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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Folge 2: Bipolare Störung

Doc Intros Lexikon der Musikerkrankheiten #232

Doc Intro widmet sich auch diesen Monat seinem neuen Arbeitsauftrag: Statt tourende Künstler medizinisch zu beraten, durchleuchtet er Krankheiten, die Musikgeschichte schrieben, weil sie berühmte Musiker geplagt, inspiriert oder dahingerafft haben. Da wir kürzlich im Kino die Kurt-Cobain-Doku »Montage Of Heck« sahen, geht es diesmal um die bipolare Störung, die – obwohl offiziell nie eindeutig diagnostiziert – nach landläufiger Meinung Grund für Cobains Suizid am 5. April 1994 gewesen sein dürfte.
Geschrieben am
Wann genau der Sinkflug des Kurt Cobain begann, ist schwer zu sagen. Wie er endete, wissen wir genau. Zwar stieg Cobain mit Nirvana in den Musik-Olymp auf, kam aber wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen – und nicht nur die 27-Jährigen – nie richtig im Leben an. Was nützt das Genie, wenn der Wahnsinn so oft siegt?

Cobains Depression und Tabletten-Karriere begann schon im Scheidungs-Kindesalter mit Ritalin und fehlender Aufmerksamkeit. Lange, bevor er mit 15 seine erste Gitarre von einem Onkel geschenkt bekam. Später gesellten sich Alkohol und Heroin dazu. Beides ist laut aktueller und ebenso damaliger wissenschaftlicher Meinung nicht förderlich bei psychischem Leiden.

Auch wenn es nie offiziell diagnostiziert wurde, spricht vieles dafür, dass der Nirvana-Frontmann an einer bipolaren Störung (a.k.a. manischer Depression) litt. 

Neben depressiven Phasen kommt es bei dieser Erkrankung zu extrem euphorischen und energiegeladenen Hochphasen, einhergehend mit Realitätsferne und Hang zum Größenwahn. Im speziellen Fall von Cobain vielleicht auch berechtigt. Sowohl die Intensität beider Gemütszustände (kurz gefasst: traurig oder geil drauf) als auch deren Dauer und Intervall sind bei verschiedenen Formen der Erkrankung stark unterschiedlich. 

Die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika und Antidepressiva richtet sich nach den einzelnen Phasen und wird im besten Falle begleitet von einer regelmäßigen Psychotherapie. Prophylaktisch wird Lithium verabreicht, das nicht nur für den Akku unserer Handys gut ist, sondern im Gehirn eine Stimmungsstabilisation bewirkt und das Auftreten akuter Depression oder Manie verhindern soll. Bekanntlich findet sich im Nirvana-Oeuvre auch der Song »Lithium«, in dem Cobain Mantra-artig immer wieder singt: »I’m not gonna crack.« 

Im Gegensatz zur klassischen Depression, die eine vorübergehende Erscheinung sein kann, sollte die bipolare Störung lebenslänglich therapiert werden und ist streng genommen nicht heilbar. Außer mit einer Flinte. Zugegeben, nicht die beste Lösung. R.I.P. Kurt.

Brett Morgen

Cobain - Montage Of Heck [Blu-ray]

Release: 28.05.2015