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Folge 3: Tinnitus

Doc Intros Lexikon der Musikerkrankheiten #233

Auch diesen Monat stellen wir an dieser Stelle eine Krankheit vor, die Musikgeschichte schrieb, weil sie berühmte Musiker geplagt, inspiriert oder dahingerafft hat. Da Doc Intro dieser Tage im Urlaub weilt, bedanken wir uns bei Dr. Hanno, der die Praxis diesmal vertretungsweise führt. Er widmet sich dem Tinnitus, einer Krankheit, die viele Musiker plagt, angeblich zum Beispiel Bob Dylan, Neil Young, Bono, Phil Collins, Sting, Ozzy Osbourne, Will.i.am oder Schauspieler und Musiker William Shatner.
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Das U2-Fan-Forum ist zerstritten. Hat Bono nun Tinnitus? Und wenn ja, warum redet er nicht drüber? Oder tut er es etwa in seinen Songs? Beschreiben nicht folgende Zeilen aus »Staring At The Sun« die Krankheit perfekt? »There’s an insect in your ear / If you scratch it won’t disappear / It’s gonna itch and burn and sting / You want to see what the scratching brings«? Ähnlich wie bei Bono steht es mit vielen Musikern: Viele plagt der Tinnitus gerüchteweise, wenige benennen ihn konkret oder werden aktiv. Eine prominente Ausnahme ist Ozzy, der einer britischen Tageszeitung erzählte, er leide unter permanentem Tinnitus, »was bedeutet, dass ich ein konstantes Klingeln in meinem Kopf höre. Ich hätte wohl doch Ohrenstöpsel tragen sollen.« Ozzy ist dabei mit seiner Beschreibung ganz dicht am eigentlichen Wortsinn, denn der Begriff stammt vom lateinischen »tinnere«, übersetzt: »klingeln«.

Es ist nahe liegend, dass Musiker, die oft hohen Lautstärken ausgesetzt sind, besonders anfällig für die Erkrankung sind. Medizinische Ursachen für die akute Form können eine Folge von Lärmschäden, Mittelohrentzündung, Schwerhörigkeit, Drehschwindel und anderen organischen Erkrankungen sein. Auch ein Hörsturz, starker, dauerhafter Stress oder Blockaden an der Halswirbelsäule können einen Tinnitus auslösen. Als Behandlungsmethode hat sich das Medikament Cortison etabliert. Allerdings nur, wenn es sich nicht um einen chronischen Tinnitus handelt, der die oben genannten Musiker (angeblich) plagt. In dem Fall ist man als Musiker dann wirklich a bisserl – pardon – am Arsch, denn Medikamente helfen dabei leider nicht. 

Zuerst sollte man natürlich verstärkt sein Gehör schützen. Damit sich das konstante Geräusch nicht zu permanentem Psychoterror auswächst, ist die ärztliche Empfehlung in diesen Fällen vor allem Stressvermeidung und Ablenkung, die dann – welch bittere Ironie (oder doch großer Segen?) – auch durch Musik erfolgen kann. Wer sich zum Beispiel immer mal gefragt hat, warum Will.i.am eine Weile eine schlimme Produktion nach der anderen losließ, wird dieses Tinnitus-Geständnis im britischen Klatschblatt The Sun sehr erhellend finden: »Ich weiß gar nicht mehr, wie sich Stille anhört. Musik ist das Einzige, das meinen Schmerz lindert. Arbeit beruhigt mich. Ich ertrage es nicht, still zu sein, weil ich dann dieses Ohrenklingeln höre, das nie Ruhe gibt.« Na, beißt sich hier etwa die Katze in den Schwanz?