, jetzt haben wir mit Fabian Wichmann (EXIT), einem der Verantwortlichen, über Motivation, Finanzierung und Zukunftspläne gesprochen.
Geschrieben am
Habt ihr bei EXIT mit einem so überwältigenden Feedback gerechnet? Ruhm bis in die USA?
Nee, das nicht. Wir hatten die Hoffnung und vielleicht auch ein bisschen die Erwartung, dass es nett wird und vielleicht interessierte Menschen findet, weil wir vor Jahren schon dieses »Trojanische T-Shirt« gemacht hatten. Aber dass es jetzt diese Dimension annimmt - weit über eine Million Klicks beim Video und es steht nicht einmal eine Woche drin - das hat keiner für möglich gehalten.  

Wer hat die Aktion eigentlich finanziert?

Eine enge Zusammenarbeit bestand mit zwei Partnern, mit denen wir lange diskutiert haben. Dann hatten wir im zweiten Kreis Unterstützer, die quasi die Rahmenbedingungen unterstützt haben, die den Druck und andere Kosten mitgetragen haben. Und natürlich Spender. Aber auch die engen Partner haben da pro bono Leistungen gebracht, die man sonst kaum so in die Wege hätten leiten können.  

Und wie lange haben die Vorbereitungen gedauert?

Die Idee diskutiert haben wir vor zwei Jahren. Die konkrete Vorbereitung war dann doch nicht mehr so lange, da hatten wir dann bloß noch vier, fünf Wochen Zeit um die Sache mit den relevanten Menschen vor Ort zu besprechen und letztendlich in Produktion und Umsetzung zu gehen.  

Meinst du, man sollte sich viel öfter über diese »Herrenmenschen« lustig machen?

Ich weiß nicht, wie der Königsweg ist. Ich denke, es gibt notwendige Rahmenbedingungen, um sich auf verschiedenen Ebenen ernsthaft mit der Problematik auseinanderzusetzen. Man kann nicht überall das gleiche Modell fahren und einfach nur sagen »Komm, wir lachen darüber und das Problem wird verschwinden.« Das wird nicht funktionieren. Aber die Aktion sollte ein Stück weit auch ein Appell sein und zeigen, wir müssen vielleicht auch andere Formen der Auseinandersetzung finden, Alternativen, wie wir mit bestimmten Erscheinungsformen umgehen, Kreativität und Professionalität walten lassen. Ich würde aber auch hoffen, dass man über seine Missgunst ein Signal setzten kann und damit die Welt verändert wird.
Gab es Reaktionen und Drohungen aus dem rechten Lager?
Da ist bist jetzt eigentlich keine Reaktion erfolgt, jedenfalls keine direkte. Während der Demonstration hat da keiner Bezug drauf genommen. Es gab nur eine Situation, in der der Bananenstand fotografiert worden ist und dann kam »Guck mal hier, Essen für die Affen«. Man hat aber sonst das Ganze stoisch und schweigend hingenommen. Das liegt auch ein Stück weit in der Natur der Sache, weil das Ganze ja ein Gedenkmarsch an Rudolf Hess war. Da gibt es klare Anweisungen von der Leitung gegenüber den Teilnehmern, sich ruhig zu verhalten und nicht zu reagieren. Und da haben sie sich jetzt auch im Nachhinein dran gehalten. Vielleicht einzelne Posts bei Facebook, mit Häme oder einer stark hervorgehobenen Gelassenheit, so ein: »Ist doch eh alles egal«.  

Sind solche Aktionen grundsätzlich sinnvoll? Können wir mehr erwarten?

Wir haben ja eigentlich ein anderes Arbeitsfeld, die Ausstiegsbetreuung und die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in vielerlei Hinsicht. Aber wenn wir die Rahmenbedingungen haben und die Möglichkeit, dann wollen wir solche Aktionen gerne perspektivisch umsetzten. Aber wie gesagt, ob das der Königsweg ist, weiß ich nicht. Grundsätzlich wollten wir darauf aufmerksam machen, dass es eine langfristige Auseinandersetzung braucht. Aber letztendlich braucht man auch eine stabile, finanzielle Grundlage, auch von staatlicher Seite.  

Durch die mediale Verbreitung via Facebook und Youtube wurde eine neue, jüngere Zielgruppe angesprochen. Wie wichtig ist das für euch?

Ich denke, durch diese alljährlichen, wiederkehrenden Aufmärsche hat sich schon eine gewisse Frustration breitgemacht. Viele denken dann natürlich: »Was soll ich da noch machen, die kommen ja eh wieder, da kann ich’s gleich sein lassen.« Und da zu sagen: »Nee, man hat vielleicht noch Möglichkeiten« und das so aufzubereiten, dass man Jugendliche, die man vielleicht sonst schwer erreicht, auch wieder für das Thema zu begeistern, ist wichtig. Wir haben auch Feedback von Wunsiedler Jugendlichen bekommen, die sehr positiv auf die Aktion reagiert haben. Wenn wir das erreichen, dann ist das natürlich mehr wert, als der erbrachte Umsatz. Wir sehen das als großen Erfolg, nicht als PR-Gag sondern als Signal, sich damit zu befassen. Die Aufmerksamkeit freut uns und zeigt uns, dass das Ganze sehr positiv aufgenommen wird.