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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

CNN, WWF, NFL, WTF?

Ein Jahr Trump

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich eines Tages für einen Jahresrückblick über die Präsidentschaft von Donald Trump schreiben würde, hätte ich mich vermutlich zweimal zögerlich vergewissert, ob vielleicht Marty McFly vor mir steht – und dann herzhaft gelacht. Bastian Küllenberg blickt auf die Momente mit Trump zurück, in denen ihm das Lachen vergangen ist.
Geschrieben am
Herzlich willkommen in der Gegenwart. Seit dem 20. Januar 2017 ist Donald John Trump der 45. Präsident der USA. Mit ihm sitzt nun ein Mann im Weißen Haus, dessen politischer Stil sich aus populistischer Pöbelei, Sexismus, rassistischen Ressentiments und Narzissmus zusammensetzt. Im Laufe seines ersten Regierungsjahres wurden die Gräben innerhalb der amerikanischen Gesellschaft noch tiefer, und auch außenpolitisch hinterließ Donald Trump bisher einen bedenklichen Eindruck. Stichwort: rocket man. So nannte er allen Ernstes den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un.

Trumps eilig eingereichtes Dekret zum Einreisestopp von Muslimen wurde zwar in zwei Ausführungen vor Gericht aus der Welt geschafft, mittlerweile liegt jedoch eine dritte Version vor, wonach immerhin für Menschen aus sechs muslimischen Ländern Einreisebeschränkungen gelten. Und auch wenn noch nicht klar ist, ob sich dieses milliardenschwere Projekt überhaupt realisieren lässt, wurden bereits Unternehmen damit beauftragt, Prototypen für eine mögliche Mauer an der mexikanischen Grenze zu entwerfen.

Die größte Arena des Präsidenten ist Twitter, wo @realDonaldTrump mehrfach täglich mit seinem privaten Profil 42,3 Millionen Follower erreicht. Der offizielle Kanal des US-Präsidenten hat halb so viele und darf nur re-tweeten. Nichts könnte das Selbstverständnis von Donald Trump besser auf den Punkt bringen. Und nirgendwo sonst offenbart sich der ungehobelte Bully deutlicher.   Am 2. Juli schoss der US-Präsident eine Punchline in die Welt, bei der im wahrsten Sinne die Fäuste flogen. Unter dem Hashtag #FraudNewsCNN teilte Donald Trump ein Video, in dem er höchstpersönlich einen Mann mit CNN-Logo als Kopf verprügelt. Ausgangsmaterial des Memes ist ein Auftritt Trumps beim Wrestling-Großevent Wrestlemania 2007, bei dem Trump WWE-Inhaber Vince McMahon im Rahmen einer Storyline-Fehde gegenübertrat. Dass derartiges Videomaterial von einem späteren US-Präsidenten überhaupt existiert, ist verwunderlich genug, es aber auf diese Art zum Meme zu machen und als Amtsinhaber in die Welt zu posten ist ein Skandal. Umso mehr, da außer öffentlicher Empörung jegliche Konsequenzen für das Staatsoberhaupt ausblieben.
Eine interessante Information am Rande der Aufregung: Vince McMahons Ehefrau Linda, bis 2009 Geschäftsführerin der WWE, wurde bereits im Dezember letzten Jahres von Donald Trump zur Leiterin der Small Business Administration nominiert.

Hoffnung findet man indes im Profisport. »Get that son of a bitch of the field right now!« forderte Donald Trump im September bei einer Wahlkampfveranstaltung von den Clubeigentümern der NFL als Reaktion auf Football-Spieler, die sich als Zeichen des Protests während des Abspielens der Nationalhymne hingekniet hatten. Doch dieser Erfolg blieb ihm verwehrt, und das nicht zuletzt aus historischen Gründen, die unmittelbar mit der Biografie des Präsidenten verknüpft sind. Bereits 1984 hatte Donald Trump versucht, ein NFL Team zu erwerben, war jedoch an Ligapräsident Pete Rozelle gescheitert, der ihn für einen windigen Geschäftemacher und schlicht nicht würdig hielt, in den erlauchten Kreis der Club-Eigentümer aufzusteigen. Daraufhin kaufte Trump die New Jersey Generals in der USFL, einer Konkurrenz-Liga, die wenig später scheiterte. 2014 versuchte Trump es erneut, wurde jedoch im Bieterwettstreit um die Buffalo Bills von Milliardär Terry Pegula geschlagen. »The @nfl games are so boring now that actually, I’m glad I didn’t get the Bills. Boring games, too many flags, too soft!« kommentierte er im Oktober 2014 auf Twitter, einem schmollenden Kind näher als dem zukünftigen Präsidentenamt.
Vielleicht liegt genau hier ein Weg für die Zukunft: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Und Donald Trump hat viel in diesen Wald gebrüllt in seinem Leben. Das Echo hat grade erst begonnen.